DVD Kritiken
DVD Kritik: Maqbool
Von Lars Besten 21. Mär 2008, 18:01

Ich bin, dass gebe ich jetzt hier mal offen zu, noch Jungfrau. Zumindest, was Bollywoodfilme angeht. Gut, ich hab mal einen halben gesehen, aber da ging es auch um einen Geisterjäger. Geisterjäger sind cool, hab ich gedacht, aber selbst dieser Plot hat mich in der obskuren Mischung aus knalligen Farben und den berühmt berüchtigten eingestreuten Tanzeinlagen nicht davon abhalten können, nach der Hälfte auszuschalten.
Und jetzt liegt mir "Maqbool" vor, die indische Variante vom klassischen Macbeth. Quasi Shakespeare auf Curry. Aber das ist ja auch nicht so weit hergeholt, wenn man an die Kolonialgeschichte des Landes denkt. Deswegen herrscht im Film auch Linksverkehr.
Dem nicht genug wurde nicht nur der Handlungsort, sondern auch die Handlungszeit verändert und das Ganze in die Jetzt-Zeit verlegt.
So ist der König dann auch kein König, sondern ein alternder Mafiaboss, der mit seinem Clan Bombay in Schach hält. Seine rechte Hand und engster Vertrauter ist Maqbool, den er behandelt, wie den Sohn, den er niemals gehabt hat. In dieser Position strebt er die Nachfolge des Paten an, doch wird ihm diese von Gudda, dem Geliebten der Tochter des Mafiabosses streitig gemacht, woraufhin er diesen mit einer Finte nach Mauritius verfrachtet, während er ein Verhältnis mit der Frau des Paten eingeht. Schließlich ist es dann auch diese, die ihn vor die Wahl stellt, sich entweder ihr oder ihres Mannes zu entledigen.
Der alte Mann wird also flux im Schlafe über den Jordan, bzw. den Ganges geschickt.
Von da aus nimmt das Verderben seinen Lauf.
Es ist erstaunlich, wie flüssig und konsequent die altertümliche Handlung in die Gegenwart übertragen wurde, so nehmen zum Beispiel zwei korrupte Polizisten, die mit Hilfe von Süßigkeiten Horoskope legen ("Iß nicht den Saturn, iß lieber den Mars!"), die Stelle der Hexen aus Macbeth ein.
Unfreiwillig komisch wirkt hingegen die schauspielerische Leistung von Pankaj Kapur, der den Mafiaboss natürlich in klassischer Marlon Brando Manier gibt, dabei aber eher wirkt wie Bill Murray in einer brillanten Persiflage. Ebenso tut Irfan Khan als Maqbool nicht viel mehr als mürrisch in die Gegend zu starren und sich über den Kopf zu streichen.
Mal abgesehen davon, weiß der Film aber durchaus zu überzeugen und die Bollywood Klischees halten sich sehr im Hintergrund. Es gibt nur drei Songs, wovon einzig der bei der Hochzeit mit einer Tanznummer versehen ist und auch die, über weite Strecken sehr düstere Atmosphäre ist für indische Maßstäbe wohl eher ungewöhnlich.
Aber es scheint relativ einfaches Hindi zu sein… nein, mal ernsthaft, ich hab keine Ahnung.
Dazu, ob der Film bis zur Veröffentlichung noch synchronisiert wird habe ich leider keine Informationen, so muß man sich eventuell mit den deutschen Untertiteln zufrieden geben.
Auch das Bonusmaterial ist mit einer Trailershow recht knapp ausgefallen, dafür weiß die Qualität zu überzeugen. Satte Farben und gute Bildschärfe lassen keine Wünsche offen.
Fazit: Maqbool ist durchaus ein recht unterhaltsamer Film, allerdings dürfte er die Fangemeinde der Bollywood Cineasten wohl eher enttäuschen, weil er dafür einfach zu "westlich" geraten ist. Auf der anderen Seite ist der normale Filmkonsument natürlich direkt skeptisch, wenn er an indische Filmkost denkt. So wird es "Maqbool" schwer haben seine Anhänger zu finden, obwohl er qualitativ überzeugen kann.
Einem Klassiker wie "Macbeth" kann anscheinend nichts etwas anhaben, auch nicht wenn er mit Reis und Chutney serviert wird.
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()












kash 2. Apr 2008, 19:04
Hallo schöne Kritik. Ich werde mir diese DVD kaufen, da ich schon Omkara von diesem Regisseur gesehen habe. (Othello auf indisch) Ach ja, es gibt sehr viele Bollywood Filme in diesem düsteren Stil. RTl 2 zeigt leider meistens nur die bunten Filme.
Diesen Kommentar melden