TV Star Portrait
Henning Baum - Ein Kerl wie ein Baum
Henning Baum spielt in 'Mord in aller Unschuld' (Mo., 21.01., 20.15 Uhr, ZDF)
Von Frank Rauscher 15. Jan 2008, 08:59

Fordert von den Krimimachern eine härtere und realistischere Gangart ein: Henning Baum (35) gibt gerne mal den zupackenden Cop. © Bernhard Schir
Henning Baum muss gar nicht laut werden, braucht keine Drohgebärden und noch nicht mal einen bemüht scharfen Blick, um als Kommissar Lauser im Krimi 'Mord in aller Unschuld' (Mo., 21.01., 20.15 Uhr, ZDF), dem neuen Film um die kecke Hobbydetektivin Franziska Luginsland (gespielt von Katja Flint), nachhaltige Wirkung zu erzielen. Er macht's, wie so oft in seinen Fernsehrollen, mit der puren Wucht seiner männlichen Ausstrahlung. 'Unterschlagen von Beweisen, illegale Beherbergung, Behinderung von Ermittlungsarbeiten ... - Frau Lüginsland!' Lauser raunt das nur in den Raum hinein, dennoch: Treffer, versenkt ...

Die Szene ist typisch für den stets so sympathisch kernig und etwas raubeinig wirkenden Schauspieler, der auch privat für klare Ansagen ist: Mit der Frage: 'Und, ehrlich, wie hat Ihnen der Film gefallen?'eröffnet er das Interview lieber gleich mal selbst.
Es ist ein ziemlich alberner Gedanke, aber so ein Gespräch mit Henning Baum verleitet einen fast dazu, ein journalistisches No-Go zu brechen und den Schauspieler auf seinen Namen anzusprechen. Denn Baum, so denkt man einige Male unweigerlich, das passt einfach perfekt zu dem bärenstarken dreifachen Familienvater mit der beeindruckend sonoren Stimme.

Der 35-Jährige, der zur Ertüchtigung schon mal 100 Kilo beim Bankdrücken stemmt ('15 Wiederholungen - keine große Sache'), strahlt jede Menge Bodenständigkeit und Beharrlichkeit aus, auch einen gewissen Trotz, und er macht nicht den Eindruck, dass ihn so leicht etwas umstoßen könnte. Schon gar nicht neigt er sich mit dem Wind. Er halte nicht besonders viel von Zeitgeist und irgendwelchen Trends, verrät Henning Baum, seine Prioritäten liegen woanders: Arbeit und Familie. Und der Star, der eigentlich alles andere als ein Star sein will, engagiert sich, mischt sich ein, wenn es ihm angebracht erscheint.

'Ich habe schon immer meine Fresse aufgemacht. Das hat mir zwar auch etwas Ärger eingebracht im Leben, aber ich kann nicht anders.' - Also mal besser nicht flapsig auf den Nachnamen ansprechen ...
Mit 17 Jahren wurde der Essener Arztsohn auf ein englisches College geschickt, weil sich seine Lehrer und Eltern Sorgen machten, er könne auf die schiefe Bahn geraten. 'Ich habe gerne provoziert. Mich auch mal geprügelt', gibt der Ex-Waldorfschüler unumwunden aber durchaus gerne zu. Schließlich habe er nichts getan, zu dem er nicht hätte stehen können. Freilich, mit den Jahren sei er schon ruhiger geworden.

'Man hat eben Verantwortung', sagt Henning Baum mit jenem leichten Ruhrpott-Unterton, der den ohnehin klaren Worten noch eine zusätzliche Portion Nachdruck und Glaubwürdigkeit verleiht. Und es ist wieder so ein Satz, den man irgendwie genau so von diesem Mann erwartet hat. Das Bild vom fest im Leben verwurzelten, aufrechten, etwas knorrigen Typen scheint gar nicht so falsch zu sein.
Seine Karriere beurteilt Hennning Baum ganz nüchtern. 'Es ist wie bei einer guten Aktie: Sie steigt am besten langsam und stetig, sie explodiert nicht.' Eher zu bescheiden, wenn man bedenkt, dass er alleine 2007 über ein Dutzend Filme drehte.

Womöglich liegt diese Hausse ja daran, dass er, wie er selbst sagt, erst jetzt in sein 'richtiges Spielalter' kommt. 'Für die Jungspund-Rollen habe ich mich eigentlich immer ein bisschen zu schwer und zu alt gefühlt. Jetzt habe ich das Gefühl, dass die Figuren, die ich spiele, meinem Wesen mehr entsprechen.' Dazu kommt: 'Die Angebote stimmen einfach. Ich habe das Glück, dass ich offenbar viele verschiedene Typen spielen kann.'
Baum, der schon als prächtig fightender Germane im RTL-Event 'Held der Gladiatoren' den Heldentod starb und in seiner bislang schlagzeilenträchtigsten Rolle als schwuler Polizist Leo in der Sat.1-Reihe 'Mit Herz und Handschellen' (mit Elena Uhlig, Wiederholungen ab 30.01., mittwochs 22.15 Uhr im Programm) für Aufsehen sorgte, kann lustig und ernst, kann Action und Liebesfilm. Im Frühjahr ist er neben Christine Neubauer in der Susanne-Fröhlich-Verfilmung 'Treuepunkte' zu sehen.
Baums Hauptbetätigungsfeld ist und bleibt jedoch der gepflegte Fernsehkrimi. Dabei, so klagt er, habe es sie bislang noch gar nicht gegeben, 'die Polizeirolle, die ich mir vorstelle'. Er denke da an 'eine härtere und realistischere Gangart. Mir fehlt es an Entschlossenheit. Man müsste Sachen machen, die mehr Druck, mehr Dynamik und Härte haben. In den deutschen Krimis wird viel zu viel herumpsychologisiert. Zu wenig Schmackes und Action. Die Amis machen es vor.' Genau besehen, erscheint einem der markante Essener, den es nach Jahren, in denen er mit seiner Frau ein niederbayerisches Schloss bewohnte, wieder in die Heimat zog, geradezu als Idealbesetzung für einen knallharten Ruhrpott-Cop. Es müsste doch neben dem Essener ZDF-Ermittler 'Lutter', gespielt von Joachim Król, noch Platz für einen weiteren starken Typen sein. 'Da will ich bestimmt nicht widersprechen', meint Henning Baum lächelnd und fügt mit dezent bedeutungsschwangerem Unterton an: 'Warten wir's mal ab!' Klingt spannend.
Aber sieht er sich überhaupt als typischen Ruhrgebietler? 'Nee', lautet Baums prompte Antwort. 'Das passt nicht so ganz. Ich fahre zwar schon mal einen härteren Gang, bin immer für einen lockeren Spruch gut und dem Leben grundsätzlich freundlich gesonnen. Ich sehe mich als Mensch mit sehr breit gestreuten Interessen.'
'Mitte, Ende dreißig ist ein richtig gutes Alter', sagt Henning Baum. Aber auch vor dem Älterwerden fürchte er sich nicht. Wer über so etwas wie Midlife-Crisis nachdenke, der müsse wohl zu viel Zeit im Leben haben. 'Oder ihm fehlt sonst irgendwas', mutmaßt der Schauspieler und fügt lakonisch an: 'Wer viel arbeitet, hat wenig Zeit.' Natürlich hätte er gerne mehr Zeit für seine Frau und die drei kleinen Kinder im Alter zwischen zweieinhalb und fünf Jahren. 'Aber so ist das nun mal. Väter arbeiten. Das war bei meinem Vater nicht anders.'
Henning Baum ist eben kein Typ, der sich beklagt, sondern einer, der sich einmischt. 'Deshalb ist mir Franziska Luginsland so ausgesprochen sympathisch. Wie sie sich der Polizei und allen Regeln widersetzt und nur ihrem Instinkt und ihrem Gewissen folgt, gefällt mir.' Solche Zivilcourage, findet er, geht leider zu vielen Leuten ab. Seinen Kindern möchte er das auf jeden Fall mitgeben: 'Neben Toleranz und einigen anderen bürgerlichen Werten kommt es genau darauf an: sich bloß nicht alles gefallen und diktieren zu lassen, seine Rechte einzufordern.' Die freiheitliche Grundordnung werde als zu selbstverständlich genommen. Manchmal müsse man eben auch dafür kämpfen und sie verteidigen. 'Und das kann unbequem sein', sagt er. Keine Frage, es bräuchte mehr Typen wie ihn, die gegen den Strich gebürstet sind. Vielleicht sogar in der Politik? 'Ich bin rebellisch und manchmal auch richtig aufrührerisch', betont Baum, 'aber das kommt dann doch nicht in Frage'. Dann schwenkt er lachend ein: 'Mein großes Vorbild ist ja Gouverneur in Kalifornien. Vielleicht werde ich mal Landeshauptmann von der Steiermark.' © 2008 teleschau - der mediendienst
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