'Jaaa!' jubelt Katharina Wackernagel ins Telefon. Der umstrittene Film 'Contergan - Eine einzige Tablette' (2005), in dem sie die weibliche Hauptrolle spielt, bekam nach längerem Rechtsstreit nun einen TV-Ausstrahlungstermin im November. 'Juhu, endlich!' Und die 29-Jährige hat noch mehr Grund zur Freude: Am Montagabend, 08. Oktober, ist sie im Zweiten gleich zweimal in einer Hauptrolle zu sehen: 'Das freut mich sehr! Fast wie ein eigenes Special!' In 'Mein Mörder kehrt zurück' (20.15 Uhr) spielt sie eine Frau, die im Zeugenschutzprogramm lebt, in 'Die Boxerin' (2005) ein Mädchen, das sich in der ostdeutschen Provinz durchkämpft.
Als 'Die Boxerin' fand Katharina Wackernagel Gefallen an diesem Sport - zumindest am Training. © ZDF / Jennifer Bressler
Katharina Wackernagel ist am Montagabend (08. Oktober) gleich in zwei Hauptrollen im ZDF zu sehen. © ZDF / Jochen Roeder
Den Sandsack gewann sie beim Dreh richtig lieb, das Sparring weniger: 'Da musste ich viel einstecken!'
'Bei beiden Figuren erlebt man die Geschichte aus dem Blickwinkel der jeweiligen Frau. Es ist sehr reizvoll, durch das eigene Spiel den Blick des Zuschauers lenken zu können.' Das ist aber auch so ziemlich die einzige Gemeinsamkeit der beiden Rollen. Katharina Wackernagel hat sich ein breites Repertoire erarbeitet, seit sie Ende der 90er-Jahre ihre Karriere als jugendliche Serienheldin 'Tanja' startete (und dafür den 'Goldenen Löwen' bekam). 'Die ersten Jahre nach 'Tanja' dachte ich ganz oft, ob das jetzt wohl immer so bleiben wird', lacht sie.
In 'Mein Mörder kommt zurück' spielt Katharina Wackernagel eine Frau, die im Zeugenschutzprogramm lebt. © ZDF / Christiane Pausch
'Dass Leute einen immer nur daher kennen, egal, was man anderes gemacht hat.'
Doch spätestens seit 'Das Wunder von Bern' (2003) muss sie sich darüber keine Gedanken mehr machen. Als Tochter von 'Bloch' (Dieter Pfaff) spielt sie wieder in einer ARD-Reihe, dreht ebenso TV-Komödien wie provokantere Projekte wie eben den Zweiteiler um den Medikamentenskandal: 'Contergan - Eine einzige Tablette' (Mittwoch, 07. und Donnerstag, 08. November, im Ersten).
Die Figur der Vera aus 'Mein Mörder kehrt zurück' ist ebenfalls ein besonderes Beispiel.
'Allein, sich mit dem Zeugenschutzprogramm gedanklich zu beschäftigen, ist schon sehr interessant', berichtet Katharina Wackernagel von der Vorbereitung ihrer Rolle in 'Mein Mörder kommt zurück'. © ZDF / Jochen Roeder
'Allein, sich mit dem Zeugenschutzprogramm gedanklich zu beschäftigen, ist schon sehr interessant', erzählt Katharina Wackernagel. 'Jemand muss in eine andere Stadt gehen, einen Beruf ausüben, der nichts mit ihm zu tun hat, und soll nicht einmal Kontakt zu seinen Eltern und Freunden haben. Er muss ein Leben aufbauen, das eigentlich keine Füße hat: Man kann nie über Dinge wie Kindheitserinnerungen sprechen - geschweige denn das schreckliche Erlebnis, das dazu geführt hat, dass man so lebt.' Vera sagte als 19-Jährige gegen ihren Ex-Freund, Chef einer brutalen Bande aus, der sie beinahe tötete.
'Bei Joe war's fast so, als wäre sie in der Zeit eine gute Bekannte geworden', erzählt Katharina Wackernagel (rechts, mit Manon Straché) vom Dreh zu 'Die Boxerin'. © ZDF / Jennifer Bressler
Als sie Jahre später eine eigene kleine Familie hat, holt die Vergangenheit sie ein. 'So zu leben, das ist fast unvorstellbar und funktioniert wohl nur, wenn es wirklich um Leben und Tod geht.'
Ganz anders die Boxerin: Die 19-jährige Joe lebt in der ostdeutschen Provinz, weiß nicht, wohin mit sich und ihrem Leben - das Einzige, bei dem ihr nicht 'das Kotzen kommt', ist der Boxsport. 'Das ist eine Frauenfigur, wie ich sie vorher noch nie gespielt hatte.' Eine völlig andere Katharina Wackernagel ist da zu sehen: ungeschminkt, maskulin und ruppig boxt sich diese Joe so durch.
Der umstrittene Film 'Contergan - Eine einzige Tablette' (Szenenfoto) mit Katharina Wackernagel in der weiblichen Hauptrolle darf nun im Fernsehen gezeigt werden. © WDR / Willie Weber
'Je länger ich eine Figur so intensiv erlebe, indem ich sie jeden Tag spiele, desto mehr entwickle ich ein Gefühl, als ob es sie tatsächlich gäbe', berichtet Katharina Wackernagel. 'Bei Joe war's fast so, als wäre sie in der Zeit eine gute Bekannte geworden.'
Bereits die Vorbereitung auf die Boxerin schlug ein. Schon lange vor Drehbeginn ging Katharina Wackernagel zum Training. 'Das wurde in diesen Monaten Teil meines Lebens.' Und sie fand Gefallen an dem Sport. 'Ich versuchte, danach noch eine Weile weiterzumachen. Aber ohne die Figur Joe, quasi als Schutz, ging das nicht mehr so gut. Richtig im Ring zu stehen und zu kämpfen, das gefiel mir ohnehin nicht.' Eines hat sie sich aber aus der Zeit behalten: 'Als ich die Rolle annahm, war ich wirklich ziemlich unsportlich. Mein Trainer schickte mich zunächst Laufen und ins Fitness-Studio. Seitdem gehe ich regelmäßig joggen - eigentlich jeden Tag, egal, wo ich gerade drehe.' Und noch etwas würde sie gerne fortsetzen: 'Wenn ich nicht in einer so hohen Altbauwohnung leben würde, hätte ich hier einen Sandsack hängen.'
Diese Wohnung liegt im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Katharina Wackernagel teilt sie sich seit vier Jahren mit ihrem jüngeren Bruder. 'Das klappt sehr gut, es ist ein ganz friedliches WG-Leben.' Im Gegensatz zu den meisten anderen Mitgliedern der Familie Wackernagel ist er kein Schauspieler, verschrieb sich jedoch auch der Branche: Drehbücher sind sein Metier. 'Es ist gut, dass er sich auch so sehr für Film interessiert', findet die Schwester. 'Aber auch, dass hier nicht zwei Darsteller aufeinander hocken, die Tag und Nacht über ihre Rollen tratschen.' Das tut sie dafür gerne mit ihrer Mutter, der Bühnendarstellerin Sabine Wackernagel, mit der sie mindestens einmal im Jahr auch gemeinsam in ihrem Heimatort Kassel auftritt: 'Am 23. Dezember machen wir immer eine Lesung: 'Frieda auf Erden'. Das ist mittlerweile zur Tradition geworden und jedes Mal herrlich!' Sie schwärmt weiter: 'Wir sind auf einer Wellenlänge, aber auch wenn meine Mutter einmal etwas kritisiert, kommen wir nie in Streit, sondern es ergibt sich eine interessante Diskussion. Wir haben wirklich ein gutes Verhältnis.'
Das berühmteste Familienmitglied dürfte neben Katharina Wackernagel ihr Onkel, der Fernsehschauspieler und ehemalige Terrorist Christof Wackernagel sein. Es muss eigentlich nicht sein, die erfolgreiche Nichte in jedem Interview darauf anzusprechen. Doch nun dreht sie selbst gerade 'Baader-Meinhof-Komplex'. Hat Katharina mit ihm über diesen Film vorab gesprochen? 'Noch nicht, ich fand das völlig unabhängig von der Geschichte meines Onkels ein wirklich spannendes Projekt', lacht sie. 'Er lebt in Afrika, aber wenn er demnächst nach Berlin kommt, werde ich ihn sicherlich dazu ausfragen.'
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