Internet Reportagen


Blog as Blog can

Von Roberto Bardéz 10. Dez 2007, 14:42

©M&C

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Haben Sie heute schon geblogt? Nein? Sie wüssten nicht, weshalb? Vielleicht kann es Felix Wunderwald in seinem Blog  erklären: 'Ich schreibe für mich. Ich lass mich hier aus, ob es jemand ließt, kommentiert oder ob er es hasst, ist mir erstmal total egal. Das hier ist meins. Dieser Platz im Internet gehört mir und er wird nicht in Schubladen unterteilt, ich schreib hier nicht nur übers Internet, Musik, Leben und Politik. Ich schreib hier über das, was ich will. My Blog, My Rules'. www.felix-wunderwald.de

My Blog. My Rules. Aber auch: Dieser Platz im Internet gehört mir. So wie Felix Wunderwald geht es immer mehr Usern: Sie fühlen sich nicht mehr wohl in der Rolle des Konsumenten von Information, sie wollen selbst aktiv werden. Und sich Gehör verschaffen. Wer sich über etwas ärgert: Nein, um Bloggers Willen, den Ärger bloß nicht in sich hineinfressen. Das kann zu Magengeschwüren führen. Lieber einen Blog einrichten und dem Ärger in Form von kräftigen Worten Luft verschaffen. Ob es jemand liest, ist erstmal total egal. Hauptsache, es beruhigt.

Der Blog als Form der Selbstdarstellung? Heißt es in Zukunft nicht mehr, etwas sei 'so überflüssig wie ein Kropf'? Wird diese Redewendung ersetzt durch 'so überflüssig wie ein Blog'? Denn wer sollte sich schon für die befreienden Verbalattacken eines frustrierten Blog-Betreibers interessieren?

Das Interesse ist sogar unglaublich groß. Blogger bringen oft genug auf den Punkt, was viele denken, sich aber keiner zu sagen traut. Sie schlüpfen freiwillig in die Rolle von schwarzen Schafen, laden den Zorn einiger weniger auf sich, wissen aber viele hinter sich, die gerne genau so wettern würden, das aber nicht können oder sich nicht trauen.

Blogs liefern keine aktuellen Informationen, sie liefern in erster Linie Meinungen und Kommentare. Ansichten. Das, was in Zeitungen und Zeitschriften sowie im Fernsehen beschönigend mit 'Streiflicht','Kolumne' oder 'Gedanken' bezeichnet  wird, angeblich die Meinung des Vortragenden wiedergibt und doch nicht mehr ist als ein vom Chefredakteur freigegebener Kommentar, nett zu lesen, im Ansatz kritisch, aber insgesamt doch eher versöhnlich. Man weiß doch, was man seinen Kunden schuldig ist, vor allem den zahlenden. Leser sind da nicht so wichtig.

Ein Blogger kennt diese Skrupel nicht, er hat weder zahlende Anzeigenkunden noch zahlende Leser und schon gar keinen um Ausgleich bemühten Chefredakteur, er kennt nur die Freiheit seiner Gedanken. Und wer diese Gedanken liest, der mag den Kopf schütteln, der mag sich fragen, was da im Schreiber vor sich ging, in vielen Blogs aber kann er die Anonymität durchbrechen und sofort einen Kommentar hinterlassen. Versuchen Sie das mal bei einer Zeitung und sagen Sie nicht, Leserbriefe würden die gleichen Möglichkeiten bieten…

Doch Blogs sind mehr als Ventil für Ärger oder Plattform zur Selbstdarstellung. Viel mehr. Sie sind Teil einer neuen Einstellung zu Informationen.

Geheimdienste sind eine feine Sache, sie bringen streng geheime Informationen in Erfahrung. Es wird nur immer schwieriger, Ziele zu finden, die sich ausspionieren lassen. In den meisten Fällen ist es einfacher, direkt in Google nachzusehen. Bei 10 Millionen Treffern zu der gewünschten Frage erübrigt sich die Hilfe eines Geheimdienstes, da werden eher Helfer bei der Bewältigung der Datenflut gebraucht.

Die Spezialisten für Informationsverarbeitung haben dies erkannt. Spezialisten sind nicht die Experten, die sich permanent über ein Thema auslassen, und das möglichst so hochgestochen, dass keiner sie versteht, aber jeder bewundernd zu ihnen aufschaut. Spezialisten sind die Leute, die wirklich etwas wissen, und die mit diesem Wissen ihren Lebensunterhalt verdienen.

In der Informationsverarbeitung sind es die Marketingspezialisten, die ganz vorne mit dabei sind. Sie haben erkannt, dass es keinen Sinn mehr macht, Informationen in der Schublade zu horten, sondern dass es viel wichtiger geworden ist, diese Informationen zu publizieren und damit auf sich selbst aufmerksam zu machen.

So haben Marketingspezialisten auch die Blogs für sich entdeckt. Nicht als Mittel, um Dampf abzulassen, aber als sehr probates Medium, um für sich selbst zu werben. Informativ, professionell gemacht, und ausgezeichnet organisiert. Wie? Das verrät Bernd Röthlingshöfer, Fachjournalist, Buchautor und Blogger unter www.berndroethlingshoefer.typepad.com.

Er hat unter www.morebrains.de/archives/downloads/kleinebudgets.pdf gleich eine Broschüre über die optimale Nutzung des Internets für Marketing und Werbung mit einer Vielzahl professioneller und zukunftsweisender Marketing-Blogs zusammengestellt. Man kann sich daran ein Beispiel nehmen und viel lernen, man kann aber auch von den guten alten Zeiten schwärmen und sich von allem Neuen distanzieren. Möchte man dabei aber gehört werden, so empfiehlt sich die Einrichtung eines Blogs…


 

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