TV Reportagen
Verdammt lang her: Rock, live und in Farbe
Das WDR-Fernsehen erinnert an '30 Jahre Rockpalast'
Von Frank Rauscher 15. Jun 2007, 08:39

Nostalgie pur: In der Jubiläumsreihe '30 Jahre Rockpalast' stellen Christian Wagner und Guido Weiss wöchentlich im WDR-Fernsehen Höhepunkte aus der 'Rockpalast'-Geschichte vor. Bryan Adams' Gig in Gut Opherdicke 1983 gehörte dazu. Er ist am Samstag, 23. Juni, noch einmal zu sehen. © WDR / Manfred Becker
Den Anfang machte ein Gott. Rory Gallagher eröffnete am 23. Juli 1977 lautstark, virtuos und standesgemäß die erste 'Rocknacht' des WDR, und die Blues-Rock-Legende gab später selbstverständlich zu Protokoll, der Gig in der Essener Grugahalle sei sein bis dahin bester Auftritt gewesen. Der rockende Teil der Ü-40-Fraktion mag sich mit von Seligkeit angefeuchteten Augen erinnern. Aber vielmehr als die Erinnerung ist nicht geblieben aus jenen Jahren, in denen Samstagnacht, gleich nach dem 'Wort zum Sonntag', also im Hauptprogramm der ARD, das Gitarrensolo und die Live-Musik erdig Urständ' feierten.

Gute Rockmusik im Fernsehen ist selten geworden, gute Musiksendungen ebenso. Und Rory Gallagher starb 1995.
Aber die Rock-Nostalgiker haben noch lange nicht fertig. Das WDR-Fernsehen hielt, allerdings gestutzt und von einer mehrjährigen Unterbrechung abgesehen, zuletzt an seinem Nischenformat 'Rockpalast' fest und zeigt zu nachtschlafender Zeit nach wie vor regelmäßig Mitschnitte von Konzertereignissen wie dem 'Bizarre'-Festival, 'Rock am Ring' oder den Gigs am Loreley-Felsen, der neben der Grugahalle die zweite große Kultstätte des 'Rockpalasts' ist.

Derzeit erinnert das WDR-Fernsehen mit einer launigen 13-teiligen Serie an die Protagonisten, Götter und Monster des Rock. '30 Jahre Rockpalast' ist noch bis Ende Juli, jeweils samstags im Spätprogramm zu sehen. Und am 21. Juli gibt es dann auch ein Wiedersehen mit Rory Gallagher, Little Feat und Roger McGuinns Thunderbird, den Stars der allerersten Ausgabe.
'100 Prozent', pflegte Peter Rüchel auf die Frage nach den Quoten seiner 'Rockpalast'-Sendungen zu antworten. 'Alle, für die Rockmusik ein Lebensmittel ist, haben zugeguckt.' Wenn es Rock-Götter gibt, dann ist der heute 70-jährige Rüchel so etwas wie der Papst des Rock-Fernsehens.

Das TV-Urgestein, '74 vom ZDF zum WDR gekommen, entwickelte zusammen mit dem Regisseur Christian Wagner einst das Konzept der langen Rocknacht, die zweimal jährlich live im Ersten übertragen wurde.
Damals drang das Fernsehen tatsächlich noch in solche bis dato unerforschten Gebiete vor. Und die 'Rocknacht' funktionierte anfangs prächtig, daran konnten selbst lange Umbaupausen, in denen eigentlich nichts passierte, ein offenes Ende (das Fernsehen blieb bis zum Schluss der letzten Zugabe dran) und die späte Sendezeit nichts ändern. 'Rockpalast' gucken wurde in den späten 70-ern zu einer Art Partyevent unter Jugendlichen.

Es waren Nächte, auf die man sich schon Wochen vorher freute. Das Wichtigste: Am nächsten Tag war Sonntag. Fünf Freunde, eine Kiste Bier, zwei große Tüten Chips, dreieinhalb, manchmal fünf, sechs Stunden Rock'n'Roll. Und zwar in Stereo: Die auch im europäischen Ausland erfolgreiche Eurovisionssendung wurde parallel im Radio übertragen. Heute sind jene magischen Momente der großen Rock-Nächte nurmehr eine exklusive Jugenderinnerung der Übervierzigjährigen, die auch den legendären Spruch von Moderator Albrecht Metzger einschließt: 'German television proudly presents ...'
Schön war's.

Doch irgendwann, in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre änderte sich die Medienlandschaft recht radikal, das Privatfernsehen hielt Einzug, und das öffentlich-rechtliche Fernsehen entdeckte das Phänomen des Quotendrucks. Die letzte 'Rocknacht' fand am 16. März 1986 statt. Big Country, Jackson Browne und BAP traten auf. Und Peter Rüchel ließ es sich nicht nehmen, selbst die Bühne zu entern und gemeinsam mit Wolfgang Niedeken 'Verdamp lang her' anzustimmen.
Natürlich waren Rüchel und seine Mitstreiter damals maßlos enttäuscht, dass die 'Rocknächte', die er als den 'Kern des 'Rockpalastes' bezeichnet, eingestellt wurden. Doch inzwischen, so verriet er der Sender-Postille 'wdr print', als er vor fünf Jahren in den Ruhestand ging, sehe er das Ende durchaus positiv: So entstand Zeit für neue Ideen und eine Neuorientierung. Als Leiter der Jugendredaktion widmete sich Rüchel, der freilich selbst im Ruhestand ein engagierter Verfechter des Rockfernsehens ist, Filmproduktionen und Talk-Shows für Jugendliche. Er hat wesentlichen Anteil daran, dass der 'Rockpalast' seit 1995 wieder fester Programmbestandteil des WDR-Fernsehens ist, gehört aber keineswegs zur verbohrten Fraktion der 'früher war alles besser'-Rufer. Sein Blick auf die Musikszene ist ein offener und stets aktueller geblieben. In einem Interview sagte Rüchel unlängst: 'Als Neil Young beim 'Rock am Ring' spielte und ich das, nach 20 Jahren Versuchens, im Fernsehen übertragen konnte, was mein großes Herzenswunsch war, drehte sich mein damals zwölfjähriger Sohn zu mir um und sagte: 'Interessant.' Das hat mich sehr gefreut. Aber getanzt hat er doch zu System Of A Down. Da gibt es eben doch Unterschiede, die man gefälligst zu beachten hat, wenn man ein Musikprogramm zusammenstellt.' In der Jubiläumsreihe '30 Jahre Rockpalast' präsentieren nun Christian Wagner und Guido Weiss wöchentlich die Höhepunkte aus der Rockpalast-Geschichte. Und da ist ein bisschen Ehrfurcht und Gänsehaut schon angebracht: Zum Beispiel, wenn es am 23. Juli ein Wiedersehen mit Michael Hutchence und seiner Band INXS gibt. Der 1997 37-jährig verstorbene Sänger rockte für den 'Rockpalast' 1984 die Hamburger Markthalle.
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Kommentiere diesen Artikel'Was für eine bescheidene Jugend!'
16. Jul 2007, 08:59
Das Gespräch hat noch gar nicht richtig angefangen, da hat Peter Sommer schon das Kunststück fertiggebracht, die Namen Muddy Waters und Linkin Park in ein und demselben Satz unterzubringen. Der Bluesgott und die Rapcore-Truppe aus L.A. sollten in einem kleinen Film über den 'Rockpalast' am besten mit einem 'harten Schnitt' direkt aneinandergereiht werden, erklärt der Rock-Redakteur des WDR-Fernsehens einem Kollegen. 'Ja, so sind wir hier', lacht Sommer dann: 'Wir machen große Schritte und schlagen weite Brücken. Alles kein Problem.' Klar, hier geht es um Rock'n'Roll, um 30 Jahre 'Rockpalast' - und um eine vielleicht doch nicht vom Aussterben bedrohte Art: das Musikfernsehen. ... mehrIhre Meinung!
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'www.monstersandcritics.de/artikel/200727/article_13537.php/Verdammt-l ang-her-Rock-live-und-in-Farbe\' ist die Bildunterschrift --> 'Brachte 1977 die Olympiahalle in München zum Beben: Ronnie James Dio von Rainbow. © WDR / Manfred Becker\' falsch!!! das Bild zeigt Mitch Ryder
> mfG die schroeder-road-show
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M&C Team11. Sep 2007, 11:36
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