BŸhne Nachrichten
«Romeo und Julia» als Kammerspiel der Gefühle am Thalia Theater
Von Carola Große-Wilde 20. Sep 2007, 14:35
Hamburg - «Guten Abend» ruft ein im barocken Anzug gekleideter Herr mit langen weißen Haaren und weiß geschminkten Gesicht von einer metallenen Brüstung den nach oben blickenden Zuschauern zu.
Bald hat sich eine illustre Gesellschaft über den Köpfen der rund 180 Besucher im Thalia in der Gaußstraße, die teilweise an Tischen sitzen, versammelt. Sie rekeln sich am Geländer, necken sich gegenseitig und verharren in demonstrativen Posen. Plötzlich ruft einer «Jetzt fangen wir an!» und mit ihren Schlagstöcken verursachen die Mitglieder der Familien Capulet und Montague einen ohrenbetäubenden Lärm auf dem Geländer.
Oberspielleiter Andreas Kriegenburg hat am Mittwochabend zur Spielzeiteröffnung am «Theater des Jahres 2007» Shakespeares «Romeo und Julia» als sinnliches Spektakel und Kammerspiel der großen Gefühle inszeniert - am Ende gab es stürmischen Applaus. Die erste halbe Stunde der dreistündigen Aufführung spielt im Foyer der kleinen Thalia-Bühne, die Zuschauer sind mitten drin im Maskenball der Familie Capulet, auf den sich Romeo heimlich geschlichen hat. Sie werden Zeugen, wie sich der hübsche Jüngling unsterblich in die Tochter der Erzfeinde seiner Familie verliebt, die schüchtern und unbedarft «Somewhere over the Rainbow» vor sich hinträllert.
Die Gegensätze sind offen kundig: Auf der einen Seite die Mitglieder der verfeindeten Familien, die mit Pistolen aufeinander zielen und sich später in der Studiobühne unversöhnlich gegenüberstehen. Auf der anderen Seite die sich innig Liebenden im weißen Kleid und weißen Anzug, die Gesichter ungeschminkt (Kostüme: Andrea Schraad). Kriegenburg findet einfache, aber unvergessliche Bilder für die unvereinbaren Welten: So ist der Boden der Studiobühne mit Patronenhülsen übersäet, das unausweichliche Ende steht somit von Anfang an fest. Eine in der Mitte des Raumes frei schwebende hölzerne Wand mit den Namen der beiden Liebenden vereint und trennt das Paar, das wegen äußerer Umstände nicht zusammen sein darf.
Die beiden jungen Schauspieler Daniel Hoevels (Romeo) und Olivia Gräser (Julia) zeigen eine beeindruckende Leistung. Beide sind so unbeschwert, enthusiastisch und leidenschaftlich, wie eine junge Liebe nur sein kann. Gleichzeitig stürzt sie der Verlauf der Geschichte nach dem Mord an Mercutio und der anschließenden Rache Romeos in eine solche Verzweiflung, dass es kaum auszuhalten ist. Gleich vier Mal tragen sie die berühmten Verse nach der gemeinsam verbrachten Nacht («Es war die Nachtigall und nicht die Lerche») vor - und bei jedem Vortrag scheint die Verzweiflung der beiden über die Ausweglosigkeit ihrer Situation noch zuzunehmen.© 2007 dpa - Deutsche Presse-Agentur
Kommentiere diesen ArtikelLuk Perceval: Unglückliche «Kinder der Sonne»
29. Mär 2010, 11:24
Hamburg - Sie haben eigentlich alles - und doch sind sie unglücklich und wissen vielleicht noch nicht einmal warum. ... mehrSchauspielerin Herta Staal wird 80
29. Mär 2010, 11:05
München - In den 50er Jahren feierte sie in Theaterstücken wie «Pygmalion» große Erfolge, in zahlreichen Filmkomödien und Musicals spielte sie sich in die Herzen ihrer Fans. ... mehrPathos, Comic, Krimi: Thalheimer inszeniert «Die Nibelungen»
28. Mär 2010, 18:02
Berlin - Friedrich Hebbels «Die Nibelungen» gehört zu den schwierigsten deutschen Theaterstücken. Die Länge und die kunstvolle Sprache des dreiteiligen Trauerspiels sind eine Herausforderung. Der stellte sich Star-Regisseur Michael Thalheimer am Deutschen Theater Berlin mit bewundernswertem Ernst. ... mehrBefremdliche Sicht auf Sex-Täter in «The Woodsman»
27. Mär 2010, 13:35
Bielefeld Walter, Anfang 40, wird nach zwölf Jahren aus dem Gefängnis entlassen, dort hat er seine Strafe wegen sexuellen Missbrauchs minderjähriger Mädchen verbüßt. ... mehr
Pathos, Comic, Krimi: Irritierende «Nibelungen»
27. Mär 2010, 12:45
Berlin Friedrich Hebbels «Die Nibelungen» gehört zu den schwierigsten deutschen Theaterstücken. Die Länge und die kunstvolle Sprache des dreiteiligen Trauerspiels sind eine Herausforderung. Der stellte sich Star-Regisseur Michael Thalheimer am Deutschen Theater Berlin mit bewundernswertem Ernst. ... mehr















H.Müller30. Sep 2007, 22:02
Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf! Die Thalia-Aufführung fasziniert vom ersten Moment an und ist unglaublich dicht - vor allem, weil nicht nur die beiden Hauptdarsteller überzeugen, sondern das gesamte Ensemble!! So ist 'Romeo und Julia' ein absolutes Muss für junge und alte Theatergänger!
Diesen Kommentar melden