Der Gong ertönt, und zwei Damen bemühen sich zwei Minuten lang, sich gegenseitig die Nase blutig zu schlagen, ja am liebsten die Gegnerin niederzustrecken. Für manch einen ist das ein gewöhnungsbedürftiger Anblick, aber vielleicht auch nur deshalb, weil Frauenboxen lange Zeit nichts galt. Rechte Haken unter Mädchen waren verpönt, mancherorts gar verboten. Doch mit dem Siegeszug von Regina Halmich durch den Ring änderte sich das allmählich. Im Moment liegen fliegende Frauenfäuste voll im Trend, und auch andere Namen wie zum Beispiel Susi Kentikian (am Mittwoch, 27. Juni, um 22.45 Uhr im Ersten im Porträt 'Die starke Susi' zu sehen) erlangen Wiedererkennungswert auch außerhalb der Szene. Trotzdem kämpfen die Damen und ihre Fans weiterhin um Anerkennung und wollen beispielsweise die Sportart als olympische Disziplin durchboxen.
1,54 Meter geballte Power: Susi Kentikian ist der neue deutsche Star im Boxring. Das Erste porträtiert 'Die starke Susi' am Mittwoch, 27. Juni, 22.45 Uhr. © WDR / Julia Alice Treptow
Amüsant und dennoch kritisch aufbereitet: das Thema Frauenboxen auf der Seite www.sportsfrauen.de. © www.sportsfrauen.de
'Bei den Männern stellt niemand die Frage oder macht gar Umfragen mit der Vorgabe: 'Was halten Sie vom Männerboxen?' oder: 'Passte das Höschen zur Frisur?' Ein sehr launiger Artikel auf den privaten Seiten der 'Sportsfrauen' (www.sportsfrauen.de/magazin/frauenboxen.html) gibt einen Überblick über die Disziplin als Damensport. Unter dieser auch sonst sehr sehens- und lesenswerten Adresse hat es sich Andrea C. Busch zur Aufgabe gemacht, 'die besonderen Leistungen von Frauen im Sport zu würdigen und die historische Entwicklung des Frauensports aufzuzeigen'. Zum Thema 'Frauenboxen' veröffentlichte sie - im Übrigen hübsch historisch illustriert - den bereits zitierten Beitrag von Franziska Kelly, die zunächst die Vorurteile gegenüber Frauenboxen humorvoll ad absurdum führt, um von dort aus zur Geschichte dieses Sports seit dem 18. Jahrhunderts überzugehen.
So sieht die Homepage einer Siegerin aus: www.regina-halmich.org. © www.regina-halmich.org
Als glühender Boxfan betreibt Franziska Kelly unter der Adresse www.franziska-kelly.de selbst eine ansprechend gestaltete Seite mit dem Titel 'The Sweet Science of Boxing'. In der Rubrik 'Frauen und Boxen' führt sie die oben genannten Punkte weiter aus. Dazu gibt es Interviews - zum Beispiel mit der ersten Ringrichterin Deutschlands. Die News sind leider nicht mehr auf dem aktuellen Stand.
Hier sind auch Infos schwer erkämpft: Übersichtlich ist www.womenboxing.com nicht gerade. © www.womenboxing.com
Wen die Faszination fürs Frauenboxen bereits am Wickel hat, der besucht vermutlich regelmäßig die englischsprachige Datenbank 'BoxRec' (www.boxrec.com). Hier lassen sich die neuesten Kampfrekorde, Statistiken und Nachrichten aus dem Boxport erfahren - nicht nur auf die Damensportart bezogen. Die Seite bietet unter anderem auch die Wiki-basierte 'Boxing Encyklopedia' (www.boxrec.com/media). Besonders gefragt sind hier die Einträge zu den Regeln sowie das Glossar - alles in englischer Sprache. Trotzdem macht es Spaß, darin zu schmökern und auf kuriose Ausdrücke wie 'Ham and Egger' zu stoßen, was längst nicht so brutal ist wie es klingt.
Nur ums Frauenboxen geht es bei der umfangreichen Datenbank Women Boxing Archive Network (WBAN, online unter www.womenboxing.com). Der User muss sich in diesem Layout-Wust seine Informationen allerdings gleichermaßen erkämpfen. Übersichtlichkeit ist etwas anderes. Dafür rühmt sich das WBAN, stets das Neueste und Kontroverseste aus dem Sport zu vermitteln. Dazu gibt es Profile der Boxerinnen sowie Klatsch und Tratsch aus der Szene.
Allgemeine Infos zum Frauenboxen finden sich auf der gut sortierten Homepage der 'Boxgirls' des Berliner Amateurvereins Boxclub im Seitenwechsel: www.frauenamateurboxen.de. Unter dem Punkt 'Boxen' werden die Regeln erklärt, die Geschichte des Boxsports erzählt und unter anderem die neun 'K.O. Punkte' erläutert: 'Magen: Ein Treffer führt zu einer Verkrampfung der Bauchdeckenmuskulatur. Diese Wirkung des Schlages zeigt sich auch in der Zwerchfellmuskulatur. Infolge einer Zwerchfellverkrampfung tritt vorübergehend Atemnot ein.' Aua.
Regina Halmich, die berühmteste deutsche Boxerin, hat selbstverständlich auch ihre eigene Homepage: www.regina-halmich.org. Im 'Tagebuch' teilt die seit mehr als elf Jahren ungeschlagene Boxweltmeisterin Freude und Frust mit ihren Fans: 'Wie Ihr sicher mitbekommen habt, habe ich mir im Training einen Muskelfaserriss zugezogen. Das war sehr schmerzhaft, aber am meisten habe ich mich darüber geärgert, dass mein Kampf verschoben werden musste.' Im Steckbrief findet sich ein wenig Persönliches über die gelernte Rechtsanwaltsgehilfin, deren Boxidol Dariusz Michalczewski heißt. Ein Link führt zu den Seiten von 'TV total', wo noch immer die Videos der 'Fight Night' bei ProSieben zu sehen sind, bei der es ordentlich Haue von Regina Halmich für ihren Herausforderer Stefan Raab gab (tvtotal.prosieben.de/show/specials/fightnight2007/10022.html).
Die Institution 'Fight Night' verhalf auch Susi Kentikian zu breiterer Bekanntheit. Die Killer Queen wird bereits als Nachfolgerin von Regina Halmich gehandelt. Ihre Homepage unterscheidet sich bereits im rosafarbenen, ornamental verzierten Mädchen-Layout komplett von der ihres Vorbilds Halmich. Auf www.kentikian.com gibt es neben Infos über die WBA-Weltmeisterin im Fliegengewicht auch eine Rubrik über Armenien - eine Erinnerung an ihre einstige Heimat. Hier wuchs die kleinste Profi-Boxerin der Welt (1,54 Meter) auf, bis ihre Familie mit ihr nach Deutschland floh, als sie fünf Jahre alt war. Auch die Einträge im Gästebuch sind lesenswert und zeugen von der wachsenden Freundlichkeit der Fans gegenüber dem Frauenboxen: 'Immer, wenn ich Sie boxen sehe, gibt es nichts, was den Moment noch schöner machen könnte.'
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