Amden (dpa/tmn) - Hektik und Stress sollen Besucher der Ferienregion Heidiland in der Ostschweiz hinter sich lassen. «Entschleunigung» heißt hier das Motto.
Hektik ist in der Ferienregion Heidiland ein Fremdwort. (Bild: Schmid/dpa/tmn) © DPA
Schon kurz nach der Abfahrt von der Autobahn gleich hinter Zürich, wenn es hinauf geht auf Heidis Almen, spüren die Urlauber, dass sie hier gar keine andere Möglichkeit haben, als einen Gang runterzuschalten und sich auf das ruhigere Tempo der Schweizer Bergleute einzulassen. Wer das geschafft hat, der spürt den Zauber, den schon Heidi und der «Geißenpeter» in der gleichnamigen Geschichte empfunden haben, als sie oben auf der Weide standen und staunten «wenn die Sonne am Abend die Felsen in glühend rotes Licht tauchte».
Ein guter Ausgangspunkt für Touren in dem kleinen, vielen Bergliebhabern bislang noch wenig bekannten Paradies, ist die über dem Walensee auf rund 900 Metern Höhe liegende Gemeinde Amden. Im Sommer und Herbst ist dies ein wundervoller Start für mehr und weniger anstrengende Wanderungen: Wer es bequem haben will, nimmt den im Dorf beginnenden Sessellift und genießt den Höhenrundwanderweg. Wer den Anstieg liebt und über genügend Fitness verfügt, der hat ausreichend Möglichkeiten, sich auf den ausgeschilderten Wanderwegen auszutoben.
Eines aber empfiehlt sich in jedem Fall vor der Tour: der Wettercheck. Der nette, ältere Herr, der den Sessellift betreibt, hat viel Erfahrung: Er sieht den Regen kommen, bevor sich auch nur eine kleine Wolke am Himmel zeigt. So ändert sich besonders im Sommer das Wetter schnell: Während morgens häufig die Sonne scheint, zieht es sich am frühen Nachmittag oftmals zu.
Aber auch der Abstieg von Heidis Almen hinunter zum Walensee lohnt sich. Zwar ist das Ufer am See nicht von allen Seiten zugänglich, dennoch gibt es genügend Möglichkeiten, sich dem tiefblauen Wasser zu nähern: entweder auf dem mit kleinen Anstiegen verbundenen Rundweg vorbei am größten Wasserfall der Schweiz oder beim Wassersport.
Kleine, gemütliche Badestellen finden sich etwas versteckt. Auf dem Walensee fahren regelmäßig Schiffe, die die einzelnen Orte miteinander verbinden. Ein guter Startpunkt für einen Ausflug mit dem Boot ist Weesen. Das historische Städtchen und die angrenzende Halbinsel Betlis werden von den Schweizern selbst gerne als Riviera der Ostschweiz bezeichnet.
So manche Gemeinde ist nur mit dem Boot oder zu Fuß erreichbar, beispielsweise das weniger als 100 Einwohner zählende Quinten am Nordufer des Sees. Touristen zieht es hierher, in das einzigartig milde, südländische Klima am See, wo viele Pflanzen gedeihen, die sonst lediglich weiter südlich zu finden sind. Dazu zählen Trauben, Kiwis und Feigenbäume. Die Früchte und leckere Feigenmarmelade gibt es in den kleinen Geschäften im Ort zu kaufen.
Von Hektik und Unfreundlichkeit mancher Massentourismusorte ist hier nichts zu spüren: Die Angestellten der Walenseeschifffahrt etwa sind richtig großzügig: Sollte der Schaffner sich beim Verkauf eines Rundfahrttickets über den See versehentlich zu seinen Gunsten verrechnen, dann kommt er prompt zum Fahrgast zurück, um das Restgeld zurückzugeben.
Auch ambitionierte Wanderer finden hier im Kanton St. Gallen an den Hängen der über 2000 Meter hohen Churfirsten genügend anspruchsvolle Wege. Insgesamt 13 Gipfel zählen zu den Churfisten, die zwischen dem oberen Toggenburg und dem Walensee liegen - und bei deren Anblick nicht nur Heidi ordentlich «entschleunigt» haben dürfte, sondern auch viele Bergliebhaber die Zeit ein wenig vergessen können.
Tourismus Amden-Weesen: www.amden.ch , www.heidiland.ch
© 2007 dpa - Deutsche Presse-Agentur
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