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Film Kritik: Jumper

Action für die Generation Mobil

Von Andreas Fischer 21. Mär 2008, 08:59

Action für die Generation Mobil: Doug Limans 'Jumper' ist verwechselbares und konventionelles Popcornkino. © Kinowelt

Action für die Generation Mobil: Doug Limans 'Jumper' ist verwechselbares und konventionelles Popcornkino. © Kinowelt

Viel Lärm um nichts: 'Jumper' ist ein konventioneller Actionfilm, der sein Potenzial gnadenlos verschenkt.

'Jumper' ist ein Film für die Generation Mobil. Sie will überall gleichzeitig sein, und sie kann es sogar. Nicht so extrem, wie die Protagonisten des Actioners von Doug Liman ('Die Bourne Identität', 'Mr. & Mrs. Smith'), die über die besondere Fähigkeit verfügen, sich an jeden Ort der Welt teleportieren zu können. Aber spontane Samstagsausflüge nach London, Paris, Mailand sind keine Unmöglichkeit.

David (Hayden Christensen) nutzt seine besondere Gabe nur für sein persönliches Vergnügen. © Kinowelt

David (Hayden Christensen) nutzt seine besondere Gabe nur für sein persönliches Vergnügen. © Kinowelt

Mittlerweile hat sich wegen des starken Euros sogar eine Art Schnäppchentourismus nach New Yorks etabliert - hinfliegen, einkaufen, ein Mal billig übernachten, zurückfliegen. So schön kann die kleiner gewordene Welt sein. Mit diesem Zeitgeist im Gepäck dürfte 'Jumper', der weltweit bereits mehr als 150 Millionen Dollar einspielte, auch beim hiesigen jungen, hippen, sich auf dem Globus auskennenden Publikum ankommen.

Allerdings entpuppt sich der Film schnell weniger hip als es die zugrunde liegende Idee von Drehbuchautor David S. Goyer ('Blade', 'Batman Begins') vermuten lässt.

Der Rebell unter den Springern: Jamie Bell spielt den Jumper-Punk Griffin. © Kinowelt

Der Rebell unter den Springern: Jamie Bell spielt den Jumper-Punk Griffin. © Kinowelt

'Jumper' ist konventionell, unentschlossen und im Grunde eine einzige verschenkte Möglichkeit. Action, Fantasy, Coming of Age, Liebesromanze - Doug Liman bedient sich bei allen Genres, aber schafft es nicht, die Versatzstücke zu einer spannenden Einheit zusammenzufügen. Hätte er sich bloß auf eine Sache konzentriert ...

Zum Beispiel auf die Einsamkeit des Superhelden. David Rice (Hayden Christensen), von der Mutter verlassen und Außenseiter an der High School, begreift in der Eingangssequenz, die recht virtuos mit den Ängsten und Sorgen des Teenagerlebens spielt, dass er anders ist.

Der oberste Paladin Roland (Samuel L. Jackson) will die Jumper auslöschen. © Kinowelt

Der oberste Paladin Roland (Samuel L. Jackson) will die Jumper auslöschen. © Kinowelt

Er kann sich innerhalb von Sekundenbruchteilen an jeden beliebigen Ort der Welt teleportieren. Das macht er zum ersten Mal, um einem Schulhofrüpel zu entkommen. Kurze Zeit später besorgt er sich auf illegale Weise ein schickes Apartment und einen Schrank voll Geld. Und da ist man auch schon mittendrin in der Geschichte. Beziehungsweise in den schön fotografierten Postkartenmotiven, die sie ersetzen.

Denn David gehört nicht nur zur Generation Mobil, sondern auch zur Generation Egal. Er frühstückt auf der Sphinx, trinkt Kaffee in Paris und geht abends in London auf Mädchenfang. Von wegen Superheld.

Der Sonnenaufgang sieht von der Sphinx umwerfend aus - David (Hayden Christensen) teleportiert sich immer dorthin, wos ihm gefällt. © Kinowelt

Der Sonnenaufgang sieht von der Sphinx umwerfend aus - David (Hayden Christensen) teleportiert sich immer dorthin, wo's ihm gefällt. © Kinowelt

Er ist ein Kind seiner Zeit, gedankenlos, spaßorientiert, selbstgefällig. Bis hierher kann sogar der unglaublich blasse, Charisma-freie Hayden Christensen die Rolle schultern. Der als Anakin Skywalker berühmt gewordene Mime muss nicht viel mehr tun, als schicke Klamotten tragen und sein ebenmäßiges Gesicht regungslos in die Kamera halten.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: David will seine Jugendliebe Millie (Rachel Bilson) erobern und lernt Griffin (Jamie Bell) kennen, einen weiteren Jumper. Sie alle werden von Samuel L. Jackson mit lustig blondierten Haaren verfolgt. Der spielt den Paladin Roland, einen geheimnisvollen Krieger, der zu einer Kaste gehört, die seit Jahrhunderten mit inquisitorischem Eifer alle greifbaren Jumper vernichtet. Die Postkartenmotive werden fortan um Actionsequenzen erweitert: splitterndes Glas, schnelle Autos, explodierende Trucks. Und zwar in Tokio, New York, Rom und der Sahara. Innovativ ist das zwar nicht, sieht aber manchmal sogar richtig elegant aus.

Mit schicken Nachzieheffekten und schnellen Schnitten werden dramaturgische Schwächen überspielt, die einzelnen Handlungsstränge dabei schlichtweg ins Leere geschickt. Liebesgeschichte - war da was? Der Krieg zwischen Jumper und Paladine? Keine Erklärung notwendig! Zweifel eines potenziellen Helden, oder wenigstens seine Läuterung, um Verantwortung zu übernehmen? Konflikte zwischen dem oberflächlichen David und dem unangepassten Jumper-Punk Griffin? All das verbrennt im Feuer der finalen Explosion oder geht im von den Jumpern unterbrochenen Raum-Zeit-Kontinuum unter.Oberflächlich und verschenkt - Doug Liman lässt die vielen Möglichkeiten der Geschichte (und das Potenzial von Jamie Bell) liegen. Stattdessen gibt es kompakte Action auf einer nicht einmal 90-minütige Weltreise. Wirklich langweilig ist das nicht, wirklich fesselnd aber auch nicht. Dafür provoziert das Drehbuch am Ende mit einem Kurzauftritt von Diane Lane als Davids Mutter geradezu ein Sequel. Wenn sich dafür ein mutiger, innovativer Regisseur findet (und ein anderer Hauptdarsteller), dann könnte die Geschichte sogar noch mal interessant werden.

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Film Information

Starttermin: 2008-03-27
Regisseur: Doug Liman
Genre: Action
Bewertung: akzeptabel

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Jumper - So. 27.11 - ProSieben: 20.15 Uhr

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