Literatur Reportagen
Neue Liebesromane gehen zu Herzen
Von Susanna Gilbert-Sättele 31. Mai 2007, 13:14

Maxim Biller lässt den Gefühlen freien Lauf. © DPA
Hamburg - Das Karussell der großen Gefühle dreht sich wieder: Wie stets im Wonnemonat Mai überschwemmten unterschiedlichste Liebesromane den Buchmarkt - und die überwiegend weiblichen Leser stürzen sich nur zu gern auf die zumeist romantische Lektüre.
Zu den anspruchsvolleren neuen belletristischen Werken zum Thema Liebe zählt Maxim Billers Kurzgeschichtensammlung «Liebe heute». Ohne Sentimentalität, aber mit Humor erzählt der 47-jährige Autor von der stets aktuellen Sehnsucht nach der wahren Liebe, der oft die Scheu entgegen steht, sich auszuliefern.
Dagmar Leupolds Roman «Grüner Engel, blaues Land» wiederum handelt von der ungewöhnlichen Liebesgeschichte zweier vom Leben enttäuschter Menschen, die auf einer gemeinsamen Reise zueinander finden. Leupold überzeugt mit ihrem eigenen Duktus und ungewöhnlichen Bildern.
Variationen von Beziehungen malt die Journalistin Martha Gellhorn in ihrem posthum erschienenen Novellenband «Paare» aus. In vier Geschichten über vier Paare und ein (Ehe-)Versprechen schildert die 1998 gestorbene Gellhorn von dem Auf und Ab gemeinsamen Lebens. Mit ihrer eleganten, aber auch gestochen scharfen Handschrift überzeugt sie als Autorin, die - so schrieb einmal ein Kritiker - «vor keinem Kriegsgebiet, keiner Kultur und keinem männlichen Ego zurückschreckte».
Eher unkritisch gehen andere Romanciers an das heikle Thema Liebe heran - und das mit Erfolg. Nicholas Sparks etwa, der Spezialist für «sentimentale Geschichten mit Niveau» («Bild am Sonntag»), legt mit «Das Leuchten der Stille» erneut einen Herz-Schmerz-Roman der ergreifenden Sorte vor. Ein junger Amerikaner kämpft um die Liebe seiner Angebeteten, die, weil sie nicht mehr länger auf ihn warten wollte, einen anderen geheiratet hat.
Dieses Thema greift auch die Spanierin Maria de la Pau Janer in ihrem Buch «Wohin die Liebe dich trägt» auf, in dem sich eine junge Frau vor die Entscheidung gestellt sieht, ihrer Jugendliebe zu folgen oder dem Lebenspartner treu zu bleiben. Die mallorquinische Professorin versteht es blendend, auf der Gefühlsklaviatur ihrer Leserinnen zu spielen.
Auch Cecelia Ahern darf sich für ihr Buch «Vermiss mein nicht» beste Absatzchancen ausrechnen, zumal ihre früheren Liebesromane allesamt internationale Bestseller wurden. Die Fähigkeiten der jungen Irin, sich mit den zentralen Fragen des Lebens auseinander zu setzen und ihre Geschichten mit dem Zauber der Magie aufzuwerten, belohnt ihre weltweite Fangemeinde mit Treue.
Der Erfolgstitel «Schokolade zum Frühstück» mit Titelheldin Bridget Jones stand Pate für Sue Margolis' frechen Roman «Zu brav für die Liebe». Denn wieder einmal mutiert hier eine unscheinbare Angestellte zur selbstbewussten Kämpferin für die eigenen Interessen.
Als schwedische «Bridget Jones» wird auch Belinda Olsson daheim gefeiert, nun muss sie zeigen, ob ihr Roman «Knallbonbon» auch vor den Augen deutscher Leserinnen Gnade findet. Die rasante Geschichte über eine junge Reporterin, deren wohlgeordnetes Leben durch Schwangerschaft ins Trudeln gerät, ist nach einem bewährten Rezept gemixt: viel Gefühl, Tempo und ein gehöriger Schuss Humor.
In Lolly Winstons Komödie «Sommertau und Wolkenbruch» sorgt die Tatsache, dass sich trotz aller Bemühungen kein Baby ankündigen will, für erhebliche emotionale Turbulenzen im Leben eines jungen Paares. Über das eigentlich ernste Thema huscht die amerikanische Autorin mit leichter Feder dahin, so dass der Roman pure Entspannung verspricht.
Dramatischen Liebesgeschichten lässt Kiana Davenport gern vor der malerischen Kulisse ihrer Heimat Hawaii ihren Lauf. In «Feuergöttin» begegnet einer jungen Einheimischen in einem Russen die große Liebe. Doch bevor sie glücklich vereint sind, müssen die beiden noch etliche Schicksalsprüfungen bestehen.
In die schottischen Highlands entführt Brian Jay Corrigan in seinem Liebesroman «Der Dichter von Glen Mor». Inmitten einer gewaltigen Landschaft entzündet sich zwischen der verheirateten Amerikanerin Perdita und dem schottischen Einsiedler Andrew ein verzehrendes Liebesfeuer - eine ergreifende Story in manchmal allzu schwülstigem Stil. Souveräner jongliert Kristin Hannah in «Wohin das Herz uns trägt» mit den großen Gefühlen: Ihre Heldin, eine Kinderpsychologin, findet ausnahmsweise einmal nicht durch einen Mann zu sich selbst, sondern durch ihre Zuneigung zu einem einsamen Kind.
Cecelia Ahern
Vermiss mein nicht
Krüger Verlag, Frankfurt
425 S., Euro 16,90
ISBN-13: 978-3-8105-0143-1
Maxim Biller
Liebe heute
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln
197 S., Euro 18,90
ISBN-13: 978-3-4620-3702-9
Brian J. Corrigan
Der Dichter von Glen Mor
Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach
347 S., Euro 16,95
ISBN-13: 978-3-7857-2272-5
Kiana Davenport
Feuergöttin
Droemer Verlag, München
526 S., Euro 19,90
ISBN-13: 978-3-4261-9725-7
Martha Gellhorn
Paare
Dörlemann Verlag, Zürich
255 S., Euro 22,00
ISBN-13: 978-3-9087-7726-7
Kristin Hannah
Wohin das Herz uns trägt
Verlag von Schröder, München
492 S., Euro 19,95
ISBN-13: 978-3-5477-1077-9
Dagmar Leupold
Grüner Engel, blaues Land
Beck Verlag, München
204 S., Euro 17,90
ISBN-13: 978-3-4065-5617-3
Sue Margolis
Zu brav für die Liebe
Knaur Verlag, München
462 S., Euro 7,95
ISBN-13: 978-3-4266-3603-9
Belinda Olson
Knallbonbon
Limes Verlag, München
414 S., Euro 14,95
ISBN-13: 978-3-8090-2529-0
Maria da la Pau Janer
Wohin die Liebe dich trägt
Verlag Blanvalet, München
383 S., Euro 7,95
ISBN-13: 978-3-4423-6675-0
Nicholas Sparks
Das Leuchten der Stille
Heyne Verlag, München 400 S., Euro 19,95
ISBN-13: 978-3-4532-6545-5
Lolly Winston
Sommertau und Wolkenbruch
Knaur Verlag, München
398 S., Euro 16,90
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