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Kap Arkonas Unterwelt: Geschichtsstunde im Bunker

Von Katja Müller 18. Jan 2008, 09:50

An der Nordspitze der Halbinsel Wittow stehen die beiden Leuchttürme nebeneinander. (Bild: Heinemann/Tourismusgesellschaft Kap Arkona/dpa/tmn) © DPA

An der Nordspitze der Halbinsel Wittow stehen die beiden Leuchttürme nebeneinander. (Bild: Heinemann/Tourismusgesellschaft Kap Arkona/dpa/tmn) © DPA

Putgarten (dpa/tmn) - Rügen-Besucher erkennen das Kap Arkona an den zwei Leuchttürmen und dem ehemaligen Marine-Peilturm. Dass dieser Ort einst auch für das Militär von großer Bedeutung war, beweisen in direkter Nachbarschaft der Türme zudem zwei Bunker.

Der kleinere und ältere stammt noch aus Wehrmachtszeiten, der größere und neuere entstand von 1979 bis 1986. Nur wenige Besucher des Kaps auf der Halbinsel Wittow ganz im Norden Rügens wissen von dieser Unterwelt, die auch im Winter besichtigt werden kann: Mehr als die Hälfte der Anlagen sind durch das Engagement eines Fördervereins inzwischen in einen öffentlichen Ausstellungsraum verwandelt worden.

Kap Arkonas Unterwelt ist rund 2000 Quadratmeter groß und besteht aus drei großen und neun kleinen Bunkern, die durch einen Gang verbunden sind. Seit dem 3. Oktober 1990 ist die Militäranlage stillgelegt. «In dem 76 Meter langen Gang zeigen wir eine Fotoausstellung», sagt Sigrid Pötsch vom Förderverein Kap Arkona. «In einem der kleinen Bunker wird die Geschichte der 6. Flottille, dem Schnellbootverband der Volksmarine, erzählt.» Orden, Flaggen, Warnschilder, Gasmasken, aber auch Karten und Literatur gehören zur Ausstellung. Fundstücke wie alte rote Telefone und Funktechnik aus dem ehemaligen Nachrichtenbunker können Besucher ebenfalls sehen.

Die strategische Bedeutung des Kaps hatten nicht erst Wehrmacht und DDR-Marine erkannt: Als Deutschlands größte Insel im Jahr 1815 von Schweden an Preußen abgegeben wurde, rieten pommersche Kaufleute wegen der gefährlichen Untiefen am Kap Arkona zur Errichtung von Leuchtfeuern. 1827 wurde an der Stelle einer ehemaligen Leuchtbarke ein Leuchtturm nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel erbaut. Er gilt als eines der ältesten Leuchtfeuer an der Ostseeküste. 1902 kam dann der neue Leuchtturm dazu. Der ehemalige Marine-Peilturm entstand schließlich 1928 in Ziegelbauweise und diente als Seefunkfeuer. Auch der Peilturm ist heute ein Museum. Von seiner Plattform können die Besucher den Blick auf das Kap, die Ostsee und die Kreidefelsen genießen.

«Die meisten Ausstellungsstücke, auch in den Bunkern, stammen von der Ostseeinsel Rügen. Teilweise sind es Leihgaben, andere hat der Förderverein gekauft», erzählt Sigrid Pötsch. Im Frühjahr werden neue Exponate erwartet: «Die Ausstellungen wachsen ständig.» Weitere Räume befinden sich im Marinesignalhaus. Dort ist noch bis März die Exposition «Junge Keramik» von Künstlerinnen aus Rügen zu sehen.

Ziel des Fördervereins ist die Erhaltung der Museen sowie des «Flächendenkmals Arkona». Er hat von der Gemeinde die ehemalige Matrosenbaracke, den Marineführungsbunker, die Nebelsignalstation und das Werkstattgebäude mit den Außenflächen gepachtet. Zudem betreut er die Ausstellungen zur Seenotrettung an der deutschen Ostseeküste sowie zur Geschichte des «Flächendenkmals», zu dem neben den Bunkern auch die Reste der slawischen Jaromarsburg aus dem 6. Jahrhundert gehören. Der «Schinkel-Leuchtturm» dient heute auch als Standesamt, in der Nebelsignalstation gibt es ein Künstlerhaus mit Galerie.

Die Idee vom «Flächendenkmal Arkona» ist der Versuch der Gemeinde Putgarten und des Fördervereins, ein ehemaliges Militärgebiet sinnvoll zivil zu nutzen, ohne die Geschichte des Ortes zu vergessen. Denn heute kommen die Touristen nicht nur, um durch die Natur der Steilküste zu wandern, sondern auch, um unter der Erde eine Reise in eine Zeit zu erleben, als dieses Stück Land für Urlauber tabu war.

«Natürlich ist Mecklenburg-Vorpommern gewöhnlich für lange Sandstrände und Ostseewellen bekannt», sagt Tobias Woitendorf, Sprecher des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern in Rostock. «Dennoch freuen wir uns auch über solche Initiativen. Sie wenden sich an Urlauber mit einem Spezialinteresse an der DDR-Geschichte.»

Woitendorf weist auch auf ein weiteres Ziel dieser Art hin: den letzten zu DDR-Zeiten errichteten Bunker in Eichenthal. Dort hatte die Nationale Volksarmee einst die «Troposphären-Funkstation 302» errichtet, eine von drei atombombensicheren Nachrichtenzentralen in der DDR. «Solche Orte sind in unserem Land von historischer Bedeutung. Oft rücken sie erst durch das Engagement von Vereinen oder Privatpersonen ins Blickfeld des Urlauberinteresses», so Woitendorf.

Tourismus-Informationen über Kap Arkona: www.kap-arkona.deTourismus-Informationen über Rügen: www.ruegen.de

© 2008 dpa - Deutsche Presse-Agentur

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Joachim Kampe10. Aug 2009, 21:39

Bunker Eichenthal- Militärgeschichte gestern und heute.
(angeregt u. geschrieben als Antwort auf Beiträge im Internet, Printmedien, Hörfunk- u. TV-Sendungen)

Wohl wahr, eine zunächst fast aussichtslose Aufgabe, die sich der Betreiber der einstigen Troposphärenfunkzentrale 302 gestellt hat. Mit der Ansprache Bad Sülze war sie im Sprachgebrauch zu Zeiten der DDR nur wenigen Eingeweihten bekannt. Als Stütznachrichtenzentrale 302 Langsdorf im gedeckt vorbereiteten Nachrichtensystem der NVA kannten sie die Nachrichtenorgane höherer Führungsebenen. Der Betreiber hat die Bunkeranlage für Interes-sierte an Militärgeschichte der DDR, Urlauber, Touristen und Neugierige begehbar gemacht, will damit ein Mahnmal setzen gegen Wettrüsten und den Kalten Krieg. So man in der Nähe ist sollte man einen Besuch einplanen. Mit den Füßen muss man allerdings auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Es ist weder ein Geisterschiff noch ranken sich heimliche Geschichten um den Bunker. Man riecht weder Offiziere noch Mannschaften, geschweige denn wurde dort jemals ein Gebet gen Himmel geschickt. Die Dramatik der vorgestellten Gefechtssituation soll an das menschliche Ende in einen Atomkrieg erinnern, möglicherweise ist es auch nur ein Ersatz für fehlende Sachkenntnis zur Vermittlung von militär- geschichtlichen Hintergründen, Fakten und Details zu Funktion und Zweckbestimmung des Troposphären- Nachrichtensystems und der Station Eichenthal. Sicher, gut gemeint und ausgeführt als mahnende Erinne-rung, wirtschaftlich gut gedacht als Werbung für Einnahmen. Doch mit einem solchen Szenario hatte die Anlage absolut nichts zu tun. Genau das ist das Problem vieler Besucher, worüber sie in Foren berichten. Sie klagen über Art und Weise wie ihnen begegnet wird, über die wenigen Informationen, die über das Troposphären-Nachrichtensystem aber auch die Anlage selbst vermittelt werden. Konkrete Fragen finden wenig glaubhafte Antworten, obwohl dazu inzwischen ausreichend Informationen im Internet und Literatur zur Verfügung stehen. Das Buch von Götz Thomas Wenzel „Geheimobjekt Atombunker“ ist allerdings weniger geeignet. Antworten dazu werden in einer Rezension gegeben, suche mit dem Suchbegriff Rezension Geheimobjekt Atombunker.
Auch hier gilt der Grundsatz, jeder bilde sich sein eigenes Urteil. Für Außenstehende, Unkundige, mit der Sache nicht Befasste ein allerdings schwieriges Unterfangen. Es wäre einfach dem heute vermittelten politischen Geschichtsbild über die DDR zu folgen, aber ist das Sinn und Zweck der Auseinandersetzung mit der Geschichte ?. Der Bunker stellt weder eine Sensation noch etwas Besonderes im Vergleich mit anderen Bunkeranlagen in Ost und West dar. Er wird als „einzigartig“ nur seiner Vermarktung wegen gepriesen. Gelegentlich ist zu lesen, der Bunker ist dem Bunker der Bundesregierung in Ahrweiler gleichgestellt, oder, zwischen Eichenthal und der Führungsstelle der Rotbanner-Flotte wurde extra ein Fernmeldekabel verlegt, oder, der Autor o.a. Buches ist Sachverständiger für Bunkeranlagen. Das alles ist schon mehr als merkwürdig!. Die Frage nach den Quellen solcher Meldungen kann von Insidern schnell beantwortet werden. Der Bunker wird weder von 9 m Erde überdeckt, noch wurde er 1986 fertig gestellt, wie oft zu lesen ist. Er ist einer von drei Typenbauten die in der DDR errichtet wurden. Über seiner Bunkeroberfläche liegt eine Sand- und Kiesschicht mit einer Höhe von 1,05 m, zur Mitte hin auf 1,20 m ansteigend, darüber eine Betonglocke mit einer Dicke von 0,60 m, überdeckt mit einem Erdaufwurf von ca. 0,65 m. Zu bemerken bleibt sein relativer Leerstand an Troposphären- und allgemeiner Nachrichtentechnik und die Tatsache, dass der Bunker erst 1986 fertig gestellt, damit ein Jahr später ins Netz ging. Darin unterscheidet er sich von den beiden Bunkern in Wollenberg und Röhrsdorf. Er verblasst im Schatten des „Glanzes“ dieser, deren Bedeutung aus operativ- strategischer Sicht weitaus höher zu bewerten ist. Operative, finanzielle und ökonomische Gründe in der DDR und im Ausland führten zu Änderungen der Planungen im Troposphären-Nachrichtensystem. Nach Fertigstellung des Bunkers der „302“ blieb er unter Berücksichtigung seiner Möglichkeiten militärisch „fast“ bedeutungslos. Das aber ist bei Kenntnis der Sachlage erklärbar, vermittelbar, hat weder etwas mit Sensation oder Geheimnisvollen zu tun, noch ist es ein Grund für reißerische Titelzeilen in den Medien. Die gebotenen Erklärungen zu verstehen, sie zu werten bleibt allein Sache des Besuchers. Er möge sie als interessant, verklärt, unwahr, spekulativ oder auch als spektakulär empfinden. Ich empfehle den Besuch im Bunker Eichenthal, gleichzeitig auch im Bunker Wollenberg. Er stellte die einzige Gegenstelle von Eichenthal dar. Besucher werden hier nicht nur optisch, sondern auch militärgeschichtlich eine bemerkenswerte Führung erleben.

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