Musik Kritiken
CD Kritik: Dinosours In Rocketships von Trip Fontaine
Von Kati Hofacker 19. Mär 2008, 08:57

Rodgau galt in früheren Zeiten schon einmal als heimliches Zentrum der Rockmusik und als fruchtbarer Nährboden für die Entwicklung schräger junger Talente. Mit dem zweiten Album 'Dinosaurs In Rocketships' der Rodgauer Formation Trip Fontaine dürfte dem stillen Vorort Frankfurts eine Renaissance als Brutstädte lauter Musik beschert sein.
Bereits im Jahr 1998 wurde Trip Fontaine gegründet, damals als Iron Cow. Den inzwischen angenommenen Bandnamen Trip Fontaine wählten Klaus Herrmann und seine Mitstreiter nach einem sympathischen Charakter des Buches 'The Virgin Suicides' von Jeffrey Eugenides, ein bedrückender Roman über fünf Schwestern, die sich aufgrund der Repressalien ihrer überstrengen Eltern umbringen.
Aufruhr, Renitenz und 70-er assoziiert man also mit diesem Namen, und damit liegt man auch in der Beurteilung von Trip Fontaines Musik gar nicht so schlecht. Die Jungs aus 'Rockgau' verquicken das Gedankengut der Progrockzeit mit psychedelischen Elementen à la Yes, Elegien im Sinne von Emerson, Lake & Palmer (um nicht zu sagen Synthie-Dudeleien) und den abgehackten Rhythmen von Gentle Giant. Songtitel wie 'Shine On You Lazy Liaison' sprechen Bände.
Dazu aber packen Trip Fontaine eine zeitgemäße Portion Indie-Core und Punk, verzerren die Gitarren und packen - nach eigenen Angaben - auch noch Bebop und Ethno dazu, was man allerdings kaum hört. Die Jungs sind so realistisch, trotz ihrer Musik weiter zur Uni zu gehen, um Design zu studieren. Dieser intellektuelle Background tut ihrer Musik - und ihrem Humor - gut. Die Sounds zwischen Grunge, Punk, Prog, Alternative und Sonstwas-Core haben Tiefe und Schärfe, kokettieren rotzfrech mit New Yorker Künstlerposen und schwanken zwischen totalem Chaos und hinterfotzig durchdachtem Konstrukt, das die Unorganisiertheit nur vorgaukelt. Hin und wieder übernimmt aber doch eine wunderschöne Melodie die Regie ('Failures Of Repute', 'Some Use Many Eyes'), die so überirdisch ist, dass man sich wiederum an die 'Virgin Suicides'-Musik von Air erinnert fühlt. So wird die Sache rund. Große Stückzahlen dürften die fünf bunten Jungs aus dem grauen Rodgau nicht verkaufen, aber das spricht eigentlich für ihre Qualität.
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Haraldmann17. Nov 2008, 01:44
find ich auch
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