Literatur Kritiken
Neues Buch zu Flick im Nationalsozialismus
Von Michael Friedrich 5. Jun 2008, 15:38

Porträt des Industriellen Friedrich Flick (undatiertes Archivfoto). © DPA
München - Kaum ein Name ist so eng mit der deutschen Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts verbunden wie der der Familie Flick. Den Grundstein für das Vermögen der Familie legte im Ersten Weltkrieg und in den Jahren der Weimarer Republik Friedrich Flick (1883-1972).
Er formte eine der führenden Gruppen der deutschen Schwerindustrie. Wegen seiner Verstrickung in das NS-Unrechtsregime wurde vom Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunal zu einer sieben Jahre langen Gefängnisstrafe verurteilt.
Ein im Oldenbourg Verlag erschienenes Buch des Münchner Instituts für Zeitgeschichte (ifz) beschäftigt sich nun mit der Geschichte des Flick-Konzerns im Dritten Reich. Auftraggeber war die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Geld dafür stellte der Enkel und Kunstsammler Friedrich Christian Flick zur Verfügung.
Die grundsätzlichen Fakten über Flick im Dritten Reich sind zwar bekannt, darunter die Beteiligung an «Arisierungen», die Beschäftigung zehntausender Zwangsarbeiter und nicht zuletzt auch Flicks Verurteilung nach dem Krieg. Das Verdienst des Autorengespanns Johannes Bähr, Axel Drecoll, Bernhard Gotto, Kim C. Priemel und Harald Wixforth liegt allerdings darin, eine Vielzahl neuer Mosaiksteine zur Geschichte des Flick-Konzerns im Dritten Reich zusammengetragen zu haben. Immerhin stützt sich die Untersuchung auf die Bestände aus 39 Archiven in fünf Ländern, darunter die National Archives in Washington.
Über die Tragweite von Flicks Verstrickung und seine Verantwortung lassen die Autoren keine Zweifel aufkommen. «Friedrich Flick erzielte im Dritten Reich Erfolge, wie sie kein anderer Eigentümerunternehmer erreichte.» Vorrangige unternehmerische Ziele seien «Expansion und Machtzuwachs» gewesen. Dabei sei er «extrem kaltschnäuzig» vorgegangen, stellt Mitautor Bernhard Gotto klar. Im Mittelpunkt habe das Machbare gestanden, die moralischen und ethischen Dimensionen seines Handelns habe er ausgeblendet.
Nach Hitlers Machtübernahme expandierte Flick massiv. Er habe 1933 «keinen Augenblick gezögert, die Gunst der neuen Machthaber zu suchen», heißt es in dem Buch. Dabei profitierte er massiv von sogenannten Arisierungen, also der zwangsweisen Überführung jüdischer Unternehmen in deutsche Hände. Juristische Bedenken fielen nach und nach. Damit mauserte sich der Konzern zum drittgrößten deutschen Montankonzern und «einer der ersten Adressen im Rüstungsgeschäft».
Der massenhafte Rückgriff auf Zwangsarbeiter markierte die weiteste Verstrickung des Konzern in die NS-Politik. In den Flick- Werken wurden während des Krieges nach Schätzungen der Autoren rund 100 000 Zwangsarbeiter beschäftigt. In manchen Betrieben des Flick- Konzerns lag ihr Anteil bei bis zu 85 Prozent. Zweifel und Skrupel spielten dabei keine Rolle. «Die Leute in den Führungsetagen wussten, was abläuft und kannten auch die Lebensbedingungen der Arbeiter», sagt Gottos Kollege Axel Drecoll.Bähr/ Drecoll/ Gotto/ Priemel/ Wixforth
Der Flick-Konzern im Dritten Reich
Verlag Oldenbourg, München
1018 S., 60 Abb., 20 Grafiken, 64,80 Euro
© 2008 dpa - Deutsche Presse-Agentur
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Josef 6. Jun 2008, 09:44
Endlich ein seriös recherchiertes Buch zum Flick-Konzern im Dritten Reich. Ich habe es mir bereits geholt und Teile gelesen und kann es nur weiterempfehlen. Mit diesem Buch wurde endlich ein große Lücke in der Wideraufbartung der NS-Geschichte geschlossen. Vor allem die Grafiken und Tabellen sind sehr überischtlich und tragen zum guten Verständnis bei.
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