DVD Kritiken
DVD Kritik: The Addiction
Philosophie im Blutrausch
Von Jens Szameit 15. Mai 2008, 08:56

Abel Ferraras 'The Addiction' (1995) ist ein sperriger und zugleich berauschender Noir-Horror, angelegt als existenzialistisches Lehrstück. © Kinowelt
Der Schrecken trägt in der Filmgeschichte viele Gesichter. Unter den zahlreichen wiederkehrenden Figurationen des buchstäblich untoten Grauens ist der Vampir vielleicht derjenige Topos, der seit jeher am nachhaltigsten über den bloßen Horror hinausgewiesen hat. Bei 'Andy Warhol's Dracula' (1974) etwa avancierte er unter der Regie von Paul Morrissey gar zur Analogie auf den antikapitalistischen Klassenkampf. Einen ganz eigenen, aber nicht weniger intellektuellen Zugang hat der New Yorker Regisseur Abel Ferrara ('Bad Lieutenant') gewählt, der 1995 mit 'The Addiction' einen sperrigen, verkopften, aber auch meisterlichen Independent-Schocker schuf.

Als untertiteltes Original erscheint 'The Addiction' nun erstmals auf DVD.
Die New Yorker Studentin Kathleen, die an ihrer Dissertation im Fach Philosophie arbeitet, wird auf dem Heimweg von einer mysteriösen Frau angefallen und in den Hals gebissen. Die ärztlichen Diagnosen fallen wenig besorgniserregend aus, doch Kathleen bemerkt sehr bald eine einschneidende Veränderung: Sie entwickelt sich zum blutdurstigen Vampir.
In expressionistischen Licht-Schatten-Effekten inszeniert Ferrara einen berauschenden Noir-Horror, der nicht im Dienst von Grusel und Schrecken steht, sondern das didaktische Substrat einer tiefschwarzen Existenzlehre bildet.

Kathleen grübelt über die Natur des Bösen, über Schuld und Erlösung, über das Sein und das Nichts. Die Dialoge zitieren von Dante über Nietzsche und Kierkegaard bis Sartre fast lückenlos die abendländische Geistesgeschichte. Der von Christopher Walken gravitätisch verkörperte Vampir Peina will Kathleen die Abhängigkeit von ihrer blutdurstigen Natur zu kontrollieren lehren. Doch schließlich lässt Ferrara Kathleens Dissertationsparty in eine hemmungslose Beißorgie münden.

Das 1,85:1-Bild wurde für die DVD-Fassung fehlerfrei transferiert und arbeitet die kunstvollen Schwarz-Weiß-Kontraste Ferraras wunderbar heraus. Die englische Tonspur, die durch keine Synchronfassung ergänzt ist, präsentiert sich als ein grundsolides Dolby Digital 2.0, das den Independentcharakter des Films nicht unnütz aufbläht. Vernachlässigbar ist das angebotene Bonusmaterial. Hier findet sich lediglich eine Textbiografie von Christopher Walken sowie Fotogalerien von Dreh und Film.
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