Familie Reportagen


Esel sind weder störrisch noch dumm

Von Thorsten Wiese 26. Jun 2007, 12:01

Esel ziehen gern Kutschen. (Bild: IG. der Esel- und Mulifreunde/dpa/tmn) © DPA

Esel ziehen gern Kutschen. (Bild: IG. der Esel- und Mulifreunde/dpa/tmn) © DPA

Hannover/Bad Camberg (dpa/tmn) - Ein graues Fell und eine ruhige Art sind nicht die besten Voraussetzungen, um dauerhaft im Gedächtnis zu bleiben. Dennoch haben Esel viele Fans. Denn sie bleiben im Zoo am Zaun ruhig stehen und lassen sich streicheln.

Für das heimische Grundstück ist ein Esel aber nicht die erste Wahl: Haltung und Pflege sind aufwendig. Kinder mögen vor allem das Fell. «Gerade die Fohlen haben so ein Teddyfell. Dazu kommt das abgerundete Gesicht und diese Kulleraugen», sagt Andreas Briese vom Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Verhaltenskunde bei Nutztieren der Tierärztlichen Hochschule in Hannover.

Aus ähnlichen Gründen wollen viele Mädchen ein Pferd, dabei ticken Esel anders: «Pferde leben in der Herde, da ist einer der Chef», sagt Barbara Bank von der Interessengemeinschaft der Esel- und Mulifreunde in Deutschland in Bad Camberg (Hessen). Der Esel lebt eher in kleinen Gruppen. «Er braucht keinen Chef, er braucht einen Freund.»

Daher kommt auch das Vorurteil, Esel seien störrisch. «Wenn Esel sich erschrecken oder Angst bekommen, laufen sie nicht weg - sie bleiben stehen», erklärt Bank. «Sie dürfen nicht versuchen, bei einem Esel etwas mit Gewalt durchzusetzen», sagt Briese. Dem entsprechend ist ein Esel mit viel Aufwand verbunden. «Man sollte zum Beispiel am besten immer zwei Tiere halten», sagt Manfred Stoll, der als Tierarzt in Hohenstein bei Wiesbaden auf Eselheilkunde spezialisiert ist.

Das Hauptproblem ist meist aber ein anderes: «Eselschreie gelten in Deutschland als 'nicht ortsüblich'», sagt Bank. Fühlt sich ein Nachbar gestört, kann er verlangen, dass das Tier entfernt wird. «Ein Eselschrei ist in der Wüste bis zu 40 Kilometer weit hörbar», sagt Briese. «Wenn Häuser dazwischen stehen, sind es vielleicht noch 5 Kilometer. Auch da brauchen Sie also verständnisvolle Nachbarn.»

Dabei sind Esel im Umgang eigentlich gar nicht kompliziert. «Die sind in menschlicher Obhut sehr brav», sagt Stoll. «Wer einen Esel halten will, sollte sich aber nach Möglichkeit ein junges, weibliches Tier anschaffen oder ein kastriertes männliches.»

Wichtig ist eine dauerhafte und enge Bindung, denn die Anschaffung eines Esels ist eine Lebensaufgabe: «Esel werden bis zu 40 Jahre alt», sagt Briese. Aus einer Laune heraus sollten sie daher nicht erworben werden. Nur wer dauerhaft viel Platz hat, sollte das in Erwägung ziehen.Um den Tieren ein artgerechtes Leben zu ermöglichen, sollten Halter sich viel Zeit nehmen. «Esel sind nicht nur Rasenmäher», sagt Stoll. «Wanderungen, Kutschen ziehen, etwas arbeiten oder geritten werden: Das gefällt ihnen.» Pro Woche sollten dafür einige Stunden zur Verfügung stehen.Für ihre Hufe brauchen Esel einen trockenen Untergrund - ein umzäuntes Gelände mit Unterstand ist daher wichtig. «Esel stammen aus kargen Regionen. Sie sind es daher gewohnt, Holz zu knabbern», sagt Stoll. Stehen sie auf einer Wiese, ernähren sie sich zu reichhaltig.

«Wenn sie zu viel Nahrung auf einmal finden, bekommen sie eine Stoffwechselkrankheit, die sich auf die Hufe auswirkt», erläutert Bank. Die Hufrehe sei eine Entzündung des Nagelbetts, die dazu führt, dass der Esel nicht mehr auf seinen Hufen stehen kann, erläutert Briese. «Das ist, als wenn Sie zu lange in der Badewanne bleiben.»

Wissenswertes über die Maultiere: www.esel.org

© 2007 dpa - Deutsche Presse-Agentur

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wboet11. Aug 2007, 16:19

Hatte gerade eine TV-Dokumentation über Esel gesehen und wollte mich sofort weiter informieren. Es ist wieder typisch für manche der 'Gattung Mensch' Vorurteile aus Unwissenheit einer Art zuzuschreiben - oder, weil hier der Esel oft schlecht behandelt und missbraucht wurde und dann entsprechende Reaktionen zeigt.

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