Musik Kritiken
CD Kritik: Slaves for Live von Amaseffer
Von Lars Besten 25. Mai 2008, 22:09

Da der Kern von Amaseffer aus Israel stammt sind die orientalischen Einflüsse weniger überraschend, als die stark Hollywood-Soundtrack beeinflusste Grundausrichtung der Songs. Man ist dabei aber gottlob meilenweit von Bands entfernt, die ihre Stilrichtung selber Epic-Hollywood-Metal nennen, sondern fischt eher in melodischen Power- und Progressive-Gefilden.
Die düstere Grundstimmung auf "Slaves for Live" kommt wohl daher, dass man sich hier textlich wie musikalisch mit der biblischen Geschichte des Auszugs der Israeliten aus Ägypten beschäftigt.
Schön: Die Orchestrierung geht eine sehr homogene Verbindung mit dem verzerrten Rock-Instrumentarium ein und klingt, sollte es sich dabei um Konserve handeln, erstaunlich warm und echt. Wo viele Bands an quäkenden Retorten-Streichern ersticken weiß Amaseffer auf ganzer Linie zu überzeugen. Harfen, Flöten, Geigen… all das fließt wunderbar in den Gesamtsound ein, genau so wie immer wieder auftauchende Hörspiel-artige Passagen mit Pferdegetrappel und Stimmengemurmel, so als befände man sich wirklich in einem Film.
Den ganz großen Schachzug hat man aber mit der Wahl des Sängers gelandet. Mats Leven, der schon bei Yngwie Malmsteen gesungen hat, gehört zu den absoluten Meistern seines Fachs und zieht hier sämtliche Register. Einzig bei den Growl-Parts in "Midian" wird er durch Arch Enemy Front-Grunzerin Angela Gossow ersetzt, die einen kurzen Gastauftritt hat.
Schwierig auch die Musik zu vergleichen.
Schossen mir beim ersten Hören noch Namen wie Pain of Salvation oder Ayreon auf arabisch durch den Kopf, so hat die düstere Grundstimmung und der religiöse Bezug doch auch etwas von Saviour Machine (vor allem während den letzten beiden Tracks erhärtet sich dieser Vergleich), dann aber mit einem deutlichen höheren Power-Metal-Anteil. Oder kennt vielleicht noch jemand Beyond Twillight…
Alles also eigentlich sehr eigenständig und trotzdem kommt es einem vor, als hätte man einen alten Bekannten in der Stereo-Anlage.
Fazit: Amaseffer liefern mit "Slaves for Life" ein überzeugendes, atmosphärisch unheimlich dichtes Album ab. Es fehlt allerdings noch etwas an echten Hit-Momenten, dem einen ganz großen Refrain ("Land of the Dead" kommt diesem noch am nächsten) und etwas mehr Straffung täte den Spannungsbögen der Songs auch ganz gut. (Von zehn Songs knacken fünf die acht Minuten marke. Drei davon gehen sogar über Elf Minuten.)
Trotzdem: Für ein Debüt schon sehr beeindruckend und für die Zukunft weit mehr als vielversprechend.
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