Kunst Reportagen
Interview: Anura Thamardt
Von Oliver Lippert 9. Jun 2008, 19:29

Anura Thamardt mit Pascal Aubier (aufgewachsen mit Picassos Familie, Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre)
Aus einer simplen Frage ob jemand Interesse habe einen Bericht zu veröffentlichen, wurde dann letzten Endes dieses Interview, in dem mir die Künstlerin Anura Thamardt freundlicherweise Rede und Antwort steht. Sie erzählt über ihre Reisen, Inspirationsquellen, Idole und vielem mehr. Ein wahrhaft interessantes Interview mit einer vielversprechenden Künstlerin.
Hallo Anura! Erstmal vielen Dank für dieses Interview. Um unseren Lesern eine Basis zu geben, stelle dich doch bitte einmal vor und erzähle grob deinen Werdegang bis heute.
Geboren und aufgewachsen in Krefeld, 1-2 Semester Physik studiert an der Uni Siegen, Kunst studiert mit Diplom-Abschuss für Visülle Kommunikation an der Uni Aachen, 1 Jahr London, 4 Jahre New York und nun auch in Düsseldorf. Ich lehnte es jung wie ich damals war ab, eine Kunstakademie zu besuchen, obwohl ich es angeboten bekommen hatte von einem Professor für Kunst, weil ich dachte und noch immer denke, dass man auch mehr Lebenserfahrung haben sollte, um ein guter Künstler zu sein.

Was bewegt dich dazu Bilder zu malen und wie hast du dieses Talent entdeckt? Hast du Unterricht genommen oder dich eher auf eigene Faust in die gewünschte Richtung entwickelt?
Ich liebe einfach den Umgang mit Farben und Formen schon seit meiner frühesten Kindheit, meine Eltern hielt ich schon ganz gut in Trapp, meiner ständigen Nachfrage nach mehr Papier nachzukommen. Das Malen oder Zeichnen gab mir die Möglichkeit den engen Rahmen zu sprengen, in dem ich als Kind aufwuchs, gleichzeitig meine eigenen Realitäten zu kreieren und ich konnte damit ständig Glücksgefühle für mich produzieren. Wenn Talent, dann wurde es von meiner damaligen Klassenlehrerin der Grundschule und den damaligen Klassenkameraden entdeckt: Die Aufgabe war, ein Portrait eines Mitschülers zu malen, ich malte eines, die gesamte Klasse empfand meins als das Beste und meine Klassenlehrerin holte noch eine Kunstlehrerin zu Rate, und beide meinten, sie hätten so eine ungewöhnliche Arbeit noch nie in dem Alter zuvor gesehen gehabt. Ich konnte selbst nichts Besonderes an meinem Portrait entdecken, im Gegenteil, ich meinte damals, ich müsste noch einige Verbesserungen auf jeden Fall vornehmen.
Alles, ich habe Unterricht genommen, Kunst studiert und selbst mich auch immer wieder weitergebildet.
Wie kann man sich als Laie so eine eigene Weiterbildung vorstellen?
Durch Besuche von Ausstellungen, lesen von Literatur über Kunst, Recherchen im Internet, Austausch mit Kollegen und Kunstinteressierten und dann natürlich eigenes Experimentieren.
Du hast mir erzählt, dass du nicht nur in Deutschland gelebt hast. Wo hat es dich überall hingezogen und was hast du dir davon versprochen und was hat es letztendlich gebracht?
Nach London und New York bin ich gegangen, um diese pulsierenden und weltoffenen Städte auf mich wirken zu lassen. Daraus sind dann ja auch z. B. "Hidden Smile" ,"Fire" und "Armed Angel" entstanden, einige gute Kontakte, und vor allem mehr Bildverkäufe haben daraus resultiert.

Was bedeuten deine Bilder? Also, sowohl das Bild als solches als auch die persönliche Bedeutung, der Wert gewissermaßen?
Erst einmal variiert dies von Bildthema zu Bildthema, dann hat jedes Bild auch für den jeweiligen Betrachter eine individuelle Bedeutung. Für mich perönlich hat jedes von ihnen natürlich eine sehr hohe Bedeutung, da ich mir ansonsten gar nicht die Zeit für sie nehmen würde. Über einen Teil meiner Arbeiten ist von Kunsthistorikern sehr treffend geschrieben worden.
Du hast bisher einige berühmte Menschen getroffen. Was war das für ein Gefühl und waren darunter auch Inspirationsquellen bei?
Einige der Berühmheiten haben mich durch ihre Ausstrahlung sehr berührt. Chuck Close mit seinen überdimensionalen Portraits hat mich inspiriert, mich wirklich noch mehr auf das Thema Portait einzulassen als bisher, Christo & Jeanne Claude meinen Raum für künstlerische Arbeit auf natürliche Weise zu erweitern, Bianca Jagger mit ihrem politschen Engagement auch weiterhin mich künstlerisch-politisch zu betätigen und Leo Castelli hat mir den Glauben an meinen künstlerischen Erfolg noch verstärkt.
Was für ein Gefühl war es für dich diese Menschen zu treffen?
Ganz simpel würde ich sagen, ich habe mich einfach gefreut, die Möglichkeit nun zu haben, diese Menschen näher kennen zu lernen und mich mit ihnen austauschen zu können. Nur bei Leo Castelli war es für mich überwältigend, da ich nie im Leben damit gerechnet hätte, die Möglichkeit zu haben, diesen genialen Galeristen persönlich zu sprechen. Sie können ihn vergleichen wie z. B. der Papst für einen streng gläubigen Katholiken oder Einstein für einen Wissenschaftler. Diesen Stellenwert hatte Castelli zu seinen Lebzeiten in der Kunstszene weltweit. Er war überhaupt der Beweggrund für mich nach NY zu ziehen, da er alle weiteren Arbeiten von mir in Zukunft auch sehen wollte, wozu es leider ja nicht mehr gekommen ist, da er leider zuvor verstarb.
Hast du Vorbilder, wenn ja wen?
Picasso, vor allem auch mit seinem Zitat: „...aber ich habe ein Leben gebraucht, um zu malen wie ein Kind.“ Jawlensky, Escher, Braqü, Magritte, Niki de Saint Phalle, Warhol, Gerhard Richter, Steve Miller und viele mehr. Es sind einfach viel zu viele, die mir in irgendeiner Form als Vorbild dienen in verschiedener Hinsicht. Bekannte Maler und auch unbekannte.

Was inspiriert dich besonders?
Alles inspiriert mich, die ganze Welt mit all ihren Facetten, Formen und Wandlungen reicht vollkommen aus, um mich zu inspirieren. Ich benötige nichts besonderes zur Inspiration. Diese Welt ist wirklich Inspiration genug. Ein Erdklumpen inspiriert mich genauso wie das Muster einer Schlange und dann blubbern natürlich auch ständig irgendwelche Ideen aus meinem Unterbewusstsein einfach so ins Bewusstsein von wer weiss wo.
Wo können unsere Leser deine Bilder sehen?
Im Orginal entweder in der Eickholt Gallery in New York (93 St. Marks Place, 3rd floor, New York, NY 10009, USA) oder in Düsseldorf (Oberkasseler Strasse 100, 40545 Duesseldorf - Germany) in der Galerie The Art Cube. Ansonsten in den entsprechenden Websites. Eine eigene neue Website ist in Arbeit.
Was fasziniert dich am meisten an einem Menschen?
Die Augen, egal, ob von einem Menschen oder einem Tier. In den Augen kann man alles erkennen, ob jemand glücklich oder traurig, nett oder gemein, selbstbewusst oder unsicher ist. Die Lichtreflexe und Schatten in den Augen spiegeln alle Charakterzüge in konzentrierter Form wieder und dafür nehme ich mir beim Arbeiten auch die meiste Zeit.
Was für Projekte stehen demnächst noch? Was sind deine Zukunftspläne?
Ausstellungen in Paris, London, Barcelona, Shanghai, Dubai, ein neues künstlerisch-politisches Projekt, interessante -Kunst am Bau- Projekte finden und umsetzen, eine Theaterkulisse zu entwerfen und malen für ein entsprechend bewegendes Stück. Und vor allem noch mehr Portraits.
Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft. Du kannst gerne einige Worte an unsere Leser richten und deine Websites nennen.
Picassos Zitat ist viel bedeutender, als man vielleicht gemeinhin glaubt, nicht nur in Bezug auf Malerei, sondern generell gesehen in vielen Bereichen. Die Natürlichkeit eines Kindes und Reinheit ihrer Seele zu schätzen ist das, womit jeder erwachsene Mensch sich den grössten Gefallen tun kann.








