Wissenschaft Nachrichten
Mögliche Behandlung der Multiplen Sklerose entdeckt
Von Gaby Schulemann-Maier 18. Apr 2008, 17:44
Einen neuen Ansatz für eine mögliche Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) haben deutsche Wissenschaftler jetzt offenbar gefunden. Das Team der Universität Würzburg hat eine Gruppe von Überwachungszellen des Immunsystems, die sogenannten T-Zellen, genauer untersucht. Diese Zellen stehen in Verdacht, bei MS-Patienten die Umhüllung der Nervenzellfortsätze im Gehirn und im Rückenmark anzugreifen. Dadurch kommt es zu der entzündlichen Erkrankung des Zentralen Nervensystems.
Bei ihren Untersuchungen haben die Forscher neue Proteinstrukturen (Ionenkanäle) innerhalb der T-Zellen aufgespürt. Diese Kanäle sind für die Zellen wichtig, um ihre Funktionen aufrecht zu erhalten. Werden die Ionenkanäle manipuliert, werden die Zellen 'gebremst'. In Tierversuchen verlief die Krankheit anscheinend weniger schwer. Jetzt untersuchen die Wissenschaftler die T-Zellen von menschlichen MS-Patienten. Sie wollen nachvollziehen können, wann die Manipulation der Kanäle in den T-Zellen therapeutisch sinnvoll sein könnte. Die bisherigen Ergebnisse hat das Team im 'Journal of Biological Chemistry' veröffentlicht.
Auch eine Gruppe von Forschern aus Freiburg, Göttingen, München, Hamburg, Zürich und Langen beschäftigt sich mit der Multiplen Sklerose. In einem Tiermodell haben die Wissenschaftler überprüft, wie sogenannte Interferone den Verlauf von MS beeinflussen. Als Interferone werden Proteine oder Makromoleküle bezeichnet, die eine immunstimulierende Wirkung entfalten. In Deutschland werden viele MS-Patienten mit Interferon-beta behandelt. Aufgrund von Nebenwirkungen muss die Therapie aber trotz ihrer anfänglichen Wirksamkeit nicht selten abgebrochen werden.
Bei der Entschlüsselung der Prozesse im Körperinneren haben die Ärzte bisher vor einem Problem gestanden. Im gesamten Körper befinden sich entsprechende Erkennungsrezeptoren (Andockstellen) für Interferone. Somit können diese Proteine auf fast jede Zellen des Körpers wirken, was die Erkennung einzelner Wirkungsbereiche erheblich erschwert. Durch eine genetische Veränderung des Interferonrezeptors soll es in Versuchen jetzt aber möglich gewesen sein, ihn in bestimmten Regionen gezielt auszuschalten. Eine effizientere Therapie könnte laut der Fachzeitschrift 'Immunity' basierend auf dieser Erkenntnis in Zukunft möglich sein.
© 2008 Global Press
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