In einem Land wie Frankreich, das Frauen und besonders Künstlerinnen dramatischer sein lässt, wäre Nadeshda Brennicke wahrscheinlich ein viel größerer Star als bei uns. In der Tat macht die zerbrechlich wirkende 34-Jährige mit dem unglaublichen Lippenschwung einen irgendwie 'undeutschen' Eindruck, denn sie ist keine aus der Rubrik der pflegeleichten, gut gelaunten, dynamisch-taffen TV-Arbeiterinnen. Statt dessen sieht die ehemalige Sängerin des Popduos Charade - eine 'Jugendsünde' der frühen 90-er - ihre eigene Arbeit überkritisch.
Sensibler Star: Nadeshda Brennicke züchtet lieber Pferde in Brandenburg als sich dem Berliner Jet-Set hinzugeben. © MDR / Saxonia Media / Junghans
Ihre Musik bleibt Geheimnis: Nadeshda Brennicke, Schauspielerin und Pferdezüchterin, arbeitet an 'filmischer Musik'. © NDR / Maria Krumwiede
Die alleinerziehende Mutter eines Sohnes besitzt sogar den Mut zuzugeben, ständig auf der Suche nach Anerkennung zu sein. Über ihre Rolle in der romantischen TV-Elegie 'Der Mann von gestern' (Mi. 17.10., 20.15 Uhr, ARD), ihre Enttäuschungen und deren Tröstung durch Pferde und Musik, findet die sensible Aktrice offene Worte.
teleschau: In 'Der Mann von gestern' spielen Sie eine Frau, die das Leben leicht nimmt. So leicht, dass ihr Geliebter - gespielt von Matthias Brandt - enttäuscht das Land verlässt und spurlos verschwindet. Gefällt Ihnen die Rolle?
Nadeshda Brennicke: Ich finde die Vorstellung, dass jemand einfach verschwindet, sehr interessant.
Nadeshda Brennicke - im Film 'Der Mann von gestern' verkörpert sie die Frau, der Männer verfallen. © BR / Jörn Landsberg
Das Romantische und Mysteriöse hat mich an dem Buch gereizt. Ich spiele allerdings eine Art Partymädchen, das von einer Blume zur anderen hüpft. Eine Rolle, die so gar nichts mit mir zu tun hat und in der ich mich deshalb wahrscheinlich nicht besonders gut leiden kann.
teleschau: Sie gefallen sich also nicht in der Rolle der leicht flatterhaften Herzensbrecherin?
Nadeshda Brennicke: Partys, offizielle Veranstaltungen, oberflächliches Reden - in all diesen Dingen bin ich unheimlich schlecht, so etwas fällt mir irrsinnig schwer. Genauso verhält es sich mit dieser Rolle. Mein Spiel lebt davon, dass ich die Figuren sehr nah an mich heranlasse.
Angebetete im Halbschatten: Robert Brandes (Matthias Brandt) liebt Emma (Nadeshda Brennicke) im Film 'Der Mann von gestern'. © ARD Degeto / Jörg Landsberg / Montage Bishara
Das fällt mit komischerweise bei extremen Charakteren nicht so schwer.
teleschau: Woran könnte das liegen?
Nadeshda Brennicke: Vielleicht daran, dass ich ein eher dramatischer Mensch bin. Oberfläche hat mich einfach nie interessiert. Ich fühlte mich immer angezogen von tiefgründigen Geschichten, Filmen, Menschen und Schicksalen.
teleschau: Sie sind abonniert auf verletzliche Frauengestalten. Können Sie mit diesem Image gut leben, oder empfinden Sie es auch als Belastung?
In 'Der Mann von gestern' trifft Robert (Matthias Brandt) im Buchladen seine alte Flamme Emma (Nadeshda Brennicke) wieder. © BR / Jörg Landsberg
Nadeshda Brennicke: Ich habe in der Vergangenheit in der Tat sehr viele solcher Rollen gespielt - und mich wahrscheinlich zum Ausgleich in letzter Zeit stärker auf Komödien verlegt. Gerade habe ich mit Muriel Baumeister, Pierre Besson und Dominique Horwitz eine Brandenburger Landkomödie abgedreht, in der ich eine richtig derbe, grobe Frau spiele - also völlig gegen mein Äußeres und mein Image. Das hat großen Spaß gemacht. Ich möchte im Moment mehr lachen. Das Elegische, Mysteriöse und Schwebende - das kann ich, ich weiß das. Deshalb interessiert es mich gerade nicht so sehr. Ich würde auch gern mehr Theater spielen.
Romantik statt Drama: In 'Der Mann von gestern' kann sich Nadeshda Brennicke (hier mit Partner Matthias Brandt) endlich mal entspannen. © BR / Jörg Landsberg
Da ich aber gerade einen Bauernhof gekauft habe, den ich abbezahlen muss, ist das wahrscheinlich nicht so realistisch.
teleschau: Warum hat es Sie raus aus Berlin und aufs Land gezogen?
Nadeshda Brennicke: Ich musste ganz dringend etwas finden, das mir außer meinem Beruf wirklich Freude macht. Ich glaube nicht, dass man ein differenzierter, guter Schauspieler sein kann, wenn es außer dem Beruf wenig anderes gibt. Wenn ich mich zu sehr in die Arbeit verbeiße, kommen Eitelkeiten auf, und Eitelkeiten sind der Tod einer künstlerisch wertvollen schauspielerischen Arbeit. Ein eitler Schauspieler entlarvt sich in der Rolle, denke ich - und das ist hässlich.
Paraderolle im Dominik Graf-Film 'Hotte im Paradies': Prostituierte Jenny (Nadeshda Brennicke) muss als Domina leiden. © BR / Anja Grabert
Ich brauchte dringend Abstand. Etwas, das mich auffängt, wenn ich nicht spiele.
teleschau: Was gibt Ihnen der Bauerhof?
Nadeshda Brennicke: Vor allem meine Pferdezucht mit derzeit sieben Tieren. Ich züchte arabische Vollblüter - mittlerweile habe ich schon fünf Fohlen zur Welt gebracht. Da ich mit Pferden aufwuchs, kann man sagen, dass ich darin meine Wurzeln wieder gefunden habe. Das gibt mir unheimlich viel. Ich beobachte, wie die Tiere ursprünglich groß werden, studiere ihr Verhalten, versuche ihren Charakter zu ergründen - das macht mir Freude.
teleschau: Sind Sie - was die Pferdezucht betrifft - Autodidaktin, oder haben Sie das mal gelernt?
Noch eine Vorzeigerolle aus dem Rotlichtmilieu: Im Münchner 'Polizeiruf 110: Silikon Walli' spielte Nadashda Brennicke (rechts) ein Opfer des Körperwahns. An ihrer Seite (von links): Kommissar Tauber (Edgar Selge), Kommissarin Obermaier (Michaela May) und Wallis Manager (Michael Brandner). © BR
Nadeshda Brennicke: Als Kind verbrachte ich einen Großteil meiner Ferienzeit in einem großen Pferdezuchtbetrieb in Bayern. Das war so eine Art Urlaubs- oder Ferienfreizeitmodell für Kinder aus Familien, die nicht so viel Geld hatten. Wir halfen da immer kräftig mit, und ich lernte dort viel über Pferde. Alles, was ich von damals nicht wusste, habe ich mir jetzt mit großer Leidenschaft angeeignet.
teleschau: Sind Sie auch eine passionierte Reiterin?
Nadeshda Brennicke: Viel weniger als früher. Früher stand der sportliche Aspekt mehr im Vordergrund. Heute reite ich ab und zu mal eine Jagd, aber das war's dann auch schon.
teleschau: Eine Jagd! Sie meinen, so richtig mit Gewehr?
Nadeshda Brennicke: Nein, das heißt nur, dass wir mit den Pferden und einer Hundemeute durchs Gelände reiten, mit Springen und so. Da wird vorher eine künstliche Fährte gelegt. Es geht dabei um sportliches Reiten, um das Erleben von Natur - das läuft aber garantiert völlig unblutig ab.
teleschau: Mit wem leben Sie auf dem Bauernhof?
Nadeshda Brennicke: Mit meinem Sohn und momentan einem Angestellten, der das Kind, Hunde und Pferde betreut, wenn ich arbeite. Jetzt wird noch eine zweite Person dazukommen. Sie verdienen jetzt nicht die Welt bei mir, aber dafür wohnen und leben die auf dem Hof, haben dort ihren eigenen Platz. Es ist ein Leben für Leute, die so etwas mögen.
teleschau: Viele Menschen wissen nicht, dass sie auch Musikerin sind. Die nächsten beiden Tage - so hieß es von Ihrem Management - sind Sie im Tonstudio aktiv. Was tun Sie dort?
Nadeshda Brennicke: Ich mache auf jeden Fall keine Musik unter dem Namen Nadeshda Brennicke. Schauspieler, die singen - das funktioniert in Deutschland nicht. Es gefällt mir auch nicht, außer bei Axel Prahl - den finde ich als Sänger ganz toll. Ich arbeite regelmäßig an Musik für Filme. Genauso klingt auch mein Sound - er ist sehr filmisch. Mein bester Freund, er heißt Christian Anlvart, ist ein junger deutscher Regisseur in Hollywood. Bei seinen Filmen arbeite ich fast immer mit, sorge für den Vorspann oder Abspann. Ich war gerade in den USA, wo er einen Film mit Renée Zellweger gedreht hat. Natürlich weiß ich noch nicht, ob das Studio Paramount meine Musik dazu auch haben will.
teleschau: Komponieren Sie selbst Filmmusik, oder geht es eher darum, dem Ganzen Ihre Stimme zu leihen?
Nadeshda Brennicke: Mittlerweile ist es eher so, dass ich der Musik meine Stimme leihe. Auch wenn der Titel, um den es da jetzt aktuell geht, von mir geschrieben wurde. Ich schreibe heute nicht mehr. Früher besaß ich auch mal ein Tonstudio, das ich aber aufgab. Das Produzieren übernehmen mittlerweile andere Leute.
teleschau: Aber hat man als Musikerin nicht das Bedürfnis, eine CD mit der eigenen Arbeit zu veröffentlichen?
Nadeshda Brennicke: Dieses Bedürfnis hatte ich viele Jahre lang. Ich fing aber erst an, gute Musik zu machen, als ich nicht mehr dieses Bedürfnis hatte (lacht). Als es nur noch mir gefallen musste und nicht etwa einer Zielgruppe - erst da habe ich mich frei gefühlt. Also - vielleicht wird es irgendwann mal eine CD geben, wahrscheinlich dann, wenn ich mich entscheide, eine für meine Freunde zu brennen (lacht). Nein, ich scheue mich wirklich vor einer musikalischen Vermarktung hier in diesem Land.
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"Nadeshda Brennicke" (* 21. April 1973 in Freiburg im Breisgau) ist eine deutsche Schauspielerin und Tochter des Synchronsprechers Michael Brennicke. Sie wird im Abspann manchmal auch als "Nadeshda Brennecke", "Nadja ....
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Friedemann Wehr11. Jan 2008, 11:12
Eine großartige Schauspielerin!
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