Literatur Reportagen
US-Autorin Maya Angelou wird 80
Von Gisela Ostwald 3. Apr 2008, 10:33

Maya Angelou hat eine harte Kindheit hinter sich. © DPA
New York - Sie gilt als eine der wortmächtigsten Stimmen des schwarzen Amerikas. Dabei hatte Maya Angelou als Kind fünf Jahre lang kein Wort über die Lippen gebracht.
Vergewaltigt vom Freund ihrer Mutter, der kurz danach zu Tode geprügelt wurde, glaubte sie, dass jeder sterben müsse, dessen Namen sie ausspräche. Während des Schweigens entdeckte Maya ihre Leidenschaft für Sprache, versuchte, den ganzen Körper «in ein Ohr zu verwandeln», wie sie Jahre später in ihrer ersten Autobiografie «Ich weiß, dass der gefangene Vogel singt» («I Know Why the Caged Bird Sings») erzählt.
Einem Lehrer gelang es schließlich, die Zwölfjährige wieder zum Sprechen zu bringen. Er machte ihr klar, dass sie Lyrik erst dann richtig schätzen könne, wenn sie die Wörter selbst artikuliere. Aus dem stummen Mädchen wurde eine berühmte Schriftstellerin, Dichterin, Literaturprofessorin, Tänzerin, Schauspielerin, Regisseurin und aktive Bürgerrechtlerin.
Maya Angelou feiert am 4. April ihren 80. Geburtstag. Die «Chicago Sun-Times» rühmte ihr Schreiben als «so sanft wie ein Nebelschleier und so gewaltig wie ein Sonnenaufgang». Ihr Kollege James Baldwin hielt Angelou zugute: Sie «geht ihr eigenes Leben mit solch tiefer Verwunderung, solch strahlender Würde an», dass ihm «die Worte für diese Leistung fehlen».
Tatsächlich schöpft Angelou, wenn sie zur Feder greift, vor allem aus ihrem eigenen prallen Leben. Sechs Memoiren hat sie verfasst und etwa ebenso viele Bänder mit Poesie. Berühmt wurde sie 1970 mit ihren Kindheits- und Jugenderinnerungen («I Know Why the Caged Bird Sings»). Darin schildert sie ihr Aufwachsen bei der puritanischen Großmutter im ländlichen Süden, die Zwischenstationen bei der Mutter sowie ihre Schwangerschaft als 16-Jährige. Das Buch wurde weltweit in mehr als einer Million Auflage verkauft und später auch verfilmt.
«Gather Together In My Name» beschreibt sehr eindringlich die Schwierigkeiten der noch blutjungen Mutter, ihren Platz in der Welt zu finden. Ständig auf der Suche, hangelt sich Maya Angelou von Mann zu Mann und von Job zu Job. Sie tanzt und singt auf Bühnen, in Bars, geht als Ensemble-Mitglied für «Porgy and Bess» mit auf Europa- und Asientournee. Von ihrer turbulenten Zeit Ende der 50er Jahre in New York berichtet sie in «The Heart Of A Woman».Auf Nachtclubs, die Fürsorge für ihren Sohn Clyde «Guy» Johnson und diverse Liebesgeschichten folgt der Einsatz für Martin Luther King und seine Bürgerrechtsbewegung «Southern Christian Leadership Conference». 1961 zieht es sie nach Ägypten und nach Ghana, wo sie für Zeitungen und als Musik- und Kunstprofessorin arbeitet.Gedichtbände wie «Just Give Me A Cool Drink of Water 'Fore I Die», «Still I Rise», «Now Sheba Sings the Song» und «I Shall Not Be Moved» werden zum Erfolg. Auch der frühere US-Präsident Bill Clinton ließ sich von der wortgewaltigen Vertreterin seines Heimatstaates Arkansas beeindrucken: Angelou durfte bei seiner Amtseinführung ihre Ode «Am Puls des Morgens» vortragen - eine Ehre, die außer ihr nur einem anderen Dichter in der US-Geschichte zuteilwurde: Robert Frost bei John F. Kennedys Amtsübernahme.
© 2008 dpa - Deutsche Presse-Agentur
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