TV Star Portrait


Marco Rima - 'Ich will nicht fassbar sein'

Marco Rima führt durch 'Die Marco Rima Show' (ab 15.02., immer freitags, 21.45 Uhr, Sat.1)

Von Julia Köhler 21. Jan 2008, 08:59

Marco Rima führt ab 15. Februar durch 'Die Marco Rima Show'. © Sat.1

Marco Rima führt ab 15. Februar durch 'Die Marco Rima Show'. © Sat.1

Neben dem Käse mit den großen Löchern ist Marco Rima wohl einer der bekanntesten Exportartikel der Schweiz. Ende der 90er-Jahre war er in stetig wechselnden Rollen in der 'Wochenshow' bei Sat.1 zu sehen. Lange hörte man nicht viel von dem Comedian und Kabarettisten, der nun als Host seiner eigenen Show ins deutsche Fernsehen zurückkehrt. 'Die Marco Rima Show' (ab 15.02., immer freitags, 21.45 Uhr, Sat.1) stellt einmal mehr unter Beweis, wie wandelbar der 46-Jährige ist. Ob als Bruno, Fürst der Finsternis, oder in der Rolle des Frauen-vernaschenden Tennislehrers, Rima streift die Rollen über wie eine zweite Haut.

Einer der vielseitigsten deutschsprachigen Comedians ist zurück: Marco Rima. © Sat.1 / Monika Schürle

Einer der vielseitigsten deutschsprachigen Comedians ist zurück: Marco Rima. © Sat.1 / Monika Schürle

Im Interview spricht der in zweiter Ehe mit einer Schwäbin verheiratete Komiker über die einst steinigen Karriereanfänge, sagt, warum er gerne die Hüllen fallen lässt, und erklärt, wieso er sich immer wieder rarmacht.

teleschau: Herr Rima, bislang waren Sie stets Teil eines Teams. Nun sind Sie Host Ihrer eigenen Show. Machte Ihnen dieser Umstand etwas Angst?

Marco Rima: Nein. Aber es ist schon etwas Besonderes. Ich würde meine Gefühlslage eher als Mischung aus Freude, Bammel und Aufregung bezeichnen.

Marco Rima kehrt mit seiner eigenen Comedy-Show ins deutsche Fernsehen zurück. © Sat.1 / Monika Schürle

Marco Rima kehrt mit seiner eigenen Comedy-Show ins deutsche Fernsehen zurück. © Sat.1 / Monika Schürle

Egal, wie die Sendung beim Publikum letztendlich ankommt, ich werde ein Bild zu Hause hängen haben, wie ich auf einer Showtreppe stehe und hinter mir in großen Lettern 'Marco Rima' steht. Das kann ich dann auf das Gästeklo hängen, damit alle wissen, wer der Hausherr eigentlich ist.

teleschau: Unter anderem nehmen Sie in Ihrer Show Casting-Formate auf die Schippe. Hätten Sie sich jemals bei solch einer Sendung beworben?

Rima: Auf jeden Fall. Mein Kollege Marcello Weber, mit dem ich als 'Marcocello' einst Kabarett machte, und ich schickten in den 80er-Jahren auch Texte zu zahlreichen Theatern und Fernsehstationen - und wurden gnadenlos abgelehnt. Ich musste einen anderen Weg einschlagen. Erst probierte ich mich als Lehrer, spielte ab und an vor sechs Leuten, und viele Jahre später kam dann irgendwann der Durchbruch. Wir in der Schweiz brauchen eben etwas länger (lacht) ...

teleschau: Doch die Halbwertzeit von Künstlern, die sich langsam ins Rampenlicht vorarbeiten, scheint länger zu sein als die von schnelllebigen Casting-Kandidaten ...

Rima: Das ist wohl wahr. Man hat sich durchgebissen und lebt später nicht nur von der Eitelkeit, sondern ist der festen Überzeugung, dass man genau in diesen Beruf gehört. Irgendwann ist man mit allen Wassern gewaschen und fängt an, auszuwählen, zu schauen, wann und wohin man sich zurückziehen kann. Erfolg ist der Schlüssel zu neuen Projekten und zu Popularität, aber man muss immer wieder auch unpopuläre Entscheidungen treffen.

teleschau: Welche Ihrer Beschlüsse waren unpopulär?

Rima: Als ich 1999 'Die Wochenshow' nach knapp drei Jahren verließ. Ich merkte, dass ich ausgebrannt war. Zudem hatte ich Heimweh, da meine Kinder aus erster Ehe damals fünf und sechs Jahre alt waren und in der Schweiz lebten. Ich wollte sie aufwachsen sehen. Vielleicht hätte ich, wenn ich länger geblieben wäre, später andere Möglichkeiten gehabt. Aber es war richtig, danach erst einmal weg und nicht mehr präsent zu sein. Zudem war ich der Überzeugung, dass man den Erfolg sowieso nicht mehr toppen kann.

teleschau: 'Die Wochenshow' war nicht von Anfang an erfolgreich. Geben die Sender neuen Formaten mittlerweile zu wenig Chancen, sich zu entwickeln?

Rima: Früher hatte Sat.1 lediglich ein Comedy-Format, eben 'Die Wochenshow'. Bei den anderen Sendern war es ähnlich. Auf diese wenigen Programme konnte man sich konzentrieren. Mittlerweile laufen bis zu zehn Projekte in dieser Sparte nebeneinander. Die Exklusivität besteht nicht mehr. Ein Produkt wird auf den Markt gebracht und, falls es nicht gut läuft, zügig wieder entfernt. Das hat nichts damit zu tun, dass die Leute oder die Sendungen heute schlechter wären. Die Qualität ist weiterhin gut. Deswegen sehe ich es sportlich: Wenn meine Show nicht ankommen sollte, geht die Welt nicht unter. Es gibt immer einen Weg.

teleschau: Bei der 'Wochenshow' hatten alle prägnante Rollen. Bastian Pastewka wurde zum Beispiel als Brisko Schneider berühmt. Ihnen fehlte eine Figur mit Kultcharakter ...

Rima: Ich war schon immer ein Chamäleon. Ich will nicht fassbar sein, man soll mich nicht greifen können. Hin und wieder mache ich es damit sowohl mir, den Journalisten als auch meinem Publikum schwer. Aber auf der anderen Seite bleibt es so spannend.

teleschau: In der 'Marco Rima Show' schlüpfen Sie in die unterschiedlichsten Charaktere. Wäre nicht nun die Möglichkeit, sich eine besonders kernige Rolle auf den Leib schreiben zu lassen?

Rima: Wir drehten bislang nur sechs Folgen, um herauszufinden, was Potenzial hat. Das muss alles gut überlegt sein. Ich will keine der Figuren verheizen, sondern sie pflegen. Diese Mentalität habe ich als Schweizer einfach verinnerlicht. Denn dort ist alles klein, und man sollte sich gut überlegen, wo man sich zeigt. Ist man auf vier Magazin-Titeln gleichzeitig, geht man den Menschen schnell auf die Nerven. Diese Zurückhaltung ist wichtig.

teleschau: Sie gehen Ende Februar mit Ihrem neuen Bühnen-Programm 'TimeOut' auf Tour. Vertrauen Sie dem Medium Fernsehen nicht?

Rima: Ich möchte einfach am Puls der Zeit sein, und auf der Bühne spürt man recht schnell, wie man ankommt, ob der Humor zu schräg wird. Diese Erfahrung trage ich dann in die Fernsehwelt hinein. Zudem vertraue ich auch bei meiner neuen Sendung am meisten dem Standup-Teil. Gerade beim Fernsehen gibt es so viele begabte Menschen. Manchmal stehe ich dann da und weiß, dass das noch mal eine ganz andere Nummer ist.

teleschau: Das klingt, als ob Sie oft von Selbstzweifeln geplagt werden ...

Rima: Ich bin da ambivalent. Einerseits habe ich die Gewissheit, dass ich es kann. Und dann kommen immer wieder die Phasen, in denen ich mir sicher bin, die größte Null auf Erden zu sein. Diese Krisen dauern bei mir ungefähr 15 Stunden an - sind aber recht intensiv. Da kann meine Frau kochen, was sie will, da geht dann gar nichts mehr. Das letzte Mal schickte sie mich einmal um den Block. Mit einem Comedian zusammenzuleben, ist nicht einfach (lacht).

teleschau: Bei den Einspielern der Sendung zeigen Sie vollen Körpereinsatz. Kostet es Sie Überwindung, die Hüllen fallen zu lassen?

Rima: Diese Nummern mit dem Hang zum Exhibitionismus sind mir die Liebsten. Doch wenn ich die Szenen danach anschaue, ist die Enttäuschung meist groß: Der Bauch ist eben immer noch da. Aber vielleicht hilft dieser Makel ja, dass sich die Leute mit mir besser identifizieren können. teleschau: In einer Szene werden Sie zusammen mit Ihrer Kollegin Maria Schuster beim Sex überrascht und von vielen Menschen gestört. Sie sitzt die ganze Zeit auf Ihnen ... Rima: Wir hatten viel Spaß. Leider wurden immer gleich die ersten zwei Klappen genommen. Besonders lustig ist, dass diese Situation mir genauso passiert ist. Meine Frau und ich wurden bei einem Hotelbesuch immer wieder vom Zimmermädchen gestört. Eigentlich wollten wir die traute Zweisamkeit genießen, doch dann hieß es wieder: 'Nein, ich muss noch die Blumen gießen.'

© 2008 teleschau - der mediendienst

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