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Experten: Internet lässt Wissensqualität sinken

Von Joachim Scheible 22. Okt 2007, 15:32

cid - Das allgemeine Wissen sehen Fachleute in Bibliotheken besser aufgehoben als im Internet. Foto: Deutscher Bibliotheksverband/cid

cid - Das allgemeine Wissen sehen Fachleute in Bibliotheken besser aufgehoben als im Internet. Foto: Deutscher Bibliotheksverband/cid

Vor einer sinkenden Qualität des Wissens durch die ausschließliche Nutzung von Internetsuchmaschinen und freien Online-Enzyklopädien warnen Experten. Das Resümee einer unter führenden Bibliothekaren durchgeführten aktuellen Studie anlässlich des bundesweiten 'Tag der Bibliotheken' am 24. Oktober lautet: Fundierte Information ist nicht zum Nulltarif zu haben. 'Die Nutzer müssen davon überzeugt werden, dass ein Brockhaus wesentlich wertvoller ist als Wikipedia', sagt kommentiert Christina Michel, Leiterin der Bibliothek der Fachhochschule Amberg-Weiden, die Studie. Das Problem ist vor allen Dingen die zunehmende mangelnde Kritikfähigkeit bei Schülern und Studenten: Freie Informationen aus dem Internet werden einfach hingenommen. Zwar böten Suchmaschinen mittels so genannter Relevanz-Rankings scheinbar bewertete Informationen. Allerdings ist dieses Vorgehen nach Ansicht der Akademiker unter den Enzyklopädisten eher fragwürdig: Die verbleibende Trefferflut bei den Ergebnissen überfordere die Nutzer. Darüber hinaus mangele es der Internetrecherche nicht nur an Qualität, sondern auch an garantierter Wiederauffindbarkeit, Beständigkeit und Werbefreiheit.Die Kompetenz echter Bibliotheken und Enzyklopädien jedoch, mittels Datenbanken und Katalogen einen strukturierten Zugang zu Informationen zu liefern, werde von den Nutzern im festen Glauben verkannt, man finde 'sowieso alles bei Google', warnt zum Beispiel Michael Schanbacher, Bibliotheksleiter an der Fachhochschule Heilbronn. Ein Ziel der Bibliotheken muss es deshalb sein, 'den Nutzern mehr Informationskompetenz bei der Bewertung von Medien zu vermitteln', meint Ato Ruppert von der Freiburger Universitätsbibliothek.Wie dagegen akademische Institute arbeiten, verrät Dagmar Hesse von der Unibibliothek Chemnitz: 'Fachreferenten und Lektoren wählen in Zusammenarbeit mit den Lehrstühlen ausschließlich qualitativ hochwertige und seriöse Medien aus, die in der Regel nicht frei über das Internet verfügbar sind. Diese Selektion bereitet das Wissen auf und macht es übersichtlich zugänglich - ein großer Vorteil gegenüber dem World Wide Web.' Als verbesserungswürdig stufen viele Bibliotheken auf jeden Fall ihre Öffnungszeiten ein - einer der Gründe dafür, warum immer mehr Menschen ihr Wissen aus dem Internet beziehen. Denn Nutzer wünschen sich rund um die Uhr Zugang zu Informationsbeständen. Eine Lösung wäre es nach Ansicht der Bibliothekare, die Katalogtitel verstärkt digital zugänglich zu machen. Dazu mangele es bislang jedoch an Personal und den nötigen Finanzmitteln.Einigkeit herrscht indes darüber, dass Online-Plattformen und Metakataloge eine gute Möglichkeit bieten sollten, um die Angebote der Bibliotheken prominenter zu vertreiben. 'Es wäre hilfreich, wenige Portale richtig gut zu entwickeln und zu vermarkten', sagt Rainer Pernsteiner, Projektleiter Kommunikation und Marketing des Wissensportals 'Get Info'. Unter www.getinfo.de können die Bibliotheksbeständeder Technischen Informationsbibliothek (TIB) in Hannover sowie die der deutschen Fachinformationszentren FIZ Technik Frankfurt, FIZ Karlsruhe und FIZ Chemie Berlin gefunden werden. © 2007 Global Press

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