Musik Kritiken
CD Kritik: My Winter Storm von Tarja
Von Frank Rauscher 19. Nov 2007, 08:57

Kleine Frau, ganz groß: 'Go tell the world I'm still around.' Wird gemacht. Also, alle mal hergehört: Tarja Turunen ist noch da. - Und wie! Die zierliche Sopranistin, deren Organ so lange den Düster-Sound der Metal-Band Nightwish in epische Höhen erhob, wandelt jetzt auf Solopfaden. Die Aufregung, das Gezerre, den Streit nach der Trennung von Nightwish, all die Ereignisse der letzten Monate verarbeitet die 30-Jährige auf einem Album, das genau richtig mit dem ersten Schnee kommt. 'My Winter Storm' ist tief melancholisch, mitunter ergreifend traurig und zweifellos auch ganz schön kitschig. Im Prinzip also ein Album, wie es Nightwish vielleicht auch gerne rausgebracht hätten ...
Nun, die alten Jungs haben sich eine neue Sängerin geholt, und ihr Sound kommt nun doch etwas straighter daher. Nightwish rocken auf 'Dark Passion Play' gewaltig, ja bombastisch. Tarja wiederum setzt mit 'My Winter Storm' einen zerbrechlichen, teilweise geradezu opernhaften Auftritt dagegen, in dem selbst das Cover von Alice Coopers Hard-Rock-Hymne 'Poison' klingt, wie auf einer von 1.000 Kerzen fahl iluminierten Klassik-Bühne interpretiert.
Tarja mag es pathetisch, schwülstig, ergreifend. Sie will die eigenen Gefühle und ihre großartige Stimme inszenieren. Und so ist 'My Winter Storm' ein emotionaler Egotrip geworden, der nicht jedem gefallen wird, aber sicher keinen kalt lässt. Auch wenn man fast fürchten muss, sie könnte jeden Augenblick aufhören zu singen und schluchzend auf die Knie fallen: Tarja fliegt mit ihrer klassisch ausgebildeten Stimme tapfer über Orchesterklänge und Brachialgitarren hinweg. Wie Phoenix aus der Asche (ein Bild, auf das sie im Booklet selbst verweist) hebt sie immer wieder ab zu weit ausladenden Melodiebögen, manchmal noch beflügelt von vielstimmigen Frauenchören. Mit Metal hat das nicht mehr allzu viel zu tun, wer zu einer attraktiven Nachtigallstimme die Mähne schütteln will, ist in Tarjas 'Winter Storm' sicherlich fehl am Platze (Ausnahmen wie das wütig riffende 'Die Alive' bestätigen die Regel). Wer den perfekten Soundtrack für einen Rotwein-geschwängerten, düster-kalten Winterabend sucht, wer die Stimme von Nightwish schon immer lieber mochte als Nightwish, wird sich an diesem Solo-Debüt nicht satt hören können.
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Tarja Turunen - Nur ein scheinbares Opfer
21. Nov 2007, 08:56
Wenn sie sich vorstellt, grollt das 'r' in ihrem Vornamen. Doch die zierliche Finnin wirkt angriffslustiger, als sie ist. Tarja Turunen lebt nicht in den Tag, nie. Sie erlegt sich eine Professionalität auf, die Disziplin fordert. Die braucht die zierliche Frau auch. Es fegten bereits etliche Stürme über das ehemalige Aushängeschild der Metalband Nightwish. Tarja Turunens Sopran, der über den Gitarren bebte, machte sie zur Ikone. Bis sie vor zwei Jahren öffentlich gefeuert wurde. Selbstbewusst meldet sich Tarja Turunen nun solo zurück. Auf 'My Winter Storm' kombiniert die 30-Jährige Rocksymphonien und Klassik. Prekär: Ihre alte Band und sie veröffentlichen nahezu zeitgleich. Späte Rache? ... mehrNightwish - Die Nadel im Demo-Haufen
6. Okt 2007, 08:56
Das sicherste Anzeichen dafür, dass im Nightwish-Lager wieder alles in Ordnung ist: Der Humor meldet sich zurück. Den vermeintlichen Titel für ihr neues Album gaben die finnischen Chartstürmer am 1. April bekannt: 'Faster, Harder, Nightwish'. Ein Vogel namens Nachtigall trapst im dunklen Metier besonders gerne. Unter dem Namen Nachtwasser trat die Band in Tallin 'geheim' auf. Und in Hamburg stand nicht nur eine zünftige Party anlässlich der Veröffentlichung des schlussendlich 'Dark Passion Play' betitelten Werkes an. Keine 24 Stunden später spricht Tuomas Holopainen, Keyboarder und Bandchef von Nightwish, im Interview über die Zukunft seiner Band. ... mehrCD Kritik: Dark Passion Play von Nightwish
30. Sep 2007, 08:57
Ein gemütliches, kleines Metal-Open-Air, lang ist's her. Nightwish waren durchaus bekannt, auch wenn viele der Anwesenden an diesem Abend vor dem Auftritt das Operngehabe der Tarja Turunen durch den Dreck zogen. Pah, ist doch was für Muttis und Möchtegerns. Dann gingen die Lichter aus. Was folgte, war pure Magie. Und insgeheim ahnte man: Irgendwann werden die Muttis und Möchtegerns vereint mit den harten Metallern in den großen Hallen der Welt stehen und dieses Phänomen mit offenen Mündern betrachten. Spätestens nach 'Once' war es soweit. Und mit 'Dark Passion Play' wird sich daran überhaupt nichts ändern. ... mehr







