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Der Tag als Theo van Gogh ermordet wurde - Die Chronik eines Attentats - 13.06.2007 22:45 - ARD
Von Annekatrin Liebisch 13. Jun 2007, 22:45
Ein Bild geht durch die Medien, ein Bild von van Gogh. Doch es ist kein Gemälde, das die Welt erschüttert - es ist ein verwackeltes Foto, aufgenommen mit einer Handykamera, das Theo van Gogh, den Ur-Urenkel des berühmten Malers, zeigt. Theo van Gogh, der reglos mitten auf der Amsterdamer Linnaeusstraat liegt, niedergestreckt durch acht Schüsse aus nächster Nähe, mit durchtrennter Kehle und einem Messer in der Brust, an dem ein fünfseitiger Bekennerbrief hängt. Das Bild entstand am 2. November 2004, es war 'Der Tag als Theo van Gogh ermordet wurde'.
Für Esther Schapira und Kamil Taylan war es sicher zwiespältig, dieses Thema in dem vom HR produzierten Film umzusetzen. Denn ein Film war auch der Auslöser für den Mord an dem umstrittenen Regisseur, der Muslime öffentlich als 'Ziegenficker' bezeichnete. In der Woche, nachdem der Islamist Mohammed Bouyeri den Filmemacher auf offener Straße regelrecht abschlachtete, brannten die Moscheen und die Islamschulen im sonst so toleranten Amsterdam. Auf der Beerdigung, die auf Großbildfernsehern übertragen wird, warnt van Goghs Mutter im Film: 'Mein Sohn sagte am Telefon immer 'Take care'. Heute sage ich Ihnen: 'Take care' in der Zukunft!'
Vorsichtig nähert sich die ARD-Dokumentation der Bluttat von allen Seiten: Mit Aufnahmen aus seinem Stadtviertel, Interviews mit einem Arbeitskollegen, einem Kommilitonen und seinen früheren Lehrern rekonstruiert sie den Werdegang des Täters Mohammed Bouyeri, der sich von einem netten, aufmerksamen Jungen zum fanatischen Mörder entwickelte.
Auf der anderen Seite geben Van Goghs Mutter, seine engsten Freunde und Islamkritikerin Aiaan Hirsi Ali über den kompromisslosen Theo van Gogh Auskunft. Auf Aiaan Hirsi Ali, die das Drehbuch zu van Goghs verhängnisvollem Film 'Submissions' schrieb, liegt das Hauptaugenmerk, denn sie kannte die Gefahr. 'Ich bat den Innenminister um Personenschutz für Theo, doch der meinte: 'Ihm wird schon nichts passieren', erklärt die ehemalige Abgeordnete.
Obwohl der Film neutral bleiben will, präsentieren die Autoren einen Sündenbock, der vielleicht wütend wird, sich aber bestimmt nicht an ihnen rächt: den niederländischen Geheimdienst. Er, so die Aussage, hätte das Opfer warnen und den späteren Täter schon viel früher verhaften können.
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