Das Haar sitzt, die Kulisse stimmt: ein Rettungsring mit der Aufschrift 'SOKO Wien', im Hintergrund der Ausblick auf die Donau, die versammelte Seriencrew samt Produzent blickt gespannt auf zwei Fernseher, auf denen Ausschnitte der dritten Krimistaffel gezeigt werden. - Wenn die österreichische Produktionsfirma Satel Film zum großen Ortstermin anlässlich zwölf neuer Folgen der erfolgreichen ORF-ZDF-Koproduktion lädt, dann natürlich direkt am Handelskai des zweitlängsten europäischen Stroms und gut vorbereitet.
Stefan Jürgens ist der Neue im Team der 'SOKO Wien' - und er fühlt sich wohl in der Hauptstadt Österreichs. © teleschau
Das Betriebsklima stimmt auch beim Fototermin, von links: Stefan Jürgens, Sandra Cervik, Lilian Klebow, Dietrich Siegl, Heinrich Ambrosch, Mona Seefried, Helmut Bohatsch und Gregor Seberg. © teleschau
Es gilt schließlich neben dem neuen Material einen ganz speziellen Gast vorzustellen: 'Besonders stolz sind wir, dass mit Stefan Jürgens nun ein Goldener-Löwe-Preisträger an Bord der Serie ist', verkündet Heinrich Ambrosch, Geschäftsführer der Satel, freudig. Und der solchermaßen Geehrte prustet los: 'Goldener Löwe - das war ja im vergangenen Jahrhundert!'
Das soll nicht der letzte lässige Spruch des einzigen Deutschen in der 'SOKO Wien' bleiben. Stefan Jürgens, aus Unna im Ruhrgebiet stammend, scheint sich auf Anhieb wohl zu fühlen. Dort, wo die Sahne Schlagobers und das Hemd Laiberl heißen.
Stefan Jürgens (links) ist der Nachfolger von Bruno Eyron. Der Rest der Crew blieb: Sandra Cervik, Lilian Klebow, Dietrich Siegl, Mona Seefried, Helmut Bohatsch und Gregor Seberg. © teleschau
Dort, wo er nun den Platz des vorherigen Quotendeutschen Bruno Eyron einnimmt. Stefan Jürgens, der unter anderem den zynischen Boss in der Sitcom 'Mein Chef und ich' und den 'Tatort'-Kommissar Robert Hellmann spielte, der als Kabarettist auf deutschen Bühnen tourt und der Gründungsmitglied von 'RTL Samstag Nacht' war, dieser Stefan Jürgens ist nun Part der Polizeieinheit 'SOKO Wien' ('SOKO Donau' heißt die Reihe in Österreich) und mit Gregor Seberg als Ermittler Carl Ribarski auf Verbrecherjagd, zumeist zu Wasser. Nicht sein liebstes Element: 'Ich kann auch in einem Swimmingpool das Gefühl von Haien entwickeln', gibt er zu.
Stefan Jürgens (von links), Lilian Klebow und Gregor Seberg ermitteln mindestens zwölf Folgen lang gemeinsam als Carl Ribarski, Penny Lanz und Helmuth Nowak. © teleschau
Obwohl er sieben Jahre lang direkt am Meer auf Ibiza lebte, ist es dem 44-Jährigen deutlich lieber, Wasser nur zu beobachten.
Eyron war in der Serie der Bonsaizüchter, Jürgens ist der Wasserscheue - und es wird klar: Um Vergleiche zu vermeiden, legte man die Figur Ribarski ganz anders an, als die des Vorgängers, Christian Hennig. 'Es war uns wichtig, ein Feld aufzumachen, auf dem man sich gar nicht in die Quere kommt', erklärt Stefan Jürgens. 'Und für mich war es von vornherein wichtig, eine Figur zu bauen, die sich fremd fühlt. Ich finde es spannend, als neuer Charakter in ein funktionierendes Team zu kommen.
Vom Winde an der Donau verweht: Stefan Jürgens (von links), Lilian Klebow und Gregor Seberg - die Hauptdarsteller der 'SOKO Wien'. © teleschau
' Es sei vor allem darum gegangen, ein bisschen mit Spannungen und Konfliktpotenzial zu spielen.
Dennoch ist die Stimmung natürlich bestens. Dietrich Siegl (spielt den knorrigen Oberst Otto Dirnberger) behauptet wohl nicht ohne Grund: 'Das Betriebsklima ist in der dritten Staffel viel besser.' Der Druck schweiße enorm zusammen, und der wurde seit den ersten beiden Staffeln nochmals erhöht. 'Wir haben einen Drehtag weniger als letztes und sogar zweieinhalb weniger als im ersten Jahr', rechnet Siegl vor. Je intensiver die Zusammenareit, umso größer der Spaß, den man zusammen hat? So könnte es sein.
Dietrich Siegl und Mona Seefried posieren auf dem Original-'SOKO Wien'-Boot. © teleschau
Neuankömmling Stefan Jürgens, der 2000 bereits nach sechs Folgen 'Tatort' wieder ausstieg ('Ich wollte mich einfach mehr ausprobieren'), sieht das ähnlich: 'Wir haben harte, harte Tage, aber es macht viel Spaß.'
Der 1,90-Meter-Mann steckt in braunen Lederstiefeln, einer farblich und stofflich abgestimmten Jacke, Jeans und weißem Hemd. Das hat was Cooles, was Unwiderstehliches. Cool allerdings, das ist ein Wort, das zwar zu Stefan Jürgens und seiner Rolle passt, seiner Meinung nach aber fernbleiben muss von der Serie. 'Die SOKO ist nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Die Ermittler sind nicht, wie oft in anderen deutschen Krimireihen und US-Serien, nur cool.
Mit Hightech konfrontiert: Stefan Jürgens arbeitet als Kommissar Carl Ribarski mit modernsten Mitteln. © teleschau
Sie sehen nicht immer toll aus und geben nicht immer brave Sätze von sich. Es geht darum, wie sie mit ihren Problemen umgehen. Carl zum Beispiel ist ein Einzelgänger, der lernen muss, zu arbeiten.' Carl Ribarski wird nach einem folgenschweren Fehler aus dem Kosovo abgezogen und nach Wien zur Wasserschutzpolizei strafversetzt.
Das jüngste Kind in der 'SOKO'-Familie, die seit 30 Jahren das ZDF-Abendprogramm bewohnt, wächst und gedeiht also weiter und wurde - so wird stolz verkündet - schon in über zehn Länder wie Finnland und Tschechien verkauft. Das Geheimrezept des Erfolgs bestehe in der Mischung aus Kulturen, Sprachen und der EU.
Es sieht zwar hier nicht so aus, aber 'Spannungen und Konfliktpotenzial' herrschen zu Beginn der neuen Folgen zwischen Carl Ribarski (Stefan Jürgens, rechts) und Helmuth Nowak (Gregor Seberg). © ZDF / Hubert Mican
Ermittelt wird ja nicht nur in Wien, sondern auch in Niederösterreich und im osteuropäischen Ausland. 'Da ist die 'SOKO Kitzbühel' doch beschränkter', schmunzelt Ambrosch, und zeigt sich sogleich versöhnlich: 'Eine 'SOKO'-Konkurrenz gibt es aber nicht.'
Die dritte 'SOKO Wien'-Staffel wird aller Vorausicht nach am Dienstag, 2. Oktober, 18.00 Uhr, im ZDF anlaufen. Und selbst von einer vierten Staffel und einem 90-Minüter ist fürs nächste Jahr die Rede. Sollten die Quoten weiterhin stimmen (bis zu 4,14 Millionen Zuschauer und ein Marktanteil von rund 20 Prozent in Staffel zwei), Stefan Jürgens wäre dabei.
Ein tolles Team, die 'SOKO Wien', von links: Dietrich Siegl, Stefan Jürgens, Sandra Cervik, Helmut Bohatsch, Lilian Klebow, Gregor Seberg und Mona Seefried. © ZDF / Hubert Mican
'Wenn man an einer Serienfigur arbeitet, dann muss man von vornherein die Bereitschaft mitbringen, sie weiterzuentwickeln. Das ist auch im eigenen Interesse.' Stefan Jürgens stört sich keineswegs daran, wieder in einer Reihe mitzuspielen: 'Ich war bei der Ausschreibung zur richtigen Zeit am richtigen Ort. In den Sommermonaten bin ich ohnehin meist nicht auf Tour und hatte, zusätzlich zur Lust auf die Figur, Zeit.'
Jetzt, sagt Jügens, fühlt er sich äußerst wohl mit seiner Entscheidung. Dazu trägt mit Sicherheit auch das lebhafte Wien ('das letzte Mal war ich vor 20 Jahren da') seinen Teil bei - und der außergewöhnliche Drehort.
Stefan Jürgens, unter anderem bekannt aus der Sat.1-Sitcom 'Mein Chef und ich', übernimmt Bruno Eyrons Posten in der ZDF-Serie 'SOKO Wien'. © Sat.1 / Nicole Heiniger
Neben Innenaufnahmen in einem Hightech-Büro müssen die Ermittler immer wieder im Schnellboot auf die Donau, die am Tag des Termins nicht stillhalten will. Der Steg - voll mit knipsenden Fotografen - wackelt bedrohlich und lockert daher neben den Haaren auch die Stimmung. Bereitwillig jedenfalls und gegen die Sonne blinzelnd grinsen die Darsteller in die Pressekameras und kämpfen dabei gegen den böigen Wind. Das Haar sitzt nun nicht mehr.
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