Der Name klingt nach einer Band, doch tatsächlich steckt hinter A Fine Frenzy eine einzelne Dame: die 22-jährige Alison Sudol, deren Künstlername aus Shakespeare's 'Sommernachtstraum' entliehen ist. Ein Traum ist auch Alison, die im Interview durch Natürlichkeit und optisch durch blendendes Aussehen besticht. Auf ihrem aktuellen Album 'One Cell In The Sea' liefert sie wunderbare Songperlen und klingt wie die kleine, ganz stille Schwester von Radiohead oder Arcade Fire. Alternative-Romantic-Schmusesongs, die sie mit Musikern aufnahm, die schon mit Größen wie Paul McCartney, Smashing Pumpkins oder Iggy Pop arbeiteten.
A Fine Frenzy veröffentlicht ihr Debütalbum 'One Cell In The Sea'. © EMI / Peter Berberian
Alison Sudol alias A Fine Frenzy bezaubert nicht nur durch ihr Aussehen, sondern auch durch ihre natürliche Art. © EMI / Tarin Anderson
Live verstärkte sie das Vorprogramm von Rufus Wainwright, und bald werden sie und ihr Piano auch in Deutschland auf der Bühne zu sehen sein. Zeit, die Newcomerin vorzustellen.
teleschau: Für Dein Alter spielst Du schon sehr lange Musik. Wie fing das an?
Alison Sudol: Als ich fünf Jahre alt war, ließen sich meine Eltern scheiden. Ich zog mit meiner Mama von Seattle nach Los Angeles. Das war das Beste an der ganzen Sache. Doch die Trennung machte mich sehr traurig, ich begann damals schon, durch Klavierspielen irgendwie meiner Traurigkeit Ausdruck zu verleihen. Mit 16 gründete ich mit meinen Freunden A Fine Frenzy, erst mal als klassische High-School-Band.
'Vielleicht singe ich deshalb fast nur Balladen, weil ich immer schon fast schlafe, wenn ich schreibe.' - Halbschlaf ist die beste Voraussetzung fürs Songwriting, sagt Alison Sudol. © EMI / Tarin Anderson
teleschau: Was habt Ihr damals für Musik gemacht?
Alison Sudol: Das war echt schrecklich! So laut! Und wenn es leise war, klang es kitschig. Ich wusste damals nicht, wer ich war, was ich zu sagen hatte, welche Musik ich eigentlich spielen wollte. Die Texte schrieb immer ich, den Rest machte ich mit den anderen gemeinsam. Ich war durcheinander und irgendwann fand ich die Lösung: Ich musste alleine schreiben. Mein erster eigener Song war 'Almost Lover'.
teleschau: Das ist nun über vier Jahre her, jetzt ist es ein Hit. Kannst du Dich damit noch identifizieren?
Alison Sudol: Klar, jetzt wo ich älter bin, hat das Lied natürlich eine andere Bedeutung für mich, aber die Gefühle, die ich damals hatte, spüre ich noch ganz deutlich. Er war Spanier und machte Urlaub in Los Angeles. Es war ein Urlaubsflirt. Und plötzlich war er weg, wir tauschten keine Nummern aus. Das war damals ganz schön tragisch! Auch eine Intention des Songs: ihn vielleicht wieder zu finden. Nicht, dass ich ihn zurückhaben will. Ich bin gerade sehr frisch und glücklich verliebt, aber es wäre interessant, zu wissen, was er so macht. Vielleicht meldet er sich ja, wenn er den Song hört.
teleschau: Endlich mal ein Lied, das sich mit dem Thema 'Urlaubsliebe' befasst. Betrifft ja schließlich fast alle von uns, oder?
Alison Sudol: Als 'Almost Lover' ein Hit in Amerika wurde, fiel mir erst auf, wie viele Menschen schon das gleiche Erlebnis hatten. Ich bekomme so viele E-Mails und Zuspruch. Mein Großvater weinte sogar, als er den Song das erste Mal hörte. Er ist mit meiner Großmutter seit 63 Jahren glücklich verheiratet, aber anscheinend gab es wohl doch Gefühle für eine andere Frau in seinem Leben. Ich fragte nicht nach, warum er weinte. Das ist alleine seine Herzensangelegenheit. Aber das war ein ganz großer emotionaler Moment in meinem Leben. Echt Wahnsinn, was dieser Song alles bewegt hat.
teleschau: Umso erstaunlicher ist es, wie natürlich man Dich im Showbusiness bleiben lässt. Normalerweise machen findige Produzenten aus so hübschen Frauen wie Dir kleine Tanzpüppchen mit ordentlich Make-Up im Gesicht ...
Alison Sudol: Das heißt nicht, dass sie es nicht probiert hätten. Sätze wie: 'Aus Dir mach ich die neue Britney Spears' habe ich schon gehört. Wenn man in L.A. wohnt, sagt einem jeder, dass man ein Star werden kann. Ich lernte früh, dass solche Sprüche Quatsch sind. Für mich sind meine Songs das Wichtigste. Sie und das Klavier, das bin ich, und so soll mich das Publikum sehen. Ich will mich nicht selbst spielen, ich will ich selbst sein!
teleschau: Trotzdem gab es einen Ausflug in die Schauspielerei: In einer Folge der Serie 'CSI: New York' spielst Du die Musikerin Nova Kent.
Alison Sudol: Das ganze Schauspiel-Ding macht mir echt Angst! Sie suchten damals schnell Ersatz für jemanden, der ausfiel. Ich weigerte mich anfangs und sagte denen, dass ich ihnen alles versauen würde, weil ich einfach nicht schauspielen kann. Aber die Leute meinten, ich solle die Herausforderung ruhig annehmen, ich würde es bestimmt schaffen. Naja, ich gab nach, und es klappte doch ganz gut. Komisch war, dass ich vor der Kamera sprechen und nicht singen sollte. Das fiel mir schwer, beinahe hätte ich aus der Episode eine Musical-Folge gemacht! (lacht)
teleschau: Auf 'One Cell In The Sea' hast Du mit vielen berühmten Musikern zusammengearbeitet.
Alison Sudol: Die meisten Kontakte fädelte die Plattenfirma ein. Doch mit dem Songwriter Gus Black war das so eine typische Neue-Medien-Story: Ich entdeckte seine Seite auf MySpace und habe ihm geschrieben, weil mir seine Musik so gut gefiel. So kam er auf meine MySpace-Seite, wo er meine Musik hörte. Die mochte er wohl, wir schlossen Freundschaft, arbeiteten zusammen, schrieben den Song 'Borrowed Time', und jetzt ziehe ich sogar in Sichtweite seines Hauses. Purer Zufall!
teleschau: Was sind für Dich die besten Bedingungen, um einen Song zu schreiben?
Alison Sudol: Ein Piano und ein bisschen Ruhe sind natürlich ideal. Die besten Ideen habe ich spät in der Nacht, wenn ich schläfrig werde. Im Halbwachen habe ich die meiste Ruhe, werde nicht vom Leben und der Hektik abgelenkt. Vielleicht singe ich deshalb fast nur Balladen, weil ich immer schon fast schlafe, wenn ich schreibe. (lacht)
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