Er ist kein Lautsprecher, er setzt seinen Humor niemals unter der Gürtellinie an, und er ist unprätentiös genug, um es zu vermeiden, allein durch sein Auftreten die Lacher auf sich zu ziehen. Bernhard Hoëcker will mehr als eindimensionales Gebrüll. Schlagfertig, witzig, ein bisschen schräg durch die Hintertür kommend und mit einer umfassenden Allgemeinbildung gesegnet - so kennt das Fernsehpublikum den 38-jährigen Witzbold seit vielen Jahren aus Sendungen wie 'Switch', 'Was denkt Deutschland', 'Schillerstraße', 'Genial daneben' und vielen anderen Comedyformaten. Auch in seinem zweiten Bühnenprogramm 'Ich hab's gleich!' (Fr.
Ist er nun ein Star oder nicht? Comedian Bernhard Hoëcker wird natürlich überall erkannt. © Sat.1 / Frank Hempel
'Ich kann eben auf der Klaviatur des guten Eindrucks hervorragend spielen': In 'Genial daneben' fällt Bernhard Hoëcker unter anderem durch seine Allgemeinbildung auf. © Sat.1 / Frank Hempel
, 18. und 25. April, 0.15 Uhr, Sat.1), das der Bonner Comedian bereits über 140-mal spielte, präsentiert er 'Gedankenlogistik vom Feinsten'.
teleschau: Herr Hoëcker, seit 2005 touren Sie mit Ihrem Programm durch Deutschland - das nimmt Dylan-mäßige Züge an ... Ist das Ihre Art, endlich den alten Jungmännertraum von 'Sex, Drugs und Rock'n'Roll' auszuleben?
Bernhard Hoëcker: (lacht) Ja, wahrscheinlich schon. Obwohl, eigentlich stimmt das nicht: Ich fing mit diesen Liveauftritten schon als Junge an: als Jongleur bei Kindergeburtstagen. Später machte ich das bei Hochzeiten, Beerdigungen, Betriebsfeiern ...
Steht auf Heavy Metal: Bernhard Hoëcker. © Sat.1 / Stefan Menne
Mit Bastian Pastewka gründete ich Anfang der 90-er die 'Comedy Crocodiles', dann folgte mein erstes richtiges Bühnenprogramm, die Aufritte wurden eigentlich immer professioneller, größer - unterbrochen nur von ein paar Jahren für die Fernseharbeit.
teleschau: Was ist das Schöne am Touralltag?
Hoëcker: Dass es die Leute prinzipiell nett finden, dass ich zu ihnen komme. Je kleiner das Dorf, um so freundlicher die Menschen. Und: Ich lerne Deutschland kennen. Keine Autobahn, auf der ich noch nicht gefahren bin. Wenn ich um einen Auftritt herum ein bisschen Zeit habe, dann schaue ich mir die Gegend an. Es ist also ein bisschen wie Urlaub mit einer Stunde Arbeit am Ende. Die Arbeit selbst ist extrem direkt: Die Leute sitzen meistens weniger als zwei, drei Meter von mir entfernt, ich merke sehr schnell, ob ein Gag funktioniert. Das brauche ich.
teleschau: Jeder Abend eine andere Stadt und ein anderes Hotel - ist das schön?
Hoëcker: Nein, ständig die Hotels zu wechseln, ist lästig. Ich würde viel lieber mit dem Wohnmobil durchs Land fahren - wenn ich es nur nicht selber sauberhalten müsste. Es geht eigentlich ganz gut, weil ich versuche, meine Hobbys einfach mobil zu halten. Ich habe Puzzles und DVDs dabei und alles, was ich zum Geocachen (eine Art High-Tech-Schnitzeljagd mithilfe eines GPS-Empfängers, Hoëcker veröffentlichte 2007 das Buch: 'Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers. Mit Geocaching zurück zur Natur', D. Red.) brauche.
teleschau: Gar keine Backstage-Partys? Gibt es denn keine Comedian-Groupie-Szene?
Hoëcker: (lacht) Also, was da abgeht, ist so wild, dass es nichts für die Presse ist. Es gibt natürlich schon so etwas wie Fans. Ich weiß von Kollegen, bei denen sitzen 50-mal hintereinander die gleichen Damen in der ersten Reihe. Sogar ich erkenne manchmal ein paar Gesichter wieder ... Ich weiß gar nicht, wieso. Wahrscheinlich, weil Comedians immer mehr zu Popstars werden, oder?
teleschau: Fühlen Sie sich denn als Popstar?
Hoëcker: Wenn ich wüsste, was das ist. Warten Sie, ich google das gleich mal. Ich habe ja nicht umsonst vier Rechner herumstehen ....
teleschau: Sie sind ein Computer-Nerd ...
Hoëcker: Davon können Sie ausgehen. Ah, jetzt hab' ich's: Laut Wikipedia ist 'ein Star eine prominente Persönlichkeit. Der Begriff bezieht sich vor allem auf Schauspieler oder Musiker, aber auch Sportler und Politiker können als Stars gelten.' Dann vielleicht auch Comedians, oder? Also, ich glaube, ich bin einer. Kommt jetzt noch auf die Definition des Wortes 'prominent' an ...
teleschau: Die meinen vielleicht Leute wie Robbie Williams ...
Hoëcker: Dann bin ich doch keiner, ich sehe nämlich viel besser aus.
teleschau: Sie outen sich auf Ihrer Homepage als echter Rockfan ...
Hoëcker: Nennen Sie das bloß nie öffentlich Rock, sonst bekommen Sie richtig Ärger mit der Heavy-Metal-Fraktion. Ich höre Bands wie Blind Guardian, Gamma Ray, Helloween ...
teleschau: Gehen Sie manchmal ins Konzert?
Hoëcker: Eher selten. Denn für mich sind Konzerte leider keine wirkliche Entspannung. Zuletzt war ich bei Nightwish. Da gibt es Momente, etwa wenn eine schöne Ballade gespielt und man von Emotionen durchwühlt wird. Und im selben Moment werden auch andere, neben dir herumstehende Männer von Emotionen durchwühlt, können damit aber nicht umgehen und fangen an zu maulen: 'Ey, Kacke, was soll das hier mit den blöden Emotionen. Komm' wir quatschen lieber mal den Hoëcker an!' Beim Konzert gab's echt Leute, die liederweise mit dem Rücken zur Band standen, um mich anzustarren. Warum denn das?
teleschau: Vielleicht weil Sie offensichtlich doch ein Popstar sind. Das vergällt einem ganz schön den Alltag, oder?
Hoëcker: Ich zitiere da gerne Harrison Ford: Mit steigender Popularität nehmen auch die Nachteile zu, aber noch mehr die Vorteile. Also ehrlich: Wenn es umgekehrt wäre - ich gehe zum Konzert, und keiner erkennt mich -, dann wäre es schlimmer. Wer im Fernsehen arbeitet, und die Öffentlichkeit nicht mag, macht etwas falsch. Ich maule also nicht. Bei Nightwish konnte ich zwar das Konzert nicht richtig genießen, aber ich hatte danach Gelegenheit, die Band zu treffen, das hat mich mehr als entschädigt.
teleschau: Warum diese Art von Musik?
Hoëcker: Weil sie eine ungeheure emotionale Kraft ausstrahlt. Ich höre das beim Autofahren oder zu Hause beim Büro aufräumen ...
teleschau: Fällt die Resonanz auf Ihre Auftritte regional unterschiedlich aus?
Hoëcker: Komischerweise nicht. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber mein Programm scheint überall in Deutschland gleichermaßen zu funktionieren. Wieviele Menschen haben mir gesagt: 'Mensch, wie kannst du ausgerechnet in Fürth dein Liveprogramm aufzeichen?' Die hatten wohl Bedenken wegen des Dialekts der Leute, aber siehe da, es ist richtig gut geworden. Magengrummeln bekomme ich nur, wenn ich an Paderborn denke. Da hatte ich einen richtig schlechten Auftritt.
teleschau: Was macht einen solchen aus?
Hoëcker: Also zunächst: Es gibt kein schlechtes Publikum, sondern nur schlechte Künstler. Es muss an mir gelegen haben. Der Künstler hat die Aufgabe, die Leute zu unterhalten, nicht umgekehrt - auch wenn ich das selber lieber gerne umgekehrt hätte. Was ich sagen will: Ich lebe vom Mitspiel des Publikums, davon, dass die Leute von Anfang bis Ende mit mir ihren Spaß haben. Aber damals in Paderborn spielte keiner mit, kein Lacher, der mich unterbrach, kein Zwischenruf ... Die hörten einfach zu. Also klebte ich ein bisschen frustriert an meinem Text und spulte mein Programm runter. Am Ende sind doch tatsächlich alle aufgesprungen, um zu toben und zu feiern, die waren richtig begeistert. Unfassbar.
teleschau: Wann merkten Sie eigentlich zum ersten Mal, dass Sie Leute unterhalten können?
Hoëcker: Es war mehr ein Prozess. Obwohl, ich erinnere mich jetzt spontan an einen besonderen Moment, als ich ungefähr 20 Jahre alt war: Das war bei 'Rhein in Flammen', wo ich gemeinsam mit einem Freund mit Fackeln jonglierte, um uns herum ein riesiger Pulk Menschen. Und plötzlich fingen wir an, die Leute so richtig zu unterhalten, und die machten spontan mit. Vielleicht war er das, mein großer Tag. Ich merkte jedenfalls, dass mich das glücklich macht.
teleschau: Sie beendeten Ihr Studium der Volkswirtschaft bereits nach dem Vordiplom.
Hoëcker: Ja, ich wollte damals erst Deutsche Bank Chef werden, dann verwarf ich den Plan aber wieder.
teleschau: Bereuen Sie, dass Sie nicht weiterstudierten und heute im Nadelstreifenanzug in irgendeiner Chefetage sitzen?
Hoëcker: Ein bisschen schon. Nicht wegen den Nadelstreifen, sondern weil ich einfach unheimlich an dieser Art Wissen interessiert bin. Was ist gerade High-End in der VWL? - Das ist spannend. Ich bin unheimlich neugierig, in mir steckt, wenn Sie so wollen, ein Wissenschaftler. Wenn Sie mich mal in einem Paralleluniversum interviewen, dann bin ich vielleicht ein berühmter Forscher. Oder eher doch ein Heavy-Metal-Star ...
teleschau: War das also doch Ihr heimlicher Jugend-Traum: Mit E-Gitarre und Lederklamotten auf der Bühne stehen und Rockchicks abschleppen?
Hoëcker: Vor allem das Abschleppen. Ja. Das war und blieb leider ein Traum ... Im Ernst: Noch heute lebe ich das ein bisschen aus. Wenn ich auf der Bühne stehe, dann rocke ich auch immer ein bisschen herum mit E-Gitarrensound und so. Natürlich nicht in dem Maße, wie ich das gerne hätte, dann würde keiner mehr in meine Show gehen.
teleschau: Wie weit ist es mit Ihrer Musikalität bestellt?
Hoëcker: Als Kind spielte ich mal Blockflöte, das war's. Aber vor einem Jahr habe ich mir ein E-Schlagzeug gekauft. Da sitze ich nun unterm Dach mit Kopfhörern, habe die CD von einer Band namens Schandmaul im Player und spiele die ganze Zeit wilde, bösartige Metal-Grooves nach.
teleschau: Der nötige Ausgleich zum Comedian-Dasein?
Hoëcker: So kann man das eigentlich nicht sehen. Ich mache das, wie alles andere auch, weil es mir Spaß bringt. Der Sinn meines Lebens besteht darin, Spaß zu haben - was nicht so abgehoben gemeint ist, wie es klingt. Mit Spaß meine ich nicht Fun. Sondern, sagen wir Zufriedenheit.
teleschau: Macht Wissen Spaß? Jeder 'Genial daneben'-Fan staunt über Ihre Allgemeinbildung.
Hoëcker: (lacht) Ich kann eben auf der Klaviatur des guten Eindrucks hervorragend spielen. Nein, im Ernst: Wenn man sehr neugierig ist, lässt es sich nicht vermeiden, dass ein Teil einfach hängenbleibt.
teleschau: Aber das klappt nicht bei jedem gleich gut!
Hoëcker: Also gut, ich erzähle Ihnen meine neueste Theorie dazu: Man merkt sich Sachen besonders gut, wenn man starke Emotionen dabei hat. Ich bin ein emotionaler Mensch, also fällt mir das Aufnehmen von Wissen vielleicht leichter ... So kommt es, dass ich vielleicht sogar von Wissen abhängig bin. Hoëcker im Wissensrausch, das ist gut.
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"Cover me" in Köln]"Bernhard Hoëcker" (* 20. März 1970 in Neustadt an der Weinstraße) ist ein deutscher Schauspieler, Komiker und Moderator.Bekannt wurde Hoëcker vor allem durch die Parodiesendung "Switch" ....
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