TV Programm
Tatort: Macht der Angst - 16.09.2007 20:15 - ARD
Borowski bisher bester Auftritt
Von Kai-Oliver Derks 16. Sep 2007, 20:15

Borowski (Axel Milberg) hat es diesmal gleich mit zwei Fällen zu tun. © NDR / Marion von der Mehden
Aus 730 Meter Entfernung geht der Schuss direkt ins Herz. Das schränkt die Zahl der potenziellen Täter erheblich ein. Kommissar Borowski muss diesmal einen echten Kunstschützen ausfindig machen. Viel schwieriger ist die Suche nach einem Motiv. Denn der Mann, der da auf der hübschen Kieler Hörnbrücke in seinem Blute liegt, hatte eigentlich keine Feinde. Er führte ein braves Leben. Warum er, dieser unbescholtene Bürger? Borowski wird eine ganze Weile brauchen, bis er den Grund für die Tat kennt.

'Macht der Angst' lautet der Titel dieses Kieler 'Tatorts', der, den alten Traditionen der Reihe verhaftet, vor allem zwei Fragen stellt: Wer hat geschossen? Und warum? 'Mir persönlich sind die 'Tatorte' sonst häufig zu verkopft', sagt Regisseur Florian Baxmeyer, Jahrgang 1974 und vor einigen Jahren oscarnominiert für seinen Kurzfilm 'Die rote Jacke'. Und so ist dieser neunte Fall des Kieler Kommissars Borowski (Axel Milberg) sein bisher bester: geradlinig, spannend und realistisch.
Die Kieler Bevölkerung hat Angst. Scheinbar zufällig hat ein Mörder sein Opfer auserwählt und es mit einem gezielten Schuss getötet.

Borowski muss sich beeilen bei seinen Ermittlungen. Da passt es gar nicht, dass er zur gleichen Zeit als Zeuge in einem Prozess gegen einen Kindermörder aussagen muss. Zumal es ihm der Richter Dr. Jens Voigt (Michael Gwisdek) nicht leicht macht. Der Verteidiger (Michael Brandner) wirft Borowski vor, er habe das Geständnis des Täters, der inzwischen leugnet, mit unlauteren Mitteln erpresst.
Dass beide Fälle zusammenhängen könnten, ist dem erfahrenen Krimizuschauer früh klar. Doch wie? Plötzlich steht Borowski in einer Tiefgarage, in der er nach der Mordwaffe sucht, dem Täter gegenüber, der sich im Halbdunkeln verbirgt.

Doch der wird nicht schießen, obwohl er die Gelegenheit hätte. Dennoch: Es ist einer der interessantesten Momente in diesem kurzweiligen Kriminalfilm, der sich nahezu durchgängig auf die Figur des Ermittlers konzentriert. Fast immer an seiner Seite: die Polizeipsychologin Frieda Jung (Maren Eggert). Taten sich die Autoren bislang mitunter schwer, ihre Figur sinnvoll in die Story einzubinden, spielt sie diesmal eine wichtige und notwendige Rolle als Beraterin des Kommissars.
Die interessanteste Figur in dem klugen Buch von Autor Jochim Scherf ist die des Richters Voigt, der ganz offensichtlich Probleme hat. Auf diese näher einzugehen, verbietet sich an dieser Stelle.

Festzuhalten bleibt jedoch, dass der Schauspieler Michael Gwisdek hier ein weiteres Mal unter Beweis stellt, dass er zu den Besten seines Fachs gehört. 'Ganz einfach' sei es gewesen, sagt er, sich der Figur zu nähern. 'Da geht man von sich selbst aus und verlässt sich auf sein Gefühl.'
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