DVD Kritiken
DVD Kritik: Möwengelächter
Sieben Frauen
Von Nina Fischer 27. Apr 2007, 11:26

'Möwengelächter' ist Krimi, Märchen und Komödie zugleich. © epiX
Ein wenig erinnert 'Möwengelächter' an François Ozons '8 Frauen'. Nicht nur, dass beide Filme zur gleichen Zeit, 2001, entstanden. Was Stärke, Durchsetzungsvermögen und Schlagfertigkeit angeht, stehen August Gudmundssons Damen - auch wenn sie nicht den Sprung auf die große Leinwand schafften - Ozons Figuren in nichts nach. Nur dass es in der deutsch-britisch-isländischen Tragik-Krimi-Mystik-Komödie nur sieben Frauen sind und sich das Ganze nicht auf einem mondänen französischen Anwesen, sondern in einem ärmlichen, frostigen, isländischen Dorf abspielt. Auch ist Gudmundssons Sippe um einiges skurriler und schrulliger.

Für Freunde des besonderen skandinavischen Humors dürfte es ein wahrer Glücksfall sein, dass der sehenswerte Fernsehfilm nun auch auf DVD erhältlich ist.
Gepflegte, teure Stöckelschuhe stolzieren über rauen Kies. Wie ein Paradiesvogel wirkt die schöne Freyja (Margrét Vilhjálmsdóttir) inmitten des grauen, von den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs gebeutelten, isländischen Dorfes. Die Blicke der Bewohner bleiben an der schlanken, rothaarigen Frau förmlich kleben.

Ihr Besuch verursacht umso mehr Aufruhr, da keiner mit ihm gerechnet hat: Vor Jahren hatte Freyja, damals pummelig und unbeholfen, einen amerikanischen Soldaten geheiratet und folgte ihm in die USA. Nun kehrt sie als einsame, aber dennoch fröhliche Witwe in die Heimat zurück. Schlank, attraktiv und selbstbewusst verdreht sie dort den wenigen noch ungebundenen Männern den Kopf, allen voran dem gutaussehenden Ingenieur Björn (einziger deutscher Darsteller: Heino Ferch).
Ihre Familie, alles Frauen bis auf den Großvater, der ohnehin stets zur See ist, empfängt Freyja mit offenen Armen.

Besonders freuen sie sich über die unzähligen Koffer, die zum Bersten mit hübschen Kleidern gefüllt sind. Nur der elfjährigen Agga (talentiert: Ugla Egilsdóttir) ist die Tante nicht ganz geheuer - und das nicht nur, weil sie künftig ein Zimmer mit ihr teilen muss. Agga hat so ihre Zweifel an der Geschichte vom plötzlichen Herztod des jungen Gatten. Sie verdächtig Freyja des Mordes. Dennoch kann auch sie sich der Aufgeschlossenheit und Frische der lebenslustigen Tante nicht entziehen und wird zu ihrer Freundin.

Doch immer wieder passieren merkwürdige Dinge, sterben unartige Männer auf mysteriöse Weise und Freyja scheint immer irgendwie damit zu tun zu haben.
August Gudmundssons vielfach ausgezeichnete Tragikomödie nach einem Roman von Kristin Marja Baldursdóttir besticht durch den Esprit der 50er Jahre und einen rauen Charme, der sich nicht nur in den Figuren (die hervorragend besetzt sind), sondern auch in der malerischen Landschaft Islands widerspiegelt. Sie wird in scharfen Bildern und natürlichen Farben wiedergegeben.

Die Dialoge kommen gut verständlich aus dem Center, während die Umgebungsgeräusche wie das Möwengelächter von allen Boxen übertragen werden. Das schafft Räumlichkeit und eine dichte Atmosphäre. Abwechslungsreiche Extras runden die DVD ab.
© 2007 teleschau - der mediendienst
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