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Unterwegs in einem geknebelten Land - 02.06.2008 21:00 - ARD

Minderheit im eigenen Land

Von Sabrina Hoffmann 2. Jun 2008, 21:00

Der Exil-Tibeter Tash Despa kämpft für die Menschenrechte seiner Landsmänner. © NDR / True Visions

Der Exil-Tibeter Tash Despa kämpft für die Menschenrechte seiner Landsmänner. © NDR / True Visions

Vor wenigen Wochen ging ein ausdrucksvolles Bild um die Welt: Ein junger Tibeter wird bei Protesten gegen den olympischen Fackellauf in Paris von französischen Polizisten zu Boden gerungen. Der verzweifelte Mann heißt Tash Despa und lebt im britischen Exil. Er stammt aus einer tibetischen Bauernfamilie, sein Vater wurde in den 60er-Jahren verhaftet und im Gefängnis misshandelt. Als Teenager versucht Tash das beinahe Unmögliche: Er flieht durch das Himalajagebirge ins indische Dharamsala, den Sitz der Exilregierung des Dalai Lamas - ein dreiwöchiger Höllentrip durch Schnee und Eis.

Tash Despa (vorne, Mitte) kehrte nach Tibet zurück, um mit den Opfern der Unterdrückung zu sprechen. Aus Angst vor der chinesischen Regierung zeigen diese sich nur vermummt. © NDR / True Visions

Tash Despa (vorne, Mitte) kehrte nach Tibet zurück, um mit den Opfern der Unterdrückung zu sprechen. Aus Angst vor der chinesischen Regierung zeigen diese sich nur vermummt. © NDR / True Visions

Nun, zwölf Jahre später, wagte er sich erneut in sein Heimatland, um die Verletzungen der Menschenrechte, die dort Tag für Tag stattfinden, zu dokumentieren. Das Ergebnis dieser Reise ist der Film 'Todesangst in Tibet - unterwegs in einem geknebelten Land'.

Die chinesische Regierung verbietet Dreharbeiten, deswegen mussten der Exil-Tibeter und das britische Kamerateam, das ihn begleitete, verdeckt arbeiten.

Mit seinem britischen Pass konnte Tash Despa die Grenze passieren und durchquerte als Tourist getarnt das Land.

Nach jahrelangem Exil wagt sich der Aktivist Tash Despa - hier vor dem Potala-Palast der Hauptstadt Lhasa - in sein Heimatland Tibet. © NDR / True Visions

Nach jahrelangem Exil wagt sich der Aktivist Tash Despa - hier vor dem Potala-Palast der Hauptstadt Lhasa - in sein Heimatland Tibet. © NDR / True Visions

Unterstützt wurde der Aktivist vom englischen Filmemacher Jezza Neumann, der sich mit seinen kritischen Dokumentationen über die Ein-Kind-Politik in China einen Namen machte. Die gefährliche Reise fand bereits im vergangenen Jahr statt - bevor Tibet durch die Unruhen in den vorolympischen Fokus der internationalen Presse rückte. Das riskante Vorhaben erforderte einige Vorsichtsmaßnahmen, denn überall in Tibet, auch in den Klöstern, sitzen chinesische Spione. Damit ihre Anrufe nicht zurückverfolgt werden konnten, wechselte die Crew immer wieder die SIM-Karten ihrer Mobiltelefone. Angst war ein ständiger Begleiter.

Im Film kommen die Opfer der Unterdrückung zu Wort. Ehemalige Gefangene, die während der Haft gefoltert wurden, ebenso wie Zwangssterilisierte oder Nomaden, die von der Regierung umgesiedelt wurden. Um ihre Identität zu schützen, wurden sowohl das Äußere als auch die Stimmen unkenntlich gemacht. Denn: Für ihre Aussagen drohen den Opfern mehrjährige Gefängnisstrafen.

'Es wird alles daran gesetzt, die tibetische Kultur auszuradieren. Man muss Chinesisch sprechen, um einen Job zu bekommen. Man darf nicht über den Dalai Lama reden und landet wegen Kleinigkeiten im Gefängnis', gab Tash Despa gegenüber dem 'Mirror' an. 'Einmal sang ich bei einer Familienversammlung ein traditionelles Lied. Meine Verwandten waren zu Tränen gerührt, besonders die Älteren. Aber wenn die Chinesen das herausgefunden hätten, wäre ich verhaftet worden.' Drei Tage lang folgte Tash Despa dem Olympischen Fackellauf von London nach Paris. Mit seinen Protesten kann er dennoch nicht verhindern, dass das Olympische Feuer Ende Juni durch sein krisengeschütteltes Heimatland getragen wird.

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Jostein Sæther 3. Jun 2008, 11:56

Der Artikel ist sehr gut und informativ, und er beschreibt, was im Film gezeigt wird. Ich habe den Film von Tash Despa nämlich gesehen. Er ist eindeutig, beindruckend und sogleich erschütternd. Auch wenn ich von den chinesischen Unterdrückungen in Tibet wusste, gab der Film und die Kommentare von Despa mir neuen konkreten Bildern und Hinweisen zu den grausamen Wahrheiten. Jeder Sportler, Trainer und andere Teammitglieder aus allen Ländern, die zu den olympischen Spielen in China fahren, sollten diesen Film vorher gesehen haben. Vielleicht werden sie trotzdem reisen, aber sie würden dann die Möglichkeit bei jeder denklichen Gelegenheit haben, die unwissenden Chinesen auf die politischen Greueltaten ihres Regims aufmerksam zu machen. Das 20. Jahrhundert mit Holocaust, Nazis, Fachismus, Kommunismus usw. sind in Europa gerade beendet; in Asien scheint die Zeit still zu stehen und mit Scheuklappendie machen die westlichen Regierungen und viele Konzerne wirtschaftliche und andere Übereinkommen mit China. Das finde ich politisch und wirtschaftlich unmoralisch. Wo bleibt hier ein brüderlicher Globalismus?

Jostein Sæther

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