Handheld Reportagen
Dickes Ding oder faules Ei?
Aktuelle Handheld-Games im Test-Überblick
Von Gerd Hilber 24. Mär 2008, 08:56

'Arctic Tale' ist auf den ersten Blick niedlich, auf den zweiten sogar etwas lehrreich, dann doch aber ziemlich öde. © dtp
Blutrünstige Spartaner, niedliche Eisbären, plärrende Babys, hässliche Blechbeulenpest - pünktlich zu den Osterfeiertagen fluten die Softwarehersteller mit unzähligen Neuveröffentlichungen den Markt. Vor allem Handheld-Spieler stehen dabei vor der Qual der Wahl - manchmal auch vor der Wahl der Qual. Ein Test-Querschnitt durch alle Genres, Altersgruppen und Ansprüche ...
'Arctic Tale' (Wii, NDS, ca. 30 Euro): Der Knut- und Flocke-Faktor ist hier ernorm, der Unterhaltungswert tendiert jedoch gen Nullpunkt.
Mit einem niedlichen Eisbärjungen, einem flinken Polarfuchs und einem fetten Walross suchen vornehmlich jüngere Spieler karge Schneelaybrinthe nach Futter und Fun ab. Letzteren sollen vor allem ein paar Minispiele wie Curling bringen, dennoch mag der Funke bei dieser unterkühlten Umsetzung eines von National Geographic unterstützten Kinofilms nicht überspringen. Immerhin: Kindern wird ein wenig Wissenswertes über das Leben in der Arktis und die Folgen des Klimawandels beigebracht. Ein Kaufgrund ist das Informationsgestöber allerdings noch lange nicht. Gesamtnote: Ausreichend.
'Bleach: Shattered Blade' (NDS, Wii, ca.40 Euro): Das System macht den Unterschied: Auf der Wii erweist sich Segas Umsetzung eines hierzulande weitestgehend unbekannten Animes als stumpfsinnige Fuchtelei, NDS-Besitzer erwartet indes ein erstklassiges Beat'em-Up - sofern man sich für den Fernost-Import erwärmen kann.

Ein magisches Mädel will gerettet werden, weshalb es der Teenie Ichigo mit jedem aufnimmt, der sich ihm in den Weg stellt. Die ohnehin schon rasanten Prügeleinlagen werden durch den Einsatz sogenannter Geisterkarten, die man sich vor jedem Duell in ein Deck mischen darf, noch anspruchsvoller.
Hilft anfangs noch wildes Knöpfchendrücken, sieht man bei späteren Raufereien ohne die ausgelösten Zusatzeffekte kein Land mehr. Die Königsklasse stellen jedoch zweifellos die Multiplayer-Duelle dar, in denen sich bis zu vier DS-Spieler gegenseitig den Hintern versohlen dürfen - was mitunter ziemlich hektisch und unübersichtlich werden kann. Technisch hinterlässt das Game mit seinen rund 30 Charakteren, schön inszenierten Spezialattacken und den erstklassigen Sprachsamples einen hervorragenden Eindruck. Nur das Anime-Setting muss man mögen ... Gesamtnote: Gut.
Dr.Reiner Knizias Logic-Coach (NDS): Angestachelt vom Erfolg der Nintendo-Titel 'Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging' und 'Mehr Gehirnjogging', die bereits millionenfach über die Ladentheken wanderten, veröffentlicht Publisher Eidos nun das DS-Spiel 'Dr. Reiner Knizias Logik-Coach' an.

Der renommierte Spieledesigner und Autor, auf den bislang mehr als 400 Brettspiel- und Buchveröffentlichungen zurückgehen, steht hier für über 80 Herausforderungen Pate, mit deren Hilfe die grauen Zellen auf Trab gebracht werden sollen. Verpackt wurden die Denksportaufgaben in einer Art Horizont-Erweiterungstrip rund um die Welt.
So müssen Global Player in Mumbai Züge auf ihre Unterschiede überprüfen, während in der Bank von London rudimentäre Mathematikkenntnisse gefragt sind und in der Oper von Syndney das musikalische Gedächtnis trainiert wird. Nette Pimp-my-Brain-Knobeleien für zwischendurch - und der Reiner darf sogar geduzt werden ... Gesamtnote: Gut.
'Flatout Head On' (PSP, ca. 40 Euro) gleicht einer kleinen technischen Sensation. Irgendwie haben es die Entwickler geschafft, eine inhaltliche 1:1-Umsetzung des Xbox-360-Games 'Flatout Carnage' auf eine UMD zu pressen - inklusive aller Spielmodi, Wettbewerbe und einem Dutzend ziemlich kruder Spaßwettbewerbe.

Klar: Mit der HD-Grafik des Vorbilds kann die PSP-Fassung nicht dienen. Dennoch sieht das rüde Rennspektakel nicht zuletzt dank des ausgefeilten Schadensmodells unverschämt gut aus. Gelegentliche Ruckler können die Vollgas-Orgie nicht bremsen. Gesamtnote: Sehr gut.
'Germany's next Topmodel' (NDS, PC, ca. 35 Euro): Neue Staffel, neues Glück - so lautet nicht nur das Motto für die Kandidatinnen. Möchtegern-Beautys und am Re-Call gescheiterte Models lädt das DS-Game zur ProSieben-Casting-Show zu virtuellem Training ein. Ob das hilft, darf allerdings bezweifelt werden, denn als Germany's next Pixel-Schönheit muss man vor allem mit dem Stylus umgehen können.

In vier lahmen Competitions sollen Kleidungsstücke ausgewählt, Kosmetikprodukte aufgetragen und Posen eingenommen werden, alles durch reichlich Touchscreen-Gekritzel, garniert mit einer Handvoll abgedroschener Adventure-Elemente. Und von 'sexy Posing' oder 'Passion' kann bei der mediokren Grafik des Games keine Rede sein. Eltern, die sich über den in der Branche vorherrschenden Schlankheitswahn Sorgen machen, seien beruhigt: Der virtuelle Coach achtet penibel darauf, dass Models täglich einen Apfel zu sich nehmen. Gesamtnote: ungenügend.
'God of War: Chains of Olympus' (PSP, ca. 40 Euro): Ehe Kratos mit denen Titanen im dritten Teil der 'God of War'-Reihe den Olymp stürmt, meuchelt sich der blasse Spartaner auf der PSP durch seine Vorgeschichte - und durch die griechische Mythologie mit all ihren Bewohnern. Medusen, Minotauren, Zyklopen und Sirenen werden auf gewohnt brachiale Weise zu Hunderten über den Styx geschickt. Als Belohnung für die Neuzugänge in der Unterwelt winken verschiedenfarbige Orbs, die sich gegen neue Fähigkeiten und stärkere Waffen eintauschen lassen. Schade: Im Vergleich zu den göttlich spannenden Boss-Fights auf der PS2 lassen die dickeren PSP-Brocken jedoch etwas an Bombast vermissen. Was blieb, sind die 'Active Time Battles'. Bedeutet: Manch Getier wird auf besonders perfide Weise der Garaus gemacht, wenn die vorgegebene Tastenkombination richtig nachgedrückt wird.

Kleinere Rätsel unterbrechen den furiosen Klingentanz, sind aber kaum der Rede wert. Was erstaunt, ist die technische Finesse, die das Entwicklerteam Ready at Dawn bei der Götterdämmerung an den Tag legte. Trotz monströser Explosionen, gewaltiger Gegner, schöner Polygonbauten wie dem Tempel des Helios und einem hervorragend animierten Antihelden geht die Bildwiederholungsrate zu keiner Zeit in die Knie. Zwar reiht sich 'Chains of Olympus' hinter den umfang- und abwechslungsreicheren PS2-Vorgängern ein, beeindruckend ist das Ü-18-Game aber dennoch. Gesamtnote: Sehr gut.
'My little Baby' (NDS, ca. 40 Euro): Virtuelle Streichelzoos waren mal: Jetzt versucht dtp, DS-Spielern den hektischen Alltag junger Eltern näherzubringen. Die vom Publisher anvisierte Zielgruppe dieser Kleinkind-Simulation: 'große Schwestern, Babysitterinnen, Tanten, werdende Mütter und alle anderen Frauen jeden Alters'. Vielleicht mag es daran gelegen haben, dass es dem Tester - männlich, 30, kinderlos - beim Füttern, Windeln wechseln und Baden nicht warm ums Herz wurde.

Vielleicht aber auch daran, dass die genetisch nach eigenem Gusto zusammengestellte Tochter (asiatisch-afrikanisch, gewelltes rotes Haar, blaue Augen) bereits nach zwei Minuten krank war, übel roch und nach ihrem 'Anti-Hicks'-Schnuller aus dem Supermarkt verlangte. Völlig gaga: Um mit dem Kind verstecken zu spielen, muss man den DS schnell zu- und aufklappen und dann 'Kuckuck' rufen ... Gesamtnote: Fassungslos.
'Petz Hasenfreunde' (NDS, ca. 40 Euro): Nach Hunde- und Katzenfreunde kommen nun auch - passend zum Ostergeschäft - Karnickelliebhaber zum Zuge. Das Cover: herzallerliebst. Der Inhalt: das übliche Streichelzoogebaren. Nachdem man sich anfangs für ein Langohr (vier unterschiedliche Rassen stehen zur Auswahl) entschieden hat, wollen Zwerg-Rex und Widderkaninchen unnachgiebig gestreichelt, gefüttert, gebürstet und mit einer Handvoll Mini-Spiele unterhalten werden. Wer dann noch Zeit hat, kann sich als Hasenstall-Architekt versuchen oder sollte einkaufen gehen, denn die Viecher fressen und fressen und fressen. Als Dank gibt's putzige Animationen und ab und an ein nettes Grußwort der Flauschis. Allerdings ist die Halbwertszeit von virtuellen Kleintieren eher gering. In wenigen Tagen kommt bereits 'Hamsterfreunde' in die Läden ... Gesamtnote: Befriedigend. 'Puzzle Quest' (NDS, PS2, Wii, ca. 30 Euro): 'Xbox Live'-User kennen diese kleine Juwel schon seit Herbst letzten Jahres, nun kommt auch die restliche Zockerwelt in den Genuss der etwas gewöhnungsbedürftigen Mischung aus Rollen- und Puzzlespiel. Mit einem von vier Charakteren reist man durch Wälder, Städte und Dungeons, sucht nach Auftraggebern und neuen Gegnern. Der Clou des Ganzen: Anstatt zu kämpfen wird im Stil des Klassikers 'Bejeweled' geknobelt. Wer's nicht kennt: Unterschiedliche Kügelchen müssen so sortiert werden, dass sie mindestens eine gleichfarbige Dreier-Reihe ergeben. Besser: eine Vierer- oder Fünferreihe. Dann darf man gleich nochmal ran. Abhängig von der Heldenklasse können so unterschiedliche Fähigkeiten eingesetzt werden, die dem Feind das Leben zusätzlich schwer machen. Die spartanische Aufmachung vergisst man angesichts des nicht totzukriegenden Spielprinzips doch glatt. Gesamtnote: Sehr gut. 'The Fast & The Furious: Tokyo Drift' (PSP, ca. 30 Euro): Wie in der mittlerweile zwei Jahre alten Filmvorlage rasen Sony-Zocker mit ihren gepimpten Reisschüsseln durchs nächtliche Tokio. Drift-, Grip- und Straßenrennen sollen für Abwechslung sorgen. Doch die hakelige Steuerung, die öde Präsentation und die langen Ladezeiten sorgen dafür, dass das Game schneller aus der Konsole fliegt, als man 'PS' buchstabieren kann ... Gesamtnote: Mangelhaft.
© 2008 teleschau - der mediendienst

_1.jpg)
_1.jpg)
_1.jpg)





