Was bleibt übrig von einem an TV-Innovationen armen Jahr 2007? Nach langer Überlegung, vielen Diskussionen, zähem Ringen, hat sich ein Redaktionsgremium auf 30 Namen geeinigt. 30 'Gewinner des Fernsehjahres 2007' sollen es sein. Entscheidend für das Ranking waren weder Prominenz, Sender-Background noch das Gewicht in der Branche. Es ging um die Frage, wer 2007 besonders auf sich aufmerksam machte, aber auch um Sympathiewerte beim Publikum und das Auftreten in der Öffentlichkeit.
François Goeske und Diane Willems empfahlen sich im ProSieben-Zweiteiler 'Die Schatzinsel', einem der aufwendigsten Filme des vergangenen Jahres. © ProSieben / Gordon Mühle
Wer so etabliert und erfolgreich ist, kann auch mal etwas wagen: Iris Berben ist nicht nur in Mainstream-Produktionen mit von der Partie. © teleschau
So finden sich jung neben alt, Moderator neben Schauspieler, absolute Neuentdeckung neben Top-Star und junger Hoffnungsträger neben fast vergessenem Comebacker auf einer Liste, die im Grunde nichts anderes sein will als ein Streifzug durchs TV-Jahr 2007.
30. Cheyenne Lacroix (25): Wer sich jetzt nicht fragt: 'Cheyenne weeeeerrr?', wird sich gewiss diebisch freuen, dass dieser Name endlich in einem Ranking wie diesem auftaucht - aber nur ganz heimlich, still und leise. Denn wer gibt es schon zu, dass er sich nachts so etwas ansieht wie das 'DSF-Sportquiz'?
Spielte Supermarktkassiererin 'Gisela' - so intensiv, dass man es nicht mehr vergisst: Anne Weinknecht. © teleschau / F. Rauscher
Das Call-In-Gedaddel zwischen Telefon-Abzocke und freizügiger Nabelschau hat weiter Konjunktur im Off der 'normalen' Sehgewohnheiten. Und Cheyenne, die blonde Bonnerin mit französischen Wurzeln, die mal Ägyptologie, Archäologie und Französisch studierte, ist zweifellos der Star unter den Sternchen der mitunter sehr skurrilen TV-Nächte - weil sie es schafft, selbst im Call-in-TV sympathisch rüberzukommen. Es gibt eben die A-, B- und die C-Promis, und dann gibt es noch solche, die sind Doppel-D - und können über all die doofen Kategorisierungen nur lachen, aus voller Brust.
Schaffte 2007 den Sprung von dder Moderation in die Schauspielerei: Von der Tirolerin Mirjam Weichselbraun wird man noch viel hören. © Berger
29. Julia Dietze (26): Eben noch in der romantischen Bergwelt der 'Lilly Schönauer' (ARD), bald schon bei Tarantino oder François Ozon? Wenn dieser Quantensprung jemanden zuzutrauen ist, dann der Halbfranzösin Julia Dietze. Die Schauspielerin, eine der attraktivsten Neuentdeckungen der jüngsten Zeit, sagt ja selbst, sie sucht die Herausforderung des internationalen Kinos. Im letzten Jahr reiste das Ex-Model für drei Monate nach Los Angeles, um dort mit ausgewählten Schauspiellehrern zu arbeiten. 'Die hatte ich mir aus dem Internet herausgesucht'.
Peter Zwegat forderte bei RTL: 'Raus aus den Schulden!' Und er zeigte, wie es gehen könnte. © RTL
Dort lernte sie auch die amerikanische Freundin kennen, welche sie auf die Art Partys mitnahm, auf denen man Leute wie Quentin Tarantino treffen kann - einer von Julia Dietzes großen Regiehelden. 'Wir haben uns über altes europäisches Kino und den Film Noir unterhalten. Ich sagte ihm aber nicht, dass ich Schauspielerin bin, weil ich nicht aufdringlich sein wollte. Später kam er dann aber mit seiner japanischen Freundin zu mir und machte mir das Kompliment, er hätte sich in Hollywood schon lange nicht mehr so gut über europäisches Kino unterhalten. Wir haben dann einfach einen Scotch nach dem anderen getrunken, es war ein lustiger Abend.
Zum ersten Mal in Uniform: Jacob Matschenz als NVA-Rekrut im ZDF-Drama 'An die Grenze'. © ZDF / Steffen Junghans.
' Wer so viel Chuzpe besitzt, so umwerfend aussieht und so viel Talent hat (Julia Dietze fiel etwa in 'Liebes Leid und Lust' oder in 'Oktoberfest' positiv auf), dem darf man wohl wirklich allerbeste Aussichten attestieren.
28. François Goeske und Diane Willems (18, 22): Ein junges Fernseh-Traumpaar, das es eigentlich gar nicht geben darf - hätte ProSieben bei der Verfilmung von Robert Louis Stevensons Klassiker 'Die Schatzinsel' nur nicht die Werktreue über Bord geworfen und der jungen Zielgruppe zuliebe eine attraktive Frauenrolle frei erfunden.
Immer ganz entspannt: Stephan Luca (beim Inga-Lindström-Dreh in Schweden) setzt auf Vielfalt. © teleschau / F. Rauscher
So kommt es, dass der junge Jim Hawkins (Goeske) sich in Captain Flints Tochter Sheila (Willems) verliebt und der aufwendige Zweiteiler (mit einem zehn-Millionen-Euro-Budget einer der teuersten Fernsehfilme des Jahres) mitunter vom Piratenmovie zur Teen-Love-Story mutierte. Die Zuschauer erlebten in dem hochkarätig besetzten Kostümfilm (unter anderem mit Tobias Moretti, Jürgen Vogel, Silke Bodenbender) zwei bis dato fast unbekannte Jungstars, die sich - auch durch einige erotische Kussszenen - in den Vordergrund spielten.
'Ich bin ein echter Euro', sagt Pasquale Aleardi, der in der Schweiz aufgewachsene Sohn einer griechischen Mutter und eines italienischen Vaters. © Sat.1 / Walter Bayley
Über die Qualität des Filmes waren die Kritiker zwar geteilter Meinung, aber die Auftritte des deutsch-französischen Schauspielers Goeske und seiner deutsch-belgischen Kollegin Willems, beide schwärmten im Anschluss von 'absoluten Traumrollen', waren bärenstark. Die wichtigste Frage beantwortete François dann gleich selbst: 'Wir sind Freunde geworden, ganz klar. Es war super, mit ihr zu drehen. Aber, um die Karten auf den Tisch zu legen: Es ist nichts gelaufen. Sie hat ja auch einen Freund.'
27. Stephan Luca (33): Wenn das Wort 'vielbeschäftigt' derzeit auf einen deutschen Schauspieler besonders zutrifft, dann auf Stephan Luca.
Hat schon mit Tarantino gesoffen und viele Ambitionen: Jungstar Julia Dietze. © ARD Degeto / Petro Domenigg
Der Wahl-Hamburger scheint dabei vor allem von einer Maxime getrieben zu sein: bloß nicht auf einen Typus festlegen lassen! Luca hat vom 'Bergpfarrer' bis zum Actionhelden ('Held der Gladiatoren', RTL, oder 'Inferno - Flammen über Berlin', ProSieben) schon alle möglichen Genres bedient. Den Spagat zwischen Kunst und TV-Massenware beherrscht er geradezu grandios. 2007 war er in einem Inga-Lindström-Film zu sehen und gleich noch in 'Der Mann im Heuhaufen' (beides ZDF-Romanzen am Sonntagabend) sowie in zahlreichen Romantic Comedies (unter anderem: 'Wenn Liebe doch so einfach wär'', Sat.
War 2007 in mehreren relevanten TV-Produktionen dabei: Hans-Werner Meyer. © Studio Hamburg Produktion / Gordon Mühle
1), aber eben auch als Hauptdarsteller im durch und durch ernsthaften Alpendrama 'Lawine' (BR). Und drei weitere stark besetzte Filme, mit Luca an erster Cast-Stelle, sind bereits abgedreht: 'Salz in der Suppe' (ARD), 'Der Hochzeitswalzer' (ARD) und 'Vier Tage Toskana' (ZDF) werden dafür sorgen, dass der smarte Schauspieler auch 2008 im Gespräch bleibt. 'Kann sein, dass das ein bisschen komisch wirkt, aber ich streue meine Rollen ganz bewusst so breit. Ich liebe diese Vielfalt, sie ist die größte Herausforderung für einen Schauspieler, sie macht für mich diesen Beruf aus. Ich liebe zum Beispiel auch die Komödie.
'Je weniger ich anhabe, umso leichter fällt mir etwas': Cheyenne Lacroix legt gerne ab. © DSF
Am Theater habe ich das schon gemacht, aber noch nicht im Kino. Da hätte ich jetzt zum Beispiel große Lust drauf', sagte Luca im Sommer. Und er ließ Taten folgen: Gerade ist er in Til Schweigers 'KeinOhrhasen' zu sehen.
26. Mirjam Weichselbraun (26): 'Von Starallüren keine Spur', hatte ein Kollege anlässlich ihrer Moderation von 'Love Is Blind' bei MTV im vergangenen Jahr über Mirjam Weichselbraun gesagt. Und man darf bestätigen: Der Mann hat Recht. Man hat selten jemanden gesehen, der so spontan und natürlich ist im Gespräch - und dabei auch noch so hübsch.
Maria Furtwängler prägte 'Die Flucht', den erfolgreichsten Fernsehfilm des Jarhes 2007. © teleschau
Die Jung-Karriere der Mirjam Weichselbraun aus Tirol funktionierte im Raketentempo: Nach 'Tirol TV' (2000) ging's Anfang 2002 zu Viva plus, wo sie die Livesendung 'Cologne Day' und die Charts moderierte. Im selben Jahr kam MTV, zusätzlich die Online-Redaktion von 'Wetten, dass ..?'. Schließlich die ORF-Sendung 'Expedition Österreich' und der 'Eurovision Song Contest'. Die 'Dancing Stars' brachten Rekordquoten im Nachbarland, und auch die RTL-Show 'Dancing On Ice' lief nicht schlecht. Erste Erfahrungen als Schauspielerin machte sie in der 'ProSieben Märchenstunde' als Frau Holle und in der ORF-Produktion 'Mutig in die neuen Zeiten'.
Maren Eggert lotet schauspielerisch die feinen Grenzen zwischen Normalität und Wahnsinn aus - im grandiosen Fernseh-Drama 'Die Frau am Ende der Straße' © NDR / Christine Schroeder
Doch die Titelrolle der 'Rosenkönigin' im Herbst 2007 war nun ihr eigentliches Film-Debüt. Keine leichte Sache, wenn man bedenkt, dass sie da (an der Seite von Altstar Maximilian Schell) eine ziemlich leidenschaftliche Parfüm-Entwicklerin zu spielen hatte, einen weiblichen Grenouille, fast wie ihn einst Patrick Süskind erschuf. Wunderhübsch, talentiert und keine Allüren: Da ist 2007 ein Stern so richtig aufgegangen. Definitiv.
25. Peter Zwegat (57): Fernsehen in der Krise? Ach was, denkt sich RTL, man muss sich seine Zielgruppen nur erschließen. Etwa fünf Millionen Menschen sind in Deutschland von der Überschuldung betroffen.
Stets gut drauf: Thomas Hackenberg, Chauffeur im 'Quiz Taxi' bei kabel eins. © kabel eins
Das bedeutet, dass rund drei Millionen Haushalte ihren finanziellen Verpflichtungen aus eigener Kraft nicht mehr nachkommen können, faktisch bankrott sind - und: dass eine Menge Menschen an einer Sendung interessiert sein dürften, die Auswege aus der Misere aufzeigt. Das ist seit März 2007 der Zuständigkeitsbereich von Schuldnerberater Peter Zwegat, dessen Dokusoap 'Raus aus den Schulden' zur zweiten großen Reality-Überraschung neben 'Bauer sucht Frau' bei RTL avancierte.
Hinnerk Schönemann (hier als Dorfpolizist im ZDF-Thriller 'Mörderische Erpressung') 2007 das, was Maximilian Brückner 2006 war: Der Gewinner des Fernsehjahres. © ZDF / Manju Sawhney
Der gar für den Deutschen Fernsehpreis nominierte TV-Coach holte auch im Herbst mit der zweiten Staffel tolle Quoten, die - auf 'Super Nanny'-Niveau - an die Fünf-Millionen-Marke heranreichten. Und da Deutschlands Privathaushalte trotz alledem noch immer nicht schuldenfrei sind, dürfte einer Fortsetzung nichts im Wege stehen.
24. Pasquale Aleardi (36): 'Ich staune auch gerade!' Pasquale Aleardi lachte im Sommer, als er zu rekapitulieren versuchte, für wie viele Filme er in den letzten Monaten teilweise gleichzeitig vor der Kamera stand. 'Zurzeit geht echt die Post ab'.
Sie mag die großen, schweren Tiere: Erst ermittelte Katharina Abt bei 'Der Elefant', nun ist sie die neue Kollegin vom 'Bullen von Tölz'. © Sat.1
Die internationale Produktion 'Fast Track' (ProSieben) drehte der Wahl-Berliner, der fünf Sprachen beherrscht, parallel zum Sat.1-Film 'Vermisst - Liebe kann tödlich sein'. War er nachts mit der Arbeit in Berlin fertig, stieg er ins Flugzeug nach Griechenland, um dort frühmorgens an der Seite von Bettina Zimmermann gleich weiterzufilmen. 'Ach ja', erinnert er sich, 'und der 'Polizeiruf' fiel auch noch in die Zeit'. 'Gaga' ist das Wort, das einem beim Thema Terminkalender immer wieder fällt. Aber was für andere Stress bedeuten würde, ist für den 36-jährigen Schauspieler, der 2007 auch in den Sat.
Polysenf: Seit Mitte September gibt's 'Polylux' mit Katrin Bauerfeind. © RBB / Jenny Sieboldt
1-Movies 'Erdbeereis mit Liebe' und 'Manatu - Nur die Wahrheit rettet Dich' die Hauptrolle spielte, einfach nur ein großer Spaß. Klar, für einen 'rastlosen Menschen', und als solchen sieht sich der attraktive Südländer mit dem klangvollen Namen, sind das geradezu paradiesische Zustände. 'Ich bin ein echter Euro', sagt Pasquale Aleardi, der in der Schweiz aufgewachsene Sohn einer griechischen Mutter und eines italienischen Vaters.
'Gestatten, Pelzig mein Name!' Der erste Eindruck täuscht manchmal: Erwin Pelzig (Frank-Markus Barwasser) ist ein Philosoph. © BR / Foto Sessner
23. Thomas Hackenberg (45): 55.000 gefahrene Kilometer, rund 1.500 überraschte Kandidaten, über 20 bereiste Städte, mehr als 500 Folgen und Quoten von bis zu knapp zehn Prozent in der jungen Zielgruppe, die der verdutzten Konkurrenz zumindest zeitweise das Fürchten lehren: Mit seinem unermüdlich durch die Metropolen düsenden 'Quiz Taxi' hat Thomas Hackenberg Andy Zenker aus der 'Lindenstraße' als Deutschlands populärsten Taxi-Fahrer längst abgelöst. Die genial einfache (wie viele Formate freilich aus Großbritannien adaptierte) kabel-eins-Quizsendung hat den ausgebildeten Radiojournalisten und ehemaligen Star aus 'Wie bitte?
Für Stephan Kampwirth war 'Die Todesautomatik' ein unheimlich wichtiger Film - denn er ist ein Film 'gegen das Vergessen'. © Contract
!' (RTL) wieder ins Rampenlicht gerückt. Nicht etwa, weil die Sendung besonders erheblich wäre, sondern allein, weil man einfach gerne mit Hackenberg, guter Kumpel von Markus Maria Profitlich, mitfährt. Prägnant, sympathisch, authentisch.
22. Maren Eggert (33): Im Kieler 'Tatort' spielt sie die Polizeipsychologin Frieda Jung und steht an der Seite von Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg). Aber sonst? Maren Eggert fällt wirklich nicht durch Omnipräsenz auf - dafür umso mehr durch ihren Auftritt in einem der anspruchsvollsten, bewegendsten Fernsehfilme des Jahres.
Weiblicher Hoffnungsträger der 'Tagesthemen' neben dem neuen 'Alten' Tom Buhrow: Caren Miosga. © NDR / Thorsten Jander
Für 'Die Frau am Ende der Straße' (ARD) wechselte die groß gewachsene Brünette die Seiten und spielte eine psychisch labile Mutter und Ehefrau in einer Hamburger Vorstadtsiedlung. Das grandiose Drama, das bei mehreren Filmfesten lief und in München als bester Fernsehfilm ausgezeichnet wurde, war fraglos ein qualitativer Höhepunkt des ARD-Programms. Nicht nur, aber auch dank einer großartigen Maren Eggert. Und das Ensemblemitglied am Hamburger Thalia-Theater will glücklicherweise mehr davon: 'Ich habe meine Verpflichtungen am Theater reduziert, um mehr Zeit zu haben fürs Filmen.
Das war mal so richtig Hammer: Anke Engelke (links) und Bastian Pastewka alias Anneliese und Wolfgang präsentierten in 'Fröhliche Weihnachten!' ein großes Volksfest der Comedy ... © Sat.1 / Ralf Jürgens
Ich habe da große Lust drauf, vorausgesetzt natürlich, dass die Rollen interessant sind.' Wir sind sehr gespannt.
21. Anne Weinknecht (30): Und gleich die nächste junge Schauspielerin, die bis dato kaum jemand auf der Rechnung hatte, die aber nun durch einen einzigen, aber in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Auftritt so viel Lust auf mehr machte. 'Gisela' (ARD) war nur ein kleiner Film, aber Anne Weinknecht spielte die Hauptrolle (eine sexuell unbefriedigte Supermarktkassiererin im Plattenbaumilieu - und trotzdem eine starke Frau, die den Kopf oben hält) mit fast beängstigender Leidenschaft und Intensität.
Zweifellos ein Aufsteiger der Film- und Fernsehsaison 2007: der blonde Bayer Sebastian Bezzel. © RTL
Ein hartes Stück Realismus mit krassen (Nackt-)Szenen. 'Es war auch für mich schwierig, da hinzuschauen, als ich den Film das erste Mal sah.' Aber, so findet die in Berlin lebende Theaterschauspielerin: 'Man muss dem Publikum auch mal was zumuten können.' Damit liegt sie hundertprozentig richtig. Wünschen wir den Sendern also den Mut, öfters derartige Stücke ins Programm zu hieven und der hochtalentierten Anne Weinknecht viele schöne Folgeaufträge - und mehr Präsenz als demnächst im eher seichten Drama 'Zwei Ärzte sind einer zu viel' (Mittwoch, 30.01., 20.15 Uhr, ZDF).
Moderatorin Inka Bause spielte wieder Amor und lielferte manch einem Bauern die Bäuerin in spe frei Hof. © RTL
20. Katharina Abt (40): 'Ganz viele Leute wollen auf einmal ganz viel von mir wissen', wunderte sich die erfahrene Schauspielerin Anfang des Jahres. Dabei war das Interesse wirklich alles andere als ein Wunder. Katharina Abt trat im 'Bullen von Tölz' an der Seite von Ottfried Fischer die Nachfolge von Katerina Jacob an. Die in der ersten Jahreshälfte ausgestrahlten neuen Folgen zeigten Katharina Abt (als neue Kommissarin Nadine Richter, eine 'Zug'roaste' aus den neuen Ländern) in sportiver Höchstform, auch das Publikum goutierte die neue Note im Traditionsformat. So wird es denn auch 2008 weitergehen mit dem 'Bullen von Tölz', wie Sat.1 auf Nachfrage versicherte.
Oliver Pocher reißt jetzt im Ersten seine Zoten. © ARD / Marco Grob
Vier Folgen wurden bis Jahresende abgedreht, sie werden im Frühjahr gezeigt, vier weitere (wieder mit Ruth Drexel, Ottfried Fischer und Katharina Abt) sind in Vorbereitung. 'Das Tolle ist', so die Neue beim 'Bullen': 'Otti ist genau so, wie er nach außen wirkt. Er ist ein sehr feiner Kollege, der sehr, sehr freundlich zum ganzen Team ist - absolut uneitel. Mit ihm kann man beim Drehen unheimlich viel lachen.' Glaubt man aufs Wort.
19. Frank-Markus Barwasser (47): Den Namen kennt natürlich erst einmal: keine Sau. Klar.
Fünf Kilo mehr, Vollbart, bescheuerte Brille: Für seine Rolle in der neuen ARD-Krimireihe 'Mord mit Aussicht' (montags ab 07.01., 20.15 Uhr) veränderte Bjarne Mädel sein Äußeres bis zur Schmerzgrenze. © ARD / Frank Dicks
Aber jeder kennt den von ihm verkörperten Kult-Franken Erwin Pelzig, denn der treibt nicht mehr nur im Bayerischen Fernsehen sein Unwesen, sondern er darf jetzt auch im gesamtdeutschen Ersten ran. In 'Aufgemerkt! Pelzig unterhält sich' - mit zielsicheren Bissen in die Wade der Gesellschaft ('Für die meisten alten Leute ist eine Beauty-Creme doch nur so etwas wie Seidenmalerei auf einem Kartoffelsack!') giftet sich der Würzburger Dackel so allmählich ins Herz aller deutschen Kabarettfans. Und sogar vor dem Kino macht Pelzig, pardon: Barwasser nicht halt. 'Vorne ist verdammt weit weg' heißt sein Film, der eben erst in die Lichtspielhäuser kam. Ja, ja.
Silke Bodenbender spielte in Dieter Wedels 'Papa und Mama' eine Mutter zweier Kinder, die sich in einem plötzlichen Entschluss von ihrem Ehemann trennt. Seither füllt sich der Terminkalender der jungen, sportlichen Blondine immer schneller. © ZDF / Reiner Bajo
Den Franken kann man vieles nachsagen, aber nicht, dass sie faul sind - und auch nicht, dass sie lange um den heißen Brei herumreden. Pelzig sagt frei raus, was Sache ist: 'In diesem Wissensjahrhundert kann es durchaus sein, dass uns Deutschen der Rohstoff Geist ausgeht!' Er hat ja so was von Recht. Aber auf die Franken, leider, leider, hört ja immer keiner.
18. Katrin Bauerfeind (25): 'Ich wette, dass Sie innerhalb von einem Jahr steil nach oben gehen', prophezeite Harald Schmidt, als Katrin Bauerfeind im März 2007 bei ihm zu Gast war. Schmidt sagte 'Sie'.
Bleibt dem ZDF erhalten, und das ist gut so: Claus Kleber. © ZDF / Stefan Menne
Durchaus bemerkenswert, denn: 'Die Leute haben Schwierigkeiten damit, mich zu siezen - warum auch immer', lacht Katrin Bauerfeind. 'Selbst mein Professor an der FH sagte irgendwann zu mir: 'Sie sind einfach die Katrin - ich kann Sie nicht mehr Frau Bauerfeind nennen.' Vielleicht liegt das auch daran, dass 'die Katrin' als Gesicht des Internetfernsehen 'Ehrensenf' bekannt wurde, dem sie selbst eine erstaunliche Nähe zum Zuschauer zuschreibt. 'Das Publikum mit einbeziehen zu können, empfand ich als großen Vorteil.
Ersetzte Sabine Christiansen am Sonntagabend praktisch nahtlos: Anne Will. © ARD / Jim Rakete
' Trotzdem geht sie auf Distanz: Ende Juni blendete sich die erst 25-Jährige aus dem Web aus und tauchte auf hohem Niveau im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wieder auf: als Schwangerschaftsvertretung der coolen bis kühlen Tita von Hardenberg bei 'Polylux' (ARD). Und es gibt sie doch, die brillanten Nachwuchsleute, die dem leidgeplagten Fernsehzuschauer Hoffnung auf wenigstens allmähliche Besserung machen! Und nett ist sie auch noch.
17. Stephan Kampwirth (40): 'Die Todesautomatik' (ZDF) zählte zu den besten von einer langen Reihe an Fernsehfilmen, die sich 2007 mit der DDR-Vergangenheit auseinandersetzen.
Nach sechs Jahren WDR-Fernsehen schaffte Frank Plasbergs 'Hart aber fair' den Aufstieg ins Erste. © WDR / Bettina Fürst-Fastré
Stephan Kampwirth spielte in dem Drama, dem eine wahre Geschichte zugrunde liegt, Lutz, der in der DDR als Jugendlicher gemeinsam mit seinem besten Freund zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt und nach 13 Jahren Gefängnis von der Bundesrepublik freigekauft wird. Im Westen angekommen, lässt er sich von seinem von Misel Maticevic gespielten Freund dazu verleiten, als Fluchthelfer tätig zu werden.
Das Schicksal der Jutta Gallus, im Film Sara Bender (Veronica Ferres), bewegte Deutschland: Allein den zweiten Teil des historischen Fernsehfilms 'Die Frau vom Checkpoint Charlie' sahen 9,12 Millionen Zuschauer. © MDR / UFA / Stefan Falke
Der Vater eines neunjährigen Sohnes brillierte 2007 auch in einigen anderen Rollen (unter anderem mit Silke Bodenbender in 'Der Tote am Strand', ZDF), doch 'Die Todesautomatik' lag ihm besonders am Herzen: 'Mein Sohn gehört zur Generation, die die DDR und den Kalten Krieg nicht mehr miterlebt hat. Die Gefahr ist groß, dass diese Ereignisse schnell in Vergessenheit geraten. Deshalb finde ich so einen Film so unheimlich wichtig.' Also, gegen das Vergessen bitte mehr davon!
16. Jacob Matschenz (23): Wenn ein Schauspieler mit Anfang 20 schon Filmauftritte und Auszeichnungen angehäuft hat, wie andere mit 40 nicht und selbst von Regie-Größen wie Sabine Derflinger oder Urs Egger mit anspruchsvollen Hauptrollen bedacht wird, dann wird es allerhöchste Zeit, einmal ganz genau hinzusehen. Jungstar Jacob Matschenz hat sich bislang mit Interviews und öffentlicher Präsenz auffällig zurückgehalten. Promi-Faktor: gleich Null. Nein, da stecke keine große Strategie dahinter, lächelt er etwas schüchtern. 'Es ist nur, ich kann das echt nicht so gut', sagt der Berliner mit sympathischer Bescheidenheit. Im Herbst musste er dann doch ran. Denn in Eggers preisverdächtigem NVA-Grenzer-Drama 'An die Grenze' (ZDF) hatte Matschenz eine Rolle von Tragweite. Er spielte einen Rekruten, der sich auf eigenen Wunsch an die Zonengrenze versetzen lässt, wo er nicht nur Kasernen-Drill und Schießbefehl-Horror ausgesetzt ist, sondern auch seine erste große Liebe (gespielt von der ebenso famosen Bernadette Heerwagen) findet. Die Wende erlebte der gebürtige Ostberliner im Kindesalter: 'Ich erinnere mich vor allem an die Farben. Ich weiß noch, dass bei uns in der DDR alles ganz grau gewesen ist, eine irgendwie auch farblich limitierte Welt. Und auf einmal konnten wir auf den Kudamm und ins KDW, wo alles komplett anders war, grell und bunt. Was mir spontan einfällt: Honigmelonen. Und fein säuberlich aufgereihte Hochglanz-Tetra-Packs. Die totale Reizüberflutung. So ähnlich muss sich wohl ein LSD-Trip anfühlen.'
15. Caren Miosga (38): Sie ist das beste Beispiel dafür, dass sich Mutterschaft und Karriere nicht ausschließen müssen. Im Gegenteil: Seit Caren Miosga Anfang 2006 Mutter einer Tochter wurde, geht es für die NDR-Journalistin stetig bergauf. Im Frühjahr 2006 präsentierte ihr Haussender sie als Moderatorin des runderneuerten Kulturmagazins 'Titel, Thesen, Temperamente'. Als der Wechsel Anne Wills zum staatstragenden Polit-Talk fest stand, folgte die für viele überraschende Berufung Miosgas zur 'Anchorwoman' der 'Tagesthemen'. Im Juli moderierte Caren Miosga unter den Augen von schätzungsweise zweieinhalb Millionen Zuschauern ihre Debütsendung - und reüssierte. Moderator Tom Buhrow freute sich besonders auf die neue Kollegin, machte es bei der Vorstellung des neuen Teams in einem Hamburger Nobelhotel den Eindruck. 'Als die Entscheidung offiziell war, haben wir uns sofort angerufen', outet sich Buhrow als Miosga-Fan. 'Caren kam rüber, und wir tranken Kaffee. Von der ersten Sekunde an waren wir ein Team und hatten das Gefühl: Es wird richtig gut. Man kann sagen, ich bin fast euphorisch.' Inzwischen ist freilich Ernüchterung eingekehrt. Die Marktanteile der 'Tagesthemen', die am 2. Januar 30-jähriges Bestehen feiern, sinken. Bei der ARD will man - zumal zum Jubiläum - von Krisenstimmung nichts wissen. Schließlich, so heißt es, sei die Resonanz auf Nachrichtensendungen im allgemeinen Trend rückläufig. Der zweifache Moderatorenwechsel (Tom Buhrow kam schon 2006 für Ulrich Wickert) habe mit dem Quotentief nichts zu tun.
14. Bastian Pastewka (35) und Ange Engelke (42): Zwei alte Bekannte der Comedy-Szene unter den 'Aufsteigern des Jahres'? Nun, beide Stars machten auch 2007 in diversen Formaten von sich reden: Anke Engelke (sie wurde 2007 mit dem Deutschen Comedypreis in der Kategorie Beste Schauspielerin geehrt) spielte bei 'Kommissarin Lucas' die erste Krimirolle ihres Lebens, Bastian Pastewka feierte eine neue Runde seiner viel gerühmten Sat.1-Eigenparodie 'Pastewka'. Aber da war noch was, und das war nicht weniger als die beste Jahresrückblickshow 2007: Wer am 19. Dezember Zeuge von 'Fröhliche Weihnachten!', einem umwerfenden Persiflage-Feuerwerk mit Anke Engelke und Bastian Pastewka war, wird wohl noch immer Bauchweh vom ganzen Lachen haben. Der Begriff Wandlungsfähigkeit wurde dabei völlig neu definiert. Die beiden waren einfach alles: Shakira & Ottfried Fischer, Nina Hagen & Howard Carpendale, Maria & und Josef - von Nazareth, wohlgemerkt. Wenn die Lachkrämpfe denn einmal überwunden sind, gibt's zu dieser unglaublichen, großartigen, sensationellen vorweihnachtlichen Alles-und-jeden-Verarsche nur noch eines zu sagen: Danke, Anke - und Bastian!
13. Sebastian Bezzel (36): Wenn ein Aufsteiger des Fernsehjahres 2007 gesucht wird, kommt man am sympathischen Sebastian Bezzel einfach nicht vorbei. Vor Jahresfrist kannten ihn vor allem die Fans des Bodensee-'Tatorts', in dem der blonde Bayer in seiner immer stärker interpretierten Rolle den schnöseligen Assistenten von Klara Blum (Eva Mattes) gibt. Dann jedoch kam der Kinoerfolg 'Schwere Jungs' und zuletzt, ebenfalls auf der großen Leinwand, die Männer-Komödie 'Stellungswechsel'. Einen weiteren Kinofilm unter der Regie von Joseph Vilsmaier hat Sebastian Bezzel gerade abgedreht. Keine Frage, der Mann aus Garmisch-Partenkrichen, der auch in der bayerischen Kultserie 'München 7' (nur im Dritten) das Blut der Damen in Wallung bringt, ist begehrt - und das liegt nicht nur an seinem smarten Äußeren. Der 36-Jährige überzeugt in Komödien, versteht sich aber auch aufs differenzierte Spiel im dramatischen Fach. Um schwere Emotionen wie Schuld und Sühne geht es auch in dem 'geranienfreien Heimatfilm' mit dem Titel 'Die Versöhnung', den die ARD am Donnerstag, 24.01., 20.15 Uhr, zeigt. Unbedingt auch ansehen: Bezzels neuen 'Tatort: Der Kormorankrieg' (Sonntag, 06.01, 20.15 Uhr) - Insider-Info für alle weiblichen Fans: Da zieht er sich ein bisschen aus ...
12. Inka Bause (39): Im überkalkulierten Fernsehprogramm von heute gibt es sie nicht mehr oft, die ganz großen Überraschungen. Eine Sensation aber haben wir dann auch 2007 ausgemacht. Oder hätte jemand damit gerechnet, dass 'Bauer sucht Frau', zumal bei RTL schon in der zweiten Staffel, dermaßen durch die Decke gehen wird. Die nackten Zahlen: Durchschnittlich 8,45 Millionen Zuschauer ab drei Jahren (26,9 Prozent Marktanteil) verfolgten im Dezember die letzte Folge der TV-Romanze. Durchschnittlich sahen 7,54 Millionen Zuschauer die neun Folgen. Bei den jungen Zuschauern (14- bis 49 Jahre) betrug der Marktanteil 25 Prozent. Echte Typen, echte Geschichten und manchmal sogar echte Liebe ... - Sieht so also das Erfolgsrezept im Fernsehjahr 2007 aus? Oder lag's gar an Inka Bause? Der Sängerin und Moderatorin hat der Erfolg von 'Bauer sucht Frau' nicht nur einen Auftritt bei 'Wetten, dass ..?' beschert, sondern auch den Aufstieg in die Riege Deutschlands beliebtester Fernsehfrauen. Glückwunsch! Und jetzt: Bitte mehr von der netten Lady!
11. Oliver Pocher (29): 'Meine sichersten Verhütungsmethoden sind 'Meine Hochzeit', 'Meine Geburt' und dann zum krönenden Abschluss noch 'Die Super-Nanny'. Wenn Sie das gesehen haben, wollen Sie gar keine Kinder mehr.' - Es gibt im Moment nur einen, der das deutsche Publikum mit Sprüchen dieser Preisklasse befeuert. Oliver Pocher - im WM-Jahr 2006 auf Platz 23 in diesem Ranking geführt - hat geschafft, was ihm die Wenigsten zutrauten: Der einstige ProSieben-Zampano sprang ins öffentlich-rechtliche Haifischbecken, ohne seine notorische Frechheit bei Raab, Elton & Co. zurückzulassen. Heißt: 'Schmidt & Pocher' ist besser als Schmidt allein. Und, mal Hand aufs Herz, wer hätte das gedacht?
10. Bjarne Mädel (39): Dass er auf der Straße erkannt wird und somit die kostbare Privatsphäre flöten geht, darüber muss sich Bjarne Mädel kaum Gedanken machen - trotz stetig zunehmender TV-Präsenz. Das Paradox lässt sich leicht erklären: Der Komödienspezialist sieht in seinen Rollen einfach derart überzeugend bekloppt aus, dass man den unauffällig-sympathischen Norddeutschen privat kaum wiedererkennt. Als Büroschleimer 'Ernie' Heisterkamp des 'Stromberg'-Ensembles wurde Theaterschauspieler Bjarne Mädel bekannt. 2007 hat er auch prominenten TV-Filmen eine tragikomische Prägung verliehen (unter anderem 'Partnertausch', ZDF, 'Die Könige der Nutzholzgewinnung, ARTE). Jetzt gibt er mindestens ebenso brillant einen Dorfpolizisten im neuen, überraschend witzigen ARD-Montagskrimi 'Mord mit Aussicht' (ab 07.01., 20.15 Uhr, sechs Folgen). Sein Stern ist aufgegangen, keine Frage. Soll nur keiner mehr so einfach sagen: 'Na, der Ernie halt' ...
9. Silke Bodenbender (31): Wo Silke Bodenbender 2006 war, war Grimme. Sowohl die zynische Gesellschaftskomödie 'Silberhochzeit' als auch Dieter Wedels Zweiteiler 'Papa und Mama' waren für den Fernsehpreis nominiert. Wenn 2006 das Durchbruchsjahr war, dann war 2007 Erntezeit: Die wandlungsfähige Theater- und Filmschauspielerin wirkte in einigen der prominentesten Produktionen des Jahres mit. Von Action ('Das Inferno - Flammen über Berlin', ProSieben), über Abenteuer ('Die Schatzinsel', ProSieben) bis zum tiefgängigen Psychospiel ('Der Tote am Strand', ZDF) und großem Drama ('Erlkönig', 'Eine folgenschwere Affäre', ZDF): Die natürliche Schönheit, engagiert am Nationaltheater Mannheim, scheint irgendwie alles zu können. Und für ein mindestens genauso großes Jahr 2008 sind die Weichen auch schon gestellt. Die mit viel Vorschusslorbeeren bedachte BR-Produktion 'Mitte 30' (Regie: Stefan Krohmer) wird am Mittwoch, 13. Februar, 20.15 Uhr, im Ersten ausgestrahlt. Und dann kommt noch der RTL-Thriller 'Umbra Mortis', ein Zweiteiler, den die Bonnerin unter der Regie von Urs Egger mit Tobias Moretti und Christoph Waltz 2007 in Wien abdrehte ... Viel Arbeit, aber so soll es sein: 'Wenn ich mit dem Theater pausieren würde, bekäme ich zu viel Angst vor den Auftritten. Umgekehrt würde ich bei zu wenig Arbeit mit der Kamera die Routine verlieren und wahrscheinlich ständig gegen Stative, Lampen und Kollegen laufen. Ich muss hier wie dort im Training bleiben, um voranzukommen, wenigstens in kleinen Schritten.'
8. Hans-Werner Meyer (43): Er war 2007 einfach überall dabei, wo es relevant wurde: Im aufwendigsten Thriller-Mehrteiler des Jahres ('Im Zeichen des Drachen', ZDF), im RTL-Monument zur Grenzöffnung ('Prager Botschaft'), in einem der authentischsten Dramen seit langer Zeit ('Die andere Hälfte des Glücks', ARD) und im meist diskutierten Problemstofffilm ('Contergan'). Hans-Werner Meyer spielte alle Rollen, vom diabolischen Mafioso, über den besorgten Familienvater und hohen Botschafts-Beamten bis hin zum smarten Anwalt überaus überzeugend. Das Sympathische: Es ist durchaus Hans-Werner Meyers Bestreben, hinter seinen Figuren als Person zurückzutreten. Meyer, der seit 2006 ehrenamtlich als Vorstands-Mitglied beim Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS), der Gewerkschaft für Schauspieler, tätig ist, zitiert auf seiner Homepage Charlie Chaplin mit dem Satz 'Kunst ist ein Überfluss an Lebensenergie'. Über seine Stärken, sagt der bescheidene Star, der 2006 Vater eines Sohnes wurde: 'Wenn ich mir etwas vornehme, dann führe ich das auch durch. Das ist mir irgendwie gegeben, Durchsetzungsvermögen. Die damit einhergehende Schwäche ist vielleicht eine gewisse Engstirnigkeit. Wenn ich auf ein Ziel fixiert bin, kann es passieren, dass ich darüber hinaus nichts mehr sehe.' 2008 geht's in einer neuen, prägnanten Hauptrolle dann wieder um den Mauerfall: Hans-Werner Meyer und Anja Kling werden (voraussichtlich im Herbst) bei Sat.1 als ein durch die Mauer voneinander getrenntes Paar zu sehen sein. Arbeitstitel des Event-Zweiteilers: 'Der Untergang der DDR'. Wieder so richtig relevant also.
7. Claus Kleber (52): Wenn es einen Ehrenpreis für Loyalität zum Medium Fernsehen gäbe, dann müsste er 2007 definitiv an Claus Kleber überreicht werden. Der Leiter und Moderator des 'heute-journals' im ZDF flirtete zwar heftig mit dem 'Spiegel' und wurde im Dezember schon als sicherer Nachfolger von Chefredakteur Stefan Aust gehandelt, sagte dann jedoch ab. Zugetraut, so erklärte Kleber, hätte er sich den Posten beim Nachrichtenmagazin schon. Aber sein Medium sei nun einmal das Fernsehen. Die gute Nachricht für den Zuschauer ist nun schlicht und einfach die, dass ihnen einer der smartesten und glaubwürdigsten Fernsehjournalisten erhalten bleibt. Kleber prägt beim ZDF weiterhin das 'heute-journal' und wird nebenbei tolle USA-Reportagen liefern wie zuletzt im Dezember 'Amerikas andere Seite - Was Kalifornien besser macht'. Einfach ein guter Fernsehjournalist - und ein attraktiver, sagen die Damen der Redaktion.
6. Anne Will (41): Was war das für ein Rauschen im Blätterwald, als bekannt wurde, dass Anne Will die Nachfolge von Sabine Christiansen im Sonntagstalk der ARD antreten wird. Nicht Günther Jauch, der erst zu und dann absagte, auch nicht 'hart aber fair'-Instanz Frank Plasberg, sondern die 'Tagesthemen'-Moderatorin sollte es richten. Sie nahm all das ganz so, wie es ihr am besten steht: cool und locker. Leistungsdruck als Nachfolgerin von Sabine Christiansen schien für Anne Will kein Thema gewesen zu sein: 'Ich bin zuversichtlich, dass ich alle Erwartungen souverän unterlaufen werde. Die Latte liegt inzwischen so hoch, dass ich mit meinen 1,69 äußerst bequem drunter passe', scherzte sie vorab im 'Focus'. Nun ist sie drei Monate im Amt und das Fazit fällt ordentlich aus. Anne Will konnte die Sender-Vorgabe von 3,50 Millionen Zuschauern erreichen. Allerdings: Viel mehr war zuletzt nur selten drin. Oder anders: Die Hälfte der 'Tatort'-Zuschauer schaltet weg. Was soll's. Anne Will lächelt weiter sehr gescheit, und die meisten Kritiker sagen ohnehin: 'Trotzdem, gut gemacht'. Schon recht so. Es gab keinen Bruch, das Format blieb auf Niveau, und Anne Wills neue, charmante Note tat dem allseits bekannten Fragespiel mit den allseits bekannten Gesichtern (plus Experten) gewiss mehr als gut. Gesamturteil: zart aber fair! Und das mit der Quote wird schon noch werden.
5. Veronica Ferres (42): Nach dem fünften Rang vom Vorjahr ist Veronica Ferres auch diesmal ganz weit vorne zu finden. Weil sie wieder nicht nur durch eine unglaubliche Präsenz an allen möglichen Schauplätzen auffiel (Haben Sie Henry Maskes Revanche-Kampf bei RTL gesehen?), sondern eben auch durch einen glänzenden Auftritt in einem der besten Fernsehfilme des Jahres, der zugleich einer der erfolgreichsten war: Der zweite Teil von 'Die Frau vom Checkpoint Charlie' erreichte im Oktober - an einem Montagabend wohlgemerkt - 9,12 Millionen Zuschauer ab drei Jahren (29,8 Prozent Marktanteil). Das waren noch einmal 770.000 mehr als beim ersten Teil am Abend zuvor. Eine Garantin für gute Quoten? 'Das ist nicht mein Anspruch', erklärt die Ferres. 'Meine Maxime sind Qualität und gute Geschichten. Auch deshalb drehe ich Filme wie 'Stärker als der Tod' oder 'Vom Ende der Eiszeit'. Harte, kantige, schwierige Themen. Das sind Außenseiterfilme, an denen mir viel liegt. Für mich zählt nur: Kann ich beim Lesen des Drehbuchs eine besondere Fantasie für die Geschichte entwickeln, später eine besondere Kraft, um eine Rolle zu spielen. Mein künstlerisches Gewissen ist unbestechlich. Da ist es mir egal, ob der Film von zwei Menschen gesehen wird oder von Millionen.' Der nächste unausweichliche Quotenhit mit Veronica Ferres (und zahlreichen anderen Stars, unter anderem Heino Ferch): 'Das Wunder von Berlin' (Sonntag, 27.01, 20.15 Uhr, ZDF).
4. Iris Berben (57): Iris Berben war 2007 beides: Quotenqueen als Hauptdarstellerin in einem der erfolgreichsten Filme des Jahres - und, ebenfalls als Hauptdarstellerin, beteiligt an einem der unerwartetsten Flops des Jahres. Mit 8,7 Millionen, 8,5 Millionen und 9,2 Millionen Zuschauern konnte sich der ZDF-Dreiteiler 'Afrika, mon amour' Anfang des Jahres dreimal den Tagessieg sichern und erreichte einen durchschnittlichen Marktanteil von über 24 Prozent. Damit übertraf die Produktion sogar die Rekordquote des Berben-Dreiteilers des Vorjahres, 'Die Patriarchin'. Und wenig später dann dieser Schock, für den keine echte Erklärung gefunden wurde: Der Dreiteiler 'Der Tag wird kommen', den das ZDF zum zehnjährigen Jubiläum von Iris Berbens Krimireihe 'Rosa Roth' herstellen ließ, fand nicht die zu erwartende Resonanz - trotz umfangreicher PR-Maßnahmen, namhafter Besetzung, bester Sendezeit und überschaubarer Konkurrenz. Folge eins sahen 4,2 Millionen Menschen, die beiden anderen Filmen verfolgten sogar nur noch knapp über drei Millionen Zuschauer. Verheerend, gemessen am Aufwand. Iris Berben: 'Der Erfolg bleibt in der Fernsehlandschaft eine unberechenbare Größe. Was gut ist, denn deshalb werde ich immer mit größtem Respekt an diese Arbeit gehen.' Bewunders- und bemerkenswert, dass die Berben nicht nur auf die Nummer-sicher-Auftritte und fiktionalen Mainstream setzt: Am Montag, 7.01., 10.15 Uhr, ist sie mit Jürgen Vogel in dem fast kammerspielartigen ZDF-Drama 'Duell in der Nacht' zu sehen. Starke Frau.
3. Frank Plasberg (50): In guten Momenten, wenn, was bei Plasberg häufiger geschieht als in anderen Talkshows, gerade einmal nicht die Neigung zur Selbstdarstellung der geladenen Gäste obsiegt, gehört seine Sendung zum Besten, was das deutsche Fernsehen derzeit offeriert. Ist ja alles kein Zufall: Deutscher Fernsehpreis, Adolf-Grimme-Preis, Bayerischer Fernsehpreis - Frank Plasberg hat mit 'Hart aber fair' die wichtigen Trophäen der deutschen Flimmerkistenkultur abgeräumt. Und das mit einer Sendung, die sechseinhalb Jahre im Regionalfernsehen versteckt wurde. Nach dem Ende von 'Christiansen' legte Plasbergs Haussender WDR sein ganzes Gewicht in die Waagschale, um dem scharfzüngigen Talker den beliebten Sonntagsredeplatz zu sichern. Da man jedoch Anne Will den Vortritt ließ, wurde vereinbart, dass der 50-jährige Familienvater, der sich selbst 'Schriftführer im Anne-Will-Fanklub' nennt und Boulevard-Meldungen zufolge seine Frau für ARD-Kollegin Anne Gesthuysen ('Morgenmagazin') verließ, einen anderen ARD-Sendeplatz für sein formidables Talkformat erhält. Wöchentlich müssen sich fünf Gäste den berüchtigt knallharten Fragen zu einem aktuellen Thema stellen - seit Oktober immer mittwochs, 21.45 Uhr, im Ersten.
2. Maria Furtwängler (41): Der Rock. Dieses rattenscharfe Mini-Teil, das sie bei ihrem Auftritt im RTL-Jahresrückblick trug. Über ihn wurde diskutiert. Sonst eigentlich über nichts. Maria Furtwängler scheint außerhalb jeder Kritik zu stehen. Längst hat sie den 'Wir mögen sie, weil sie eine von uns ist'-Status von Veronica Ferres übernommen. Nicht, dass sich die Burda-Gattin auf weniger Empfängen oder Preisverleihungen als ihre Konkurrentin sehen lassen würde. Nur, sie redet anders, gibt in Interviews tatsächlich und glaubhaft die Frau aus dem Volk. Den Zweiteiler 'Die Flucht' sahen im Januar mehr als elf Millionen Zuschauer - erfolgreichster Fernsehfilm des Jahres. Den Deutschen Fernsehpreis gab's merkwürdigerweise für ihre Rolle der Kommissarin Lindholm im ARD-'Tatort', der verlässliche Quoten einfährt. Maria Furtwängler steht, keine Frage, an einem wichtigen Punkt ihrer Karriere. Nun entscheidet sich, ob der Zenit schon erreicht ist. Die Verführungen mögen groß sein, doch bislang wählt sie ihre Rolle mit großer Intelligenz. Denn: Nicht jede Figur ist eine Furtwängler-Figur. Das weiß sie. Nur: Die Actionrolle, von der sie schon so lange träumt, die sollte ihr schon jemand schenken. Verdient hätte sie das.
1. Hinnerk Schönemann (34): 'Interessant wird es, wenn die Typen einen Knacks haben. Ich steh auf kleine Macken. Und auf Brüche. Ich mag's auch gern ein bisschen schmutzig.' - Sagt ein junger Mann, der sich 2007 in den Vordergrund spielte wie kein zweiter Schauspieler. Das Besondere: Seine Auftritte waren sowohl quantitativ als auch qualitativ bemerkenswert. Schönemann hat ein Gespür für Typen, für markante Rollen, für Auftritte, die hängen bleiben - sei es (neben Christian Ulmen und seiner Lebensgefährtin Anneke Kim Sarnau) in der ProSieben-Serie 'Dr. Psycho', die nach viel Kritikerlob demnächst in die zweite Staffel geht, oder in inzwischen durchaus zahlreichen Spielfilmen. Höhepunkte des 'Hinnerk-Schönemann-Jahres' waren die Nach-Wende-Dramen 'Prager Botschaft' (RTL, wieder mit Anneke Kim Sarnau) und 'Ich wollte nicht töten' (ZDF, mit Jessica Schwarz) sowie der Thriller 'Mörderische Erpressung' (ZDF). Zu viel Rummel? Da muss der sportive Schauspieler herzhaft lachen: 'Ernsthaft: Ich hatte bislang nur ganz, ganz wenig Presse. Ich war schon fast neidisch, wenn die Kollegen immer von ihren Interviews berichteten. Offenbar war ich nie interessant genug. Höchste Zeit also, dass das jetzt auch ein bisschen losgeht. Also ich habe große Lust auf Rummel!' Na denn, viel Spaß noch.© 2007 teleschau - der mediendienst
"Christoph Waltz" (* 4. Oktober 1956 in Wien) ist ein österreichischer Schauspieler. ....
"François Goeske" (* 18. März 1989 in Saint-Doulchard, Sologne, Frankreich) ist ein deutsch-französischer Schauspieler und Musiker aus München. ....
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