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Die syrische Braut - 17.01.2008 21:00 - ARTE

Bildkräftiges Poem

Von Hans Czerny 17. Jan 2008, 21:00

Der Tag der Hochzeit ist für Mona (Clara Khoury) auch ein Tag des Abschieds. © ARTE F

Der Tag der Hochzeit ist für Mona (Clara Khoury) auch ein Tag des Abschieds. © ARTE F

'Was für eine schöne Braut, wir werden sie nie wieder sehen': Monas Familie sieht ihrem Hochzeitstag mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Braut heiratet über die Grenze hinüber - wenn sie die einmal passiert, gibt es kein Zurück. Denn sie lebt im von Israel annektierten Teil der Golan-Höhen. Der Bräutigam aber wohnt in Damaskus, auf der anderen Seite des Zaunes. Der Film 'Die syrische Braut' (2004, Regie: Eran Riklis), den ARTE in Erstausstrahlung sendet, zeigt mit einer einfachen Geschichte, mit welchen Schwierigkeiten das Leben im Nahen Osten verbunden ist - und verzichtet dabei darauf, die Welt in Gut und Böse einzuteilen.

Durch ihre Hochzeit mit einem Syrier ändert sich Monas (Clara Khony) komplettes Leben: Sie muss ihr Dorf, das in den von Israel besetzten Golanhöhen liegt, für immer verlassen. Ihre Familie wird sie nie wieder sehen. © ARTE F

Durch ihre Hochzeit mit einem Syrier ändert sich Monas (Clara Khony) komplettes Leben: Sie muss ihr Dorf, das in den von Israel besetzten Golanhöhen liegt, für immer verlassen. Ihre Familie wird sie nie wieder sehen. © ARTE F

Mona (Clara Khoury) erlebt den entscheidenden Tag in ihrem Leben stoisch und teilnahmslos, um sie herum aber verbinden sich Familie, Kulturen und Politik zu einem explosiven Gemisch. Die ganze Famile kommt angereist. Bruder Hattem (Eyad Sheety) mit seiner russischen Familie wird seit acht Jahren vom Vater geächtet, weil er eine Fremde geheiratet hat. Der andere Bruder, Marwan (Ashraf Barhoum), ein lebensfroher, windiger Geschäftsmann, kommt aus Italien. Vater Hamned (Makhram Khoury) ist gerade auf Bewährung aus israelischer Gefangenschaft entlassen, geht aber trotzdem zur prosyrischen Demonstration, die am Hochzeitstag vor dem Haus prozessiert.

Der Abschied von ihren Eltern (Makram Khoury, links) und Marlene Bajali, Miitte) fällt Mona (Clara Khoury) schwer. © ARTE F

Der Abschied von ihren Eltern (Makram Khoury, links) und Marlene Bajali, Miitte) fällt Mona (Clara Khoury) schwer. © ARTE F

Während die Männer ihr sturköpfiges Spiel um Religion, Politik, Ehre und Treue spielen und sich dabei allzu wichtig nehmen, sind die Frauen der Familie der eigentliche Mittelpunkt des Films. Vor allem Monas Schwester Amal (Hiam Abbas) zeigt, dass man Träume von Gerechtigkeit, Emanzipation und Selbstbestimmung leben kann.

Religiöse Zwänge, politische Unterdrückung, familiäre Lähmungen: Eran Riklis brachte das Kunststück fertig, einen Film zu machen, der die Unbarmherzigkeit der Bedingungen zeigt, dabei trotzdem einen warmen und herzlichen Optimismus ausstrahlt.

Für Mona (Clara Khoury, zweite von links) heißt es Abschied nehmen für immer von ihrer Schwester Amal (Hiam Abbass, rechts) und deren Töchtern Mai (Ranin Boulos, links) und Rama (Hanna Abou-Manneh). © ARTE F

Für Mona (Clara Khoury, zweite von links) heißt es Abschied nehmen für immer von ihrer Schwester Amal (Hiam Abbass, rechts) und deren Töchtern Mai (Ranin Boulos, links) und Rama (Hanna Abou-Manneh). © ARTE F

In den Momenten zwischen den großen dramatischen Auseinandersetzungen sind Zärtlichkeit und ein feiner Humor versteckt. Etwa wenn sich die Hochzeitsparteien an der Grenze nur mit dem Megaphon unterhalten können, während die von Julie-Anne Roth gespielte gutgläubige französische Rot-Kreuz-Mitarbeiterin Jeanne (d'Arc) versucht, die Bürokratie und politische Unbeweglichkeit auf israelischer wie syrischer Seite aufzubrechen.

Und Mona? Mona sitzt derweil vor dem Gittertor, das auf israelischer Seite den kurzen Streifen Niemandsland nach Syrien absperrt. Regungslos, in sengender Hitze - sie wartet ab. Und geht irgendwann einfach los.

Zielstrebig überquert Mona (Clara Khoury) die Grenze. © ARTE F

Zielstrebig überquert Mona (Clara Khoury) die Grenze. © ARTE F

In ihre Zukunft, die sie selbst in die Hand nimmt.

Earan Riklis hat die flirrende Hitze und den Staub der Golanhöhen realitätsgetreu gefilmt. Die authentische Musik gibt dem Film jedoch eine geradezu utopische Dimension. - 'Die syrische Braut' wurde bei zahlreichen internationalen Festivals preisgekürt. In Montreal erhielt er 2004 die Auszeichnung für den 'besten Film' und den Publikumspreis. In Locarno wurde er gleichfalls mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Sicher nicht nur wegen seiner friedliebenden Botschaft. Es ist ganz einfach ein schönes, bildkräftiges, allerdings auch fundiert recherchiertes Poem, dessen Drehbuch die arabisch-israelische Drehbuchautorin Suha Arraf schrieb.© 2007 teleschau - der mediendienst

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