Kino Kritiken
Film Kritik: Tödliche Versprechen
Leise Töne, archaische Gewalt
Von Leif Kramp 25. Dez 2007, 08:59

Hebamme Anna (Naomi Watts) kommt den Geheimnissen einer jungen verstorbenen Patientin auf die Spur. © Tobis Film
Ein neuer Geniestreich von David Cronenberg: Subtil und angenehm unaufgeregt portraitiert der kanadische Ausnahmeregisseur das Wirken der Russenmafia im modernen London.
London ist eine düstere Stadt. Aber nicht der Dieselruß der Linienbusse und alten Taxen ist für die verr(a)uchte Anmutung der britischen Hauptstadt verantwortlich. Es ist das Verbrechen. David Cronenberg, zeit seines Schaffens auf das Böse im Menschen abonniert, das in den seltensten Fällen offen zutage tritt, sondern vielmehr versteckt agiert, nimmt in seinem neuen, bereits preisgekrönten Film die Russenmafia ins Visier.

'Tödliche Versprechen' ist keine Anklage und auch keine Hommage, sondern vielmehr eine Parabel über die intelligenten Organisationsstrukturen des Verbrechens, die Fragen nach Moral und Gerechtigkeit in der Halbwelt stellt. Dabei kommt der Film ohne aufgeblähte Verschwörungstheorien und Verstrickungen von Gut und Böse aus, sondern zeigt im gewissen Sinne ganz banal, wie organisierte Kriminalität funktioniert.
Besonders angetan hat es Cronenberg die Tätowierungstradition in russischen Gefängnissen. Dort sind die Körperbilder Statussymbole und erzählen meist in Form christlicher Symbole die Lebenswege ihrer Träger.

So lassen sich Inhaftierungen, die Art der begangenen Verbrechen, aber auch Anerkennungen und Ehrungen seitens der Verbrechergemeinde förmlich ablesen, sofern sich der Tätowierte entkleidet und der Rezipient die eigenwillige Bildsprache beherrscht. Erzählt wird diese faszinierende Form der bildhaften und körperlichen Gedächtniskonstruktion anhand des Unsympathen Nikolai (Viggo Mortensen), eines Chauffeurs, der in der Hierarchie der Organisation von Semyon, dem Patriarchen einer russischen Auswandererfamilie in London, aufsteigen will.

Nikolais Plan wird gefährdet durch die hübsche und leidenschaftlich rechtschaffende Anna, die als Krankenschwester dem Tod einer jungen Frau beiwohnen musste, deren Kind sie zur Welt brachte. Sie wurde offenbar vergewaltigt und hat die an ihr begangenen Schandtaten in einem Tagebuch festgehalten - leider auf Russisch. So erfährt Anna erst spät vom Missbrauch der Frau, deren Vermächtnis es ist, Semyon und seine Verbrecherbande mit ihren Aufzeichnungen zu Fall zu bringen. Doch Anna, die sich vertrauensvoll an den väterlichen Semyon wandte, wird schon bald unter Druck gesetzt, indem ihr Leid angedroht wird, sollte sie das Tagebuch nicht aushändigen.
Nikolai, der scheinbar Gefallen an der verzweifelten Anna findet, ist in seiner Unnahbarkeit hin- und hergerissen zwischen seinen Karriereambitionen und der erforderlichen Loyalität zu Semyon und seinem wahnsinnigen Sohn Kirill auf der einen Seite und seinem offenbar doch vorhandenen humanistischen Sinn für Gerechtigkeit. So entwickelt sich Misstrauen auf allen Seiten, und es wird immer undurchsichtiger, wer welches Spiel treibt und welche Interessen wem zuzuordnen sind - bis ein verblüffend leises Finale Aufklärung bietet.
'Herr der Ringe'-Darsteller Viggo Mortensen hat schon im vorherigen Cronenberg-Film 'A History of Violence' einen an Ambivalenz kaum zu übertreffenden Protagonisten gespielt. Doch wird die Undurchschaubarkeit jener Rolle durch die Figur Nikolais weit übertroffen. Mortensen verkörpert im buchstäblichen Sinne den schneidig-chauvinistischen Emporkömmling, der keine Probleme damit hat, einer Leiche die Finger abzukneifen, damit eine Identifikation nicht möglich ist, aber gleichzeitig Gefühle zu entwickeln scheint, die ihn zu einem fluiden Charakter zwischen den Fronten machen.
In dem patenhaften Auftreten Armin Mueller-Stahls als Semyon und der irrwitzigen Verzweiflung von dessen missachteten Sohn Kirill (Vincent Cassell) sind Mortensens Darstellung zwei Pole entgegengesetzt, die noch mehr Verwirrung ob seiner tatsächlichen Pläne stiften. Wieso wirkt Nikolai so kontrolliert, obwohl er doch nur der Limousinenkutscher ist? Wieso engagiert er sich plötzlich so sehr, wenn auch verdeckt, für das Wohl der verstörten Anna?
Naomi Watts legt in ihre Rolle womöglich etwas zu viel Zerbrechlichkeit, doch verschafft das der Konzentration auf Nikolais Genese noch mehr Aufmerksamkeit. Wenn er im türkischen Dampfbad in voller Blöße gegen Messergewalt um sein Leben kämpfen muss, ist das eine der beeindruckendsten Szenen archaistischer Gewalt der Filmgeschichte. Ganz nach der amerikanischen Werbezeile des Films 'Every sin leaves a mark' wird der Zuschauer am Ende dem Rätseln überstellt. Denn obwohl schlussendlich sicher zu sein scheint, was die tatsächliche Funktion Nikolais ist, gibt es genügend Gründe zum Zweifeln. Die Frage nach Sündenfall und Ehre, Versuchung und Standfestigkeit muss unbeantwortet bleiben.
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Kommentiere diesen ArtikelExistenz - 15.02.2008 00:10 - ProSieben
15. Feb 2008, 00:10
Filme des kanadischen Regisseurs David Cronenberg sind in der Regel äußerst schwermütig, düster, anstrengend. Man denke nur an seinen aktuellen Kinothriller 'Tödliche Versprechen'. Ihm geht es darum, Szenarien zu entwerfen, sie mit einer verstörenden Ästhetik zu zelebrieren und den Zuschauer immer wieder vor Rätsel zu stellen. 'Existenz' aus dem Jahr 1998 ist, wenn man so will, eingängiger als viele andere Arbeiten Cronenbergs. ProSieben zeigt den Cyber-Thriller, von dem sich die 'Matrix'-Macher sichtlich inspirieren ließen, nun zum wiederholten Male am späten Abend. ... mehrTalentiert und attraktiv
13. Jan 2008, 08:56
Ob als undurchschaubare Schönheit in 'Mulholland Drive' (2001) oder als verzweifelte Mutter in '21 Gramm' (2003): Naomi Watts ist nicht nur eine der attraktivsten Hollywood-Stars, sondern auch eine überzeugende Charakterdarstellerin. Das zeigt ebenso ihr aktueller Film, das Thriller-Drama 'Tödliche Versprechen'. Wer mehr über die talentierte Blondine erfahren möchte, sollte sich die Fanpage www.naomi-watts.de anschauen. ... mehrDavid Cronenberg - Der Dramatiker
3. Jan 2008, 08:59
David Cronenberg ist erkältet: Seine Nase läuft, seine Stimme ist rau und wirkt gebrechlich. Ein seltenes Bild des Mannes, der mit seinen starr in die Höhe ragenden grauen Haaren schon als 'Baron des Blutes' bezeichnet wurde. Seine Filme 'Videodrome', 'Die Fliege' und 'Scanners' sind verstörende Klassiker der Filmgeschichte. Seine jüngsten Werke 'History of Violence' und 'eXistenZ' sind düster, schwermütig. Auch bei seinem neuen Film bleibt Cronenberg, der 64-jährige Kanadier, bei Bewährtem: Er schafft komplexe Portraits schwieriger, undurchschaubarer Charaktere, die an die Grenze des Erträglichen getrieben werden. In 'Tödliche Versprechen' (Start: 27.12.) schickt er Viggo Mortensen auf diese Reise. Im Interview erklärt Cronenberg, was es mit seinem Stil auf sich hat, wieso ihn Tätowierungen faszinieren und wieso die russische Mafia ihm nun etwas wohlgesonnener sein dürfte. ... mehrMehr über David Cronenberg
"David Cronenberg" (* 15. März 1943 in Toronto, Ontario) ist ein vielfach preisgekrönter kanadischer Filmregisseur. Als einer der wichtigsten Begründer einer Stilrichtung des Horrorfilms, die gelegentlich als Body horror ("Körperhorror") ....mehr Mehr Artikel ...Mehr über Naomi Watts
"Naomi Ellen Watts" (* 28. September 1968 in Shoreham, Kent, England) ist eine australische Schauspielerin und Produzentin. ....mehr Mehr Artikel ...Ihre Meinung!
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Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten, meiner Meinung nach jedenfalls ist das ein sehr sehenswerter Film, viele spannende Szenen wurden eingebaut und die Schauspielerin Naomi Watts spielt hervorragend. Auch das offene Ende lässt den Gedanken nochmal freien Lauf-
einziges Manko, hätte den Film eher ab FSK 18 eingestuft, da er teilweise schon recht brutal war.
Hab mir den Film gerade auf englisch original reingezogen. ich hab mir im gegensatz zu meinen vorrednern abgewöhnt mit der subtilen absicht ins kino zu gehen, 100 parallelen zu anderen filmen zu entdecken und krampfhaft die handlung vorrauszusehen.
geht einfach ins kino, als wärs euer erster film. so einfach ist das der film is grandios. wenn jemand mit der einstellung ins kino geht und hofft das rad würde neu erfunden, wird noch sehr oft enttäuscht werden....je älter er wird.
wie heisst so schön: Zufriedenheit ist der quotient aus engetroffenem durch erwartetem. Ergo, ich bin unendlich zufrieden mit dem film.
Viel lässt sich nicht hinzufügen. Präsentiert wurde eine nicht allzu originelle und vorhersehbare Mafia-Geschichte, die vor allen Dingen von den Blutsszenen zu leben schien, welche auch in allen Einzelheiten, besonders ausführlich und lange gezeigt wurden. Es schien zu Beginn als ob die Charaktere herausgearbeitet werden sollten und das Spiel zwischen ihnen, was jedoch leider nicht konsequent durchgeführt wurde, sondern eher in Andeutungen blieb. In diesem Punkt hätte der Film gut werden können ...
Über das Ende kann ich nichts sagen, da dies der erste Film ist, aus dem ich jemals frühzeitig herausgegangen bin!
Ich komme gerade aus dem Kino und muss sagen, dass ich den Film genauso grandios fand, wie in den Kritiken beschrieben. Im Allgemeinen bin ich kein Freund von blutigen Szenen und auch hier habe ich lieber weggesehen bei allzu martialischen Bildern. Trotzdem war ich angetan von der ruhigen, düsteren Atmosphäre ganz ohne Hektik, mit Charakteren, die trotz der unterkühlten Grundstimmung irgendwie einnehmend waren. Und wie in der obigen Kritik beschrieben, gefiel mir besonders das leise Ende, in dem eben nicht eindeutig die Rolle von Mortensen definiert wurde. Als wirklicher König, der die Rolle vollkommen übernommen hat? Oder doch nur als Undercoverpolizist, der die Rolle spielt? Und war er denn undercover für die britische Polizei oder doch für den Nachfolger des KGB? Hebt er denn jemals denn undercoverstatus auf? Habe darüber zumindest lange mit meinem Fruend diskutiert...
Ich kann mich nur an meine 'Vorredner' anschließen.
Wir waren so neugierig auf den Film (aufgrund der Kritiken)
und wurden unglaublich enttäuscht.
Es gibt wirklich nichts positives über diesen Film zu erzählen.
Selten so einen schlechten Film gesehen...
Ich kann mich den bisher geäußerten Meinungen der Zuschauer nur anschließen. Genau wie sie war ich überrascht solch gute Kritiken im Internet zu finden, obwohl der Film weit weniger einhielt als der Trailer versprach. Ganz besonders hat mich die rohe Gewalt des Films gestört, der ja nach Aussagen des Kinopersonals als FSK 16 gilt. Aufgeschnittene Kehlen, abgeschnittene Finger und Messer in den Augen sind wohl kaum für Jugendliche freizugeben. Wenn das die Zukunft des FSK ist, darf ich mir wohl demnächst nur noch Filme ab 12 anschauen. Das Kino habe ich nur nicht während des Films verlassen, weil ich noch optimistisch genug war wenigstens auf einen netten Ausgang der Geschichte zu hoffen. Aber auch in diesem Punkt wurde ich enttäuscht. Der Schluss dauerte keine 2 Minuten und beinhaltete einen völlig unpassendes Kuss und ein Happy End wie bei Rosamunde Pilcher. 'Und am Ende kommt der böse Onkel ins Gefängnis und das Baby wird von der Prinzessin adoptiert.'
Ich verstehe nicht, wieso dieser Film so gute Kritiken bekommt. Von der Gewalt mal abgesehen (Andeutungen hätten auch schon gereicht, muss man denn mittlerweile ALLES zeigen, um den Zuschauer noch zu berühren? Sind wir schon so abgestumft??)ist die Story einfach flach. An sich ein gutes Thema, dramaturgisch ohne jeden Höhepunkt umgesetzt. Wenn das der neue Erzählstil ist, na dann Prost. Unglaublich unrealistische Dialoge, eine schreckliche Synchronisation der russischen Sprache (ich habe kaum etwas verstanden und dabei bin ich gebürtige Russin) und der unpassendste Kuss den ich je in einem Film gesehen habe. Alles scheint mir an den Haaren herbeigezogen zu sein. Eine Verschwendung meines Geldes, ich will es zurück!!!
Nicht zu fassen, noch eine Internetkritik, die wohl einen anderen Film gesehen haben muss. Wie können sie von einem undurchschaubaren Charakter sprechen? Haben sie davor noch nie einen Film gesehen? Ich glaub es gibt wenig Filme auf der Welt, die durch ihre Vorhersehbarkeit so nerven wie dieser. Und wenn sie mir erzählen wollen, dass sie überrascht waren, als man 'erfahren' hat, dass Viggo ein Polizist ist, haben sie eventuell den falschen 'Beruf'?!
Es war eine reine Verschwendung von Zeit und Geld, deshalb möchte ich hier nicht noch mehr davon verschwenden.
Es ist einer der miesesten Filme seit sehr langem...
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angelika12. Jan 2008, 14:21
der film erschien mir ganz kurz. was für ihn spricht...bei den brutalen szenen hab ich die augen zugemacht. komischerweise wußte ich, wann ich sie wieder aufmachen konnte- dann war das lachen verebbt...streßbewältigung??fsk ab 18 wäre wohl besser, aber die kids kann wohl nichts mehr schocken?!ich war sehr gefangen genommen von der stimmung.
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