TV Star Portrait
Rita Russek - 'Lasst mich doch was spielen!'
Rita Russek spielt in 'Utta Danella: Das Geheimnis unserer Liebe' (ARD, Fr., 28.03., 20.15 Uhr)
Von Wilfried Geldner 25. Feb 2008, 08:59

'Wilsberg': Am Schauplatz Münster fühlt sich Rita Russek als Hauptkommissarin Anna Springer äußerst wohl. Sie mag ihre 'heilige, blöde' Filmfamilie. © ZDF
'Könnte man sich nicht einfach weiterhin dem Wahren, Schönen, Guten verpflichtet fühlen?', fragt Rita Russek, während sie an ihrer gewissermaßen heimlich angezündeten Zigarette zieht. Die Zeit des bayerischen Rauchverbots ist noch neu - gerade hat die Phase der strengeren Bestrafung begonnen. Rita Russek fragt daher eine Pressebetreuerin, ob man hier nicht in einer geschlossenen Veranstaltung sei - und erntet schon mal einen entsetzten Blick. Aber auf die Zigarette zum tiefschwarzen Kaffee - eine von insgesamt fünfen am Tag - will sie nicht verzichten. Muss ja auch nicht sein.

Was das wahre Schöne anbetrifft, so ist damit das Fernsehen als solches gemeint und dessen bisweilen die tiefsten Niederungen streifende Qualität. Um die Verfilmung eines Utta-Danella-Romans, die den hübschen Titel 'Das Geheimnis unserer Liebe' trägt, schlägt sie erst einmal einen gekonnten Bogen, indem sie sich ins große Ganze rettet.
Rita Russek spielt in der Frauenroman-Verfilmung eine Witwe, die nach dem Tod ihres Mannes erfahren muss, dass der Verflossene zu Lebzeiten eine andere hatte. Ein herbe Erfahrung, mit der zu leben sie lernen muss. Das im Film unbeschwert anmutende Leben rund um den Starnberger See hilft ihr dabei.

Wenn Rita Russek das Starnberger Melodram aus ihrer Sicht beschreibt, entsteht daraus ein Stück, das von Ibsen oder Schnitzler stammen könnte, jedenfalls bis weit hinein in die Region des Wahren reicht. 'Eine Frau lernt Abschied zu nehmen von ihren Illusionen', sagt sie über ihre Rolle. 'Sie findet zu einer Neueinschätzung ihrer eigenen Person und lernt, Menschen zu verzeihen.'
Bei Ingmar Bergman hat sie gespielt, am Münchner Residenztheater in den 80er-Jahren, später inszenierte sie dann auch selbst - unter anderem Bergmans 'Szenen einer Ehe', nicht zuletzt, weil ihr der Regisseur exklusiv die Theaterfassung überließ.

15 Jahre lang habe sie 'Theater exekutiert', wie sie mit den Worten des 2003 verstorbenen Freundes und Kollegen Erich Hallhuber sagt.
Gelernt ist gelernt, meint sie damit. Umso größer war daher die Verwunderung, als sie sich später in ihrer Rolle als Lebensgefährtin des Stuttgarter 'Tatort'-Kommissars Bienzle allzu oft ins Marginale gedrängt wiederfand.
'Lasst mich doch mal was spielen - und nicht nur immer die Teekanne tragen', habe sie damals zu den Stuttgarter Verantwortlichen gesagt. Manchmal sei sie für die Rolle morgens nur in die Maske gegangen und dann am Abend wieder nach Hause gefahren, sagt sie ein wenig übertreibend.

Ihr Vorschlag, sie im Film für längere Zeit in die Toskana fahren und mit Bienzle nurmehr von dort aus telefonieren zu lassen, wurde leider nicht akzeptiert.
Die Toskana, Italien, ist, so muss man wissen, längst ihre zweite Heimat geworden. Dort und in München lebt sie mit dem Schauspieler und Regisseur Bernd Fischerauer, es gibt viel zu tun auf dem Grundstück am Meer.
Nein, mit Dietz-Werner Steck, dem 'Bienzle'-Darsteller, sei sie nicht befreundet gewesen. Die intime Wirkung habe auf der Kunst beruht, 'die Struktur zu halten und immer wieder schnell zu finden'. Beim Publikum habe ihre Beziehung zu Bienzle 'eine Riesenakzeptanz' gehabt.

Immer wieder wurde der Autor Felix Huby danach gefragt, wie es denn weitergehe mit den beiden: 'Wann heiraten sie denn?'
Inzwischen ist, wie man weiß, Rita Russek in Münster beim ZDF zur Hauptkommissarin der dortigen Mordkommission aufgerückt, wo sie sich mit dem Antiquar und Privatdetektiv Wilsberg fast ein wenig so wie mit dem Bienzle reibt. 'Ich mag diese heilige blöde Familie', sagt sie, 'den Wilsberg, die Alex und den Manni. Das ist ein prima Team.' Überhaupt Münster: 'Lauter freundliche Leute, eine lebendige Stadt, und immer schönes Wetter! Fürs Drehen a g'mahde Wies'n, wie man in München sagt.

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