TV Reportagen
Hoffnung für die Primetime - In der Reihe 'Gefühlsecht' zeigt das ZDF auch 2007 Arbeiten seiner Nachwuchsregisseure
Von Eric Leimann 18. Mai 2007, 08:41

Zwei Brüder und eine Frau (von links: Florian Lukas, Heike Makatsch, Jürgen Vogel) - 'Keine Lieder über Libe', das viel beachtete Rock-Spielfilmexperiment von Lars Kraume, entstand mit Geld der ZDF-Redaktion 'Das kleine Fernsehspiel'. © ZDF / Joachim Gern
'Die Filme, die Sie bei uns sehen werden, liefen im Kino, auf Festivals, sie wurden preisgekrönt. Damit ist unsere Redaktion die wichtigste Schnittstelle zum deutschen Kino.' Heike Hempel, Leiterin des kleinen Fernsehspiels, klingt wie immer selbstbewusst, wenn sie vor Journalisten die sommernächtliche Qualitätsreihe 'Gefühlsecht' vorstellt. Thematisch und personell verbirgt sich dahinter nichts Geringeres als die Zukunft des deutschen Films und auch des Fernsehens - denn viele Zöglinge der Redaktion 'Das kleine Fernsehspiel' inszenieren längst ihre ersten 20.15 Uhr-Aufträge. Zwischen dem 20. Juni und 11. Juli präsentiert die ZDF-Kreativredaktion montags und mittwochs aber zunächst sieben radikalere Arbeiten seiner besten Nachwuchskräfte.

Neele Leana Vollmar (28) und Eoin Moore (38) sitzen zur Rechten und Linken von Heike Hempel. Sie sind junge Regisseure, die vom 'Kleinen Fernsehspiel' geschätzt und protegiert werden. Und ihre Chefin lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass es bei der Filmförderung des ZDF auch ganz offen um Zuneigung und Vertrauen zu Menschen geht: 'Wir betreiben Nachwuchsförderung, personenzentrierte Förderung.' Sprich: Wer beim Kleinen Fernsehspiel bekannt und anerkannt ist, der genießt einen Vertrauensvorschuss wie im Falle des irischstämmigen Filmemachers Eoin Moore. Nachdem seine ZDF-Koproduktion 'Pigs Will Fly' (2002) über einen gewalttätigen Ehemann, erzählt aus der Perspektive des Täters, mit Festivaleinladungen und Auszeichnungen reüssierte - unter anderem drei Nominierungen für den Deutschen Filmpreis - konnte sich Moore das Geld für 'Im Schwitzkasten' (Mi., 27.06., 23.15 Uhr) quasi dank einiger Seiten Ideenskizzierung abholen.

'Beim Kleinen Fernsehspiel herrscht Vertrauen und Lockerheit, da kann man super arbeiten', lobt der Filmemacher die Kreativschmiede des Mainzer Senders. Seine lakonische Komödie 'Im Schwitzkasten' erzählt von einer gleichnamigen Berliner Sauna, betrieben von den Geschwistern Molinski (Christiane Paul und Charly Hübner), die in ihrem maroden Wellness-Betrieb eine 'Donnerstagsgruppe' von Verlierern zum Aufguss begrüßt. Hochkarätige Darsteller wie Edgar Selge, Laura Tonke oder Esther Zimmering parlieren über Arbeitslosigkeit und geplatzte Lebensträume. Das macht trotz kleiner Längen Spaß und bringt vor allem einen Touch englischen Humor und 'New British Cinema' ins deutsche Fernsehen.

Trotz deutscher Sozialisation bringt der 1988 nach Berlin ausgewanderte Filmemacher einen britisch realistischen Witz in die Beschreibung deutscher Lebenswelten, die einfach gut tut. Dass Talente und Erneuerer der deutschen Fernsehästhetik vom ZDF ganz bewusst auch für 'höhere Aufgaben' gegen 20.15 Uhr aufgebaut werden sollen, bestätigt die Chefin: 'Wir suchen mit diesen jungen Regisseuren vom Kleinen Fernsehspiel den Brückenschlag zum Primetime-Programm', sagt Heike Hempel, die auch den 'Fernsehfilm der Woche', das so genannte 'Große Fernsehspiel' im ZDF, montags um 20.15 Uhr, verantwortet.

Die Komödie 'Hochzeit um jeden Preis' (21.05., 20.15 Uhr), Regie: Eoin Moore, ist ein aktuelles Beispiel für diesen Brückenschlag, den Redaktionsleiterin Hempel natürlich gerne hervorhebt. 'Die Quote ist für uns keine Erfolgskoordinate, aber es interessiert uns zum Beispiel, ob wir mit unserem Programm jüngere Zuschauer erreichen. Der Auftrag vom Kleinen Fernsehspiel lautet aber vor allem Imagegewinn.'

Während Eoin Moore als etablierter 'Senior' unter den Nachwuchsregisseuren gelten darf, ist Regisseurin Neele Leana Vollmar ein echtes Regieküken. Ihr 'Gefühlsecht'-Beitrag 'Urlaub vom Leben' (Mi., 04.07., 23.15 Uhr) ist offizieller Abschlussfilm der 28-Jährigen an der Ludwigsburger Filmakademie. 'Ich habe eine schlechte Note für meinen Film bekommen, da ich die dafür vorgesehene Zeit überzogen habe', lacht die blonde Bremerin, die aber durchaus hoffnungsfroh in die Zukunft blicken darf. Ein Abschlussfilm, der vom ZDF koproduziert wurde und immerhin 80.000 Zuschauer in die Programmkinos lockte, darf als großer Erfolg gewertet werden. Die Tragikomödie über einen Familienvater und Bankangestellten (Gustav Peter Wöhler), dessen sichere Lebensfassade immer mehr zu bröckeln beginnt, wird sicherlich nicht lange der einzige ZDF-Auftrag der Jungregisseurin bleiben.
'Etwa 23 Filmproduktionen pro Jahr werden vom kleinen Fernsehspiel unterstützt', nennt Heike Hempel Zahlen. 'Etwa 15 Spielfilme waren im letzten Jahr dabei, der Rest sind dokumentarische Arbeiten.' Wenn man weiß, dass der Redaktion dafür nur etwa fünf Millionen Jahresetat zur Verfügung stehen - ein 'Tatort' kostet schon rund eine Million Euro - erhält das Wort von der 'Low Budget Produktion' plötzlich eine konkretes Leben in Zahlen. Dass man den jungen ZDF-Koproduktionen der 'Gefühlsecht'-Reihe den Geldmangel nicht ansieht, dafür hat Eoin Moore eine einleuchtende Erklärung: 'Filme sind unsere Leidenschaft, der finanzielle Aspekt ist absolut zweitrangig. Es geht um Lebenszeit. Wenn ich meine für gute Filme nutzen kann und dabei nichts verdiene, ist das auch eine Form einer besonders hohen Lebensqualität. Ich bin schon froh, wenn ich in diesem Jahr schuldenfrei bin.'
Neben den Filmen von Neele Leana Vollmar und Eoin Moore laufen fünf weitere 'Gefühlsecht' Filme im ZDF-Sommerprogramm: Das viel diskutierte Lars Kraume-Projekt 'Keine Lieder über Liebe' mit Heike Makatsch und Jürgen Vogel (Mi., 20.06., 23.00 Uhr), 'Rabenbrüder' (Mo., 25.06., 0.00 Uhr) von Bernd Lange, 'Gefangene' von Iain Dilthey (Mo., 02.07., 0.20 Uhr), 'Der Lebensversicherer' von Bülent Akinci (Mo., 09.07., 0.00 Uhr) und 'Sieh zu, dass du Land gewinnst' von Kerstin Ahlrichs (Mi., 11.07., 23.15 Uhr).
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