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TV Kritik: Die Blechtrommel - Ein Stück Filmgeschichte - 10.05.2007 20:40:00 - ARTE
Von Vera Seeberg 3. Mai 2007, 08:22

Oskar (David Bennent) hat beschlossen, nicht mehr zu wachsen.© ARD / Degeto
Polen und besonders die Stadt Danzig liegen Regisseur Volker Schlöndorff am Herzen. Zuletzt drehte er 'Strajk - Die Heldin von Danzig', einen Film über die Ursprünge der Solidarnosc-Bewegung, in der Ostseestadt. Auch 'Die Blechtrommel' (1978) entstand dort. Mit dem Film erhielt erstmals ein deutscher Beitrag in Hollywood den Oscar als bester ausländischer Film. ARTE wiederholt das Meisterwerk allerdings wegen einer anderen Auszeichnung, die Schlöndorff mit der Verfilmung des Günter-Grass-Bestsellers gewann. 'Die Blechtrommel' wird im Programmschwerpunkt '60 Jahre Cannes' ausgestrahlt, knapp eine Woche vor Beginn der Jubiläumsausgabe des Filmfestivals (16. bis 27. Mai). Volker Schlöndorff wurde 1979 an der Croisette als erster Deutscher mit der Goldenen Palme für den Besten Film geehrt.

'Die Blechtrommel' erzählt aus dem Leben des Oskar Matzerath (David Bennent) - von seiner Geburt im Jahre 1924 in Danzig bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Im Alter von drei Jahren beschließt der Junge, nicht mehr größer zu werden, weil er nicht der Welt der Erwachsenen angehören will.

Mit Hilfe einer Blechtrommel und einem unglaublichen Stimmvolumen tyrannisiert er seine Eltern und protestiert zugleich auf seine Weise gegen eine mit dem Faschismus immer stärker sympathisierende Umwelt. Oskar stört Naziaufmärsche, bringt seine beiden mutmaßlichen Väter ins Grab und schwängert seine spätere Stiefmutter (Katharina Thalbach) - ein höhnischer Zwerg, der die Welt auf den Kopf zu stellen vermag. Der Regisseur stellt mit diesem Werk auf drastische Weise aus der Sicht eines sich verweigernden Kindes dar, wie sich der Faschismus langsam anbahnte und immer weitere Kreise zog. Schlöndorffs 'sehr deutsches Fresko' ist heute wie damals sehenswert und hat nie den aktuellen Bezug verloren.

Übrigens: Den Auslands-Oscar holten nach Schlöndorff mit Caroline Link ('Nirgendwo von Afrika', 2003) und in diesem Jahr auch Florian Henckel von Donnersmarck ('Das Leben der Anderen') bereits zwei weitere deutsche Filmemacher. Die Goldene Palme 'gedieh' hierzulande hingegen nur noch einmal: Wim Wenders überzeugte die Jury 1984 mit 'Paris, Texas'.
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