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Monsters and Critics Startseite Zur HTML Version des Artikels TV Programm Es scheint ein aussichtsloses Vorhaben zu sein, das Gefühl der Trauer zu fassen, noch dazu in einem Film. Ohne dabei jemals ins Kitschige oder Sentimentale abzurutschen, ist es dem italienischen Regisseur und Schauspieler Nanni Moretti gelungen. Sein stilles Drama 'Das Zimmer meines Sohnes', das 2001 mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet wurde, lässt tief in die Gemüter einer Familie blicken, deren Sohn bei einem Tauchunfall ums Leben kam. Weniger der schreckliche Tod an sich, als der Zufall, das Schicksal, wirft das Leben der Eltern und der Schwester aus der Bahn. ARTE zeigt 'Das Zimmer meines Sohnes' nun zum Auftakt der Reihe '60 Jahre Cannes'. 'Wenn ich da geblieben wäre ...' Giovanni (Moretti), der Psychoanalytiker, denkt nach dem Tod seines Sohnes Andrea (Giuseppe Sanfelice) an nichts anderes, als die Zeit zurückzudrehen. Er folgte an jenem Tag der Bitte eines Patienten, anstelle - wie geplant - mit Andrea joggen zu gehen. Die Mutter Paola (grandios dargestellt von Laura Morante, der Nichte der Schriftstellerin Elsa Morante) erträgt diesen Wunsch ihres Mannes bald nicht mehr. Die glückliche Familie zerbricht. Nur das Auftauchen eines jungen Mädchens, das Andrea im Zeltlager kennengelernt hatte, lässt die Trauernden wieder langsam ins Leben zurückkehren.
Moretti, der in seinen Filmen immer auch die Hauptrolle spielt, ist in Italien aufgrund seiner linken politischen Haltung umstritten und wurde dort auch heftig für die Darstellung der Trauer in 'Das Zimmer meines Sohnes' kritisiert. Seine Vorgehensweise ist leise - kein Blut, selten nur Tränen - aber wirkungsvoll. Wenn der Sarg des Sohnes verschweißt wird, die Nägel hineingebohrt werden, erhalten die sonst lediglich technischen Geräusche eine tiefe traurige Bedeutung. Wenn der Vater nach den Ursachen sucht, sich in einem Tauchgeschäft die Ausrüstung erklären lässt und in seinen Gedanken immer wieder die 'Was wäre wenn'-Situation durchlebt, illustriert das die Verzweiflung des Mannes derart eindringlich, wie es dramatische, laute Szenen nie erreichen könnten.
Auch das Spiel mit Symbolen beherrscht Moretti perfekt. Brian Eno singt in 'By This River' von der Orientierungslosigkeit, und Nanni Moretti öffnet und durchschreitet währenddessen unzählige Türen. Die Patienten des Analytikers reden von Selbstmord oder Sinnsuche, und verweisen so immer auch auf Giovannis eigenes Leben. 'Wie ist es möglich, normal weiterzuleben, es geht einem gut, aber trotzdem denkt man darüber nach, sich umzubringen?' © 2007 teleschau © Copyright 2008 by monstersandcritics.de. This notice cannot be removed without permission. |