TV Reportagen
'Irgendwas kann da nicht stimmen'
Ökotrophologin Kathrin Helmers ist Coach bei 'Jedes Kilo zählt! Eine Insel wird schlank' (ab 6.3., kabel eins)
Von Frank Rauscher 14. Feb 2008, 08:59

Ernährungsberatung ist Kathrin Helmers Spezialgebiet. Im April 2006 hat sie ihr Studium der Ökotrophologie an der Fachhochschule Münster abgeschlossen. © kabel eins
Das Frühjahr kommt, Sommer, Sonne, Urlaub stehen vor der Tür. Heißt für Millionen Deutsche: Abnehmen! Und der Weg zum Bade-Body ist ein weiter. Da kommt die kabel-eins-Serie 'Jedes Kilo zählt! Eine Insel wird schlank' gerade recht. Zunächst kann man es sich ja ganz entspannt aus der Fernsehsesselperspektive betrachten, wie 21 übergewichtige Bewohner der idyllischen Nordseeinsel Langeoog abspecken (ab 06.03., immer donnerstags, 21.15 Uhr).

Und wenn man dann sieht, wie sich bei den Insulanern die ersten Erfolge einstellen, motiviert das womöglich, es selbst einmal auszuprobieren, das Abspecken mit Spaß, Sport, Spiel - und der richtigen Ernährung. Für Letztere ist bei der neuen Dokuserie die 30-jährige Diplom-Ökotrophologin Kathrin Helmers zuständig. Als charmanter, aber gegebenenfalls auch gestrenger Coach bringt sie die beleibten Friesen gemeinsam mit Physiotherapeut und Personal Trainer Michael Deminatus (39) wissenschaftlich fundiert auf Vordermann. Im Interview spricht sie über die Ernährungssünden der Deutschen und erklärt, wie die Diät zum Erfolg wird.

teleschau: Frau Helmers, sind wir Deutschen wirklich zu dick?
Kathrin Helmers: Pauschal geantwortet: Ja. Wir sind ziemlich amerikanisiert - leider auch in dieser Hinsicht. Ich arbeite sehr viel mit adipösen Kindern, und ich muss sagen, es ist erschreckend, wie früh die Menschen heute schon so stark übergewichtig werden, dass es gesundheitsschädlich wird.
teleschau: Andererseits wird das Schönheitsideal immer schlanker ...
Helmers: Ja, total paradox. Das spiegelt sich auch längst wider. Wir haben eine Entwicklung zu den Extremen: Immer mehr werden immer dicker, immer mehr werden immer dürrer.

Die Zahl der Menschen, die sich im Normalgewichtbereich bewegen, wird ständig kleiner.
teleschau: Was würde die Diplom-Ökotrophologin ändern, wenn sie denn könnte?
Helmers: Oh, da müsste man weit ausholen ... Das Problem beginnt ja damit, dass heutzutage alles total medialisiert ist, dass Ernährung und Leitbilder von Werbung und Fernsehen adaptiert werden. Die Jugend sieht Supermodels und isst Fast Food in XXL Portionen ...
teleschau: Ab wann ist jemand zu dick?
Helmers: Eine schwierige Frage, weil das nur individuell zu beurteilen ist. Früher verließ man sich auf das Idealgewicht und auf den Bodymaß-Index. Aber das greift zu kurz. Wir haben zum Beispiel einen Kandidaten, der auf den ersten Blick zwar voluminös aussieht, aber mit einem Körperfettanteil von 26 Prozent vergleichsweise sehr gut dasteht. Es gibt keine Goldene Regel. Ich kenne Bodybuilder, die haben einen BMI von 29, also im übergewichtigen Bereich, haben aber kein Gramm Fett auf den Rippen.
teleschau: In welchem BMI-Bereich bewegten sich Ihre Protagonisten auf Langeoog zu Beginn?
Helmers: Das reichte von 28 bis fast 40, also bis in einen schon wirklich gefährlichen Bereich hinein. Körperfettanteile haben wir von weit über 30 Prozent - je nach Alter gelten bei Frauen um die 20 bis 25 Prozent, bei Männern 10 bis 15 Prozent des Gesamtkörpergewichtes als normal ... - Aber wie gesagt, der BMI ist nicht alles. Wir setzen hier vielmehr auf die sogenannte Bioimpedanzanalyse, die Messung von Körperfettanteil, aktiver Zellmasse, Muskelmasse und Wasseranteil mittels Elektroden, um eine Beurteilung vornehmen zu können. Das hilft, das gesamte Sport- und Ernährungsprogramm sinnvoll abzustimmen.
teleschau: Sie arbeiten im Rahmen der Sendung drei Monate mit den abnehmwilligen Insulanern. Wieviel Gewichtsreduktion ist realistisch?
Helmers: Jeder ist anders, manche nehmen unheimlich schnell ab, andere stagnieren. Am Anfang geht es meist schneller, weil man oft erst Wasser verliert ... Wir peilen eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von zehn Kilogramm in drei Monaten an. Das wäre schon gut.
teleschau: Sie arbeiten auf Langeoog mit 21 Protagonisten: 21 Menschen im Alter von 14 bis 60 Jahren, die Gewicht verlieren wollen, 21 Individuen, jeder hat einen anderen Stoffwechsel, Körperbau und eine andere Konstitution. Wie stülpen Sie diesen Kandidaten einen einheitlichen Diätplan über?
Kathrin Helmers: Gar nicht. Das Geheimnis ist, dass wir versuchen, auf jeden Einzelnen einzugehen. Am Anfang füllte jeder Protagonist einen umfangreichen Fragebogen zum Ernährungsverhalten aus. Ich analysierte die Daten, um bei jedem der Teilnehmer individuell ansetzen zu können. Schließlich hat jeder eigene Gewohnheiten und Fehler ...
teleschau: Welche Kardinalfehler machten Sie aus?
Helmers: Dann doch die gleichen, die wir alle mehr oder weniger kennen: Der eine frühstückt nicht, der andere trinkt gerne Bier, mancher isst zwischendurch zu viel oder zu spät. Fast alle kaufen völlig falsch ein. Ich gehe dann mit ihnen in den Supermarkt und nach Hause, um den Kühlschrank auszumisten.
teleschau: Sie müssen dabei mit langjährigen Gewohnheiten der Protagonisten brechen. Das ist sicher nicht immer leicht ...
Helmers: (lacht) Nein, ist es nicht - obwohl die Leute hier wirklich sehr motiviert sind. Wenn einer weder ehrlich zu mir noch zu sich selbst ist und angeblich nur vier Brote am Tag isst und so gut wie nie nascht, hilft nur Klartext. Ich sage dann: 'Sieh dich an und sieh mich an: Du wiegst 120, ich 55. Irgendwas kann da nicht stimmen, oder?' Am meisten hilft es, wenn ich den jeweiligen Partner oder die Familie eines Protagonisten dazu bewegen kann, ihn beim Abnehmen zu unterstützen, dass sie ihm gegebenenfalls die Wahrheit offen ins Gesicht sagen und ihn hier und da kontrollieren. Recht radikale Methoden, aber schließlich geht es in den meisten Fällen auch um eine recht radikale Veränderung der Lebensweise.
teleschau: Eine neue Studie besagt: Zwei Drittel aller Männer und mehr als die Hälfte der Frauen in Deutschland sind übergewichtig. Ist das, was Ihnen hier auf Langeoog an Essverhalten begegnet, stellvertretend für den Rest der Republik?
Helmers: Absolut. Es werden überall die gleichen Fehler gemacht. Zu viele Deutsche halten die geregelten Mahlzeiten nicht ein, essen zu oft unbewusst nebenbei, trinken zu gerne ihr Bierchen am Abend. Hier wie überall: Das Allerwichtigste ist, erst mal eine Regelmäßigkeit in die Ernährung zu bekommen. Damit fängt es an, das neue Leben.
teleschau: Ist das wirklich so ein Problem? Reicht es nicht, einfach wenig zu essen?
Helmers: Nein, das ist genau das Falsche! So etwas kann zu vorübergehenden Erfolgen führen, aber auf Dauer wird es nichts mit dem Abnehmen, wenn nicht die Ernährung umgestellt wird und dabei das Umfeld nicht mitzieht. Wer 'FdH' macht oder nur noch Gemüse und Obst isst, wer sich auf irgendeine 'Hollywood-Diät' verlässt oder ausschließlich Ananas oder Kohlsuppen isst, also mit einer Ernährung im unterkalorischen Bereich zu leben versucht, wird früher oder später scheitern. Der Körper passt sich an die veränderten Bedingungen an. Für ihn herrscht Notzeit, der Stoffwechsel läuft auf Sparflamme, der Grundumsatz sinkt. Jeder kennt das Stichwort: 'Jo-Jo-Effekt' ... Da muss die Devise heißen: Essen, Essen, Essen! Nur müssen das Richtige und die richtige Menge gegessen werden: eine vollwertige, ausgewogene Kost, die individuell abgestimmt ist.
teleschau: Ist es wichtig, Kalorien zu zählen?
Helmers: Jein. Da sind sich die Ökotrophologen selbst nicht ganz einig. Ich persönlich halte vom Kalorienzählen gar nichts, weil das nur von dem ablenkt, worum es eigentlich geht. Ich möchte, dass die Leute sich bewusst werden, was sie zu sich nehmen, dass sie Bescheid wissen, über versteckte Fette und den Zuckergehalt bestimmter Nahrungsmittel und dass sie aufgrund dieser Erkenntnisse die Ernährung umstellen.
teleschau: In der Theorie hört sich das nett an, aber wie setzen Sie das um?
Helmers: Ich versuche, ein bisschen zu verblüffen oder zu schocken, wenn man so will. Marius, dem 14-jährigen Teenager unter den Protagonisten, bat ich zum Beispiel, zu schätzen, wie viel Zucker in einer kleinen Flasche Wellness-Getränk enthalten ist. Natürlich machte er Augen, als ich ihm zeigte, dass da nicht weniger als 27 Zuckerwürfel drin sind ... So etwas hilft manchmal mehr als viele Worte. Und so viel zum Thema 'Wellness'. Ja, es geht auch darum, nicht allen Werbebotschaften Glauben zu schenken. Gerade bei den ultraleichten Produkten, etwa Jogurt, Milch oder Käse mit 0,1 Prozent Fett, sollte man sehr vorsichtig sein. Erstens schmeckt das oft nicht, und zweitens sind da meist irgendwelche versteckten Zusätze und / oder mehr Zucker drin, um halbwegs einen Geschmack und eine cremige Konsistenz zu zaubern. Für mich ist das eine reine Werbemasche. Es grassiert so viel falsches Wissen, vielleicht können wir mit unserer Sendung ja auch ein bisschen zur Aufklärung beitragen.teleschau: Kurzum: Wenn man dauerhaft abnehmen will, dann empfiehlt die Ernährungsberaterin ...Helmers: ... eine gesunde Ernährung und Sport. Es kommt auf beides an - im Verhältnis 50 zu 50, kann man sagen. Wer es entweder mit dem einen oder mit dem anderen probiert, wird in der Regel keinen langfristigen Erfolg erzielen.
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Kommentiere diesen ArtikelJedes Kilo zählt! Eine Insel wird schlank - 06.03.2008 21:15 - kabel eins
6. Mär 2008, 21:15
Die Wahrheit ist bitter und leider brandaktuell: Zwei Drittel aller Männer (66 Prozent) und mehr als die Hälfte der Frauen (51 Prozent) in Deutschland sind übergewichtig. 23 Millionen Männer, 17 Millionen Frauen und zwei Millionen Kinder haben zu viel Speck auf den Rippen. Dies ist das traurige Ergebnis einer Studie über Essgewohnheiten, die Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) Ende Januar in Berlin vorstellte. Deutschland muss abnehmen. Aber wie? Am besten in der Gruppe, mit professioneller Hilfe und vor allem mit ganz viel Spaß bei der Sache, lautet die Antwort, die kabel eins nun mit der neuen Reportage-Reihe 'Jedes Kilo zählt! Eine Insel wird schlank' (immer donnerstags, 21.15 Uhr) gibt. Was der Münchener Sender da auf der ostfriesischen Insel Langeoog (knapp 20 Quadratkilometer Grundfläche, 2.100 Einwohner, keine Autos) veranstaltet, ist zwar nicht die erste Abspeck-Runde im deutschen Reality-TV, aber mit Sicherheit die originellste. ... mehrAlles echt: Die Leute, das Wetter, das Fernsehen
21. Feb 2008, 08:59
Leichter Nieselregen, gefühlte fünf Grad unter Null, der Sturmwind schneidet böse ins Gesicht. Und doch ist es, die richtige Kleidung vorausgesetzt, wunderschön auf Langeoog im Winter. Weil man hier jetzt alleine sein kann mit sich und diesem 'ehrlichen Wetter', wie es Hans Janssen, der Bürgermeister der kleinen Nordseeinselgemeinde, euphemistisch ausdrückt. Langeoog liegt im Winterschlaf und zelebriert die tote Hose. Die Natur und die vom Tourismus lebenden Insulaner ruhen sich aus vom Trubel der Sommermonate. Auf der just zum drittbesten Heilbad Deutschlands gekürten Insel, das merkt der einsame Gast in diesen Tagen schnell, ist man sich selbst genug. Jetzt gibt es hier nur noch: nichts. Bis auf jede Menge klare Luft. Auf Langeoog fahren keine Autos. Das macht das Leben beschaulich, irgendwie persönlicher. 'Moin, Moin!', grüßen die wenigen Menschen, die man beim Radeln auf den Dorfstraßen antrifft. Sie scheint nichts aus der Ruhe zu bringen - nicht einmal das Fernsehen. ... mehrDas Kabel wird eckig
2. Feb 2008, 08:59
Vorbei ist es mit dem wohligen Retro-Gefühl von 'Good Times'. Auch die kuschelig embryonal gedrehte Eins muss als Senderlogo weichen, die Münchner TV-Station kabel eins möchte sich ein neues Image verordnen. 'Wir haben uns längst vom Klassik-Image verabschiedet und sind ein modernes Vollprogramm geworden', begründet kabel eins-Geschäftsführer Guido Bolten den Schritt - ab 11. Februar kommt das Senderlogo eckiger und im Kästchen daher. Auch der 'Claim' des Senders - mit ihm soll in Kürze das transportiert werden, wofür das Produkt steht - ändert sich von 'Good Times' in das vielseitig verwendbare Baukastenwörtchen 'echt'. Klingt austauschbar, passt aber zur Entwicklung des zur ProSiebenSat.1 Media AG gehörenden Senders: Das beste Ergebnis seit Gründung des Kanals 1992 erreichte man 2007 nämlich vor allem mit der humorlosen Taktik, Erfolgreiches von der Konkurrenz abzukupfern - Vollprogramm eben. ... mehr






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Max18. Mär 2011, 13:03
Jeder erkennt, dass die Kathrin Helmers selber eine Essstörung hat. Sieht man doch sofort. Finde es echt peinlich, dass sojemand Tipps zum Abnehmen gibt.
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