TV Star Portrait
Peter Leissl - 'Es geht viel enger zu als in früheren Zeiten'
Peter Leissl kommentiert im ZDF die Tour de France 2008 (05. bis 27. Juli)
Von Wilfried Geldner 2. Jul 2008, 07:59

Radsport-Experte Peter Leissl (geb. 1958) wird für das ZDF die Tour de France 2008 (05. bis 27. Juli) an elf Tagen live kommentieren. Er glaubt an die Zukunft des Radsports und hofft - nicht zuletzt Dank neuer Kontrollmöglichkeiten - auf saubere Rennen. © ZDF
Man möchte wahrlich kein Radsport-Reporter sein in diesen traurigen Zeiten. Die Ausübung dieser vormals beneidenswerten Profession gleicht gegenwärtig einem Ritt über den Bodensee. Wird immer noch gedopt? - Wer wollte das ein- für allemal entscheiden, da die Vergangenheit uns alle eines Schlechteren belehrte. Was für ein Schmierentheater liegt hinter uns: Mea-Culpa-Geständnisse und - wie sich später herausstellen sollte - leere Ehrlichkeitsversprechen.

Hatte man nach den Geständnissen der 'Alten' noch an die Jüngeren geglaubt, so wurde man just während der Tour 2007 schwer enttäuscht: Der Ausstieg von ARD und ZDF steckt noch in allen Knochen. Doch jetzt, 2008, sind die Sender insgesamt wieder 80 Stunden live dabei.
Der ZDF-Mann Peter Leissl, Jahrgang 1958, der von der Tour de France seit mehr als einem Jahrzehnt berichtet, hoch gelobt ob seiner fachlichen Kenntnisse und seiner großen Begeisterungsfähigkeit gleichermaßen, kennt sie alle, die schlimmen Fälle, hält das Kalendarium der Sündenfälle parat. 'Ich hätte gerne den Schwerpunkt wieder auf das Sportliche gelegt', so sagt er und bekennt: 'Die große Begeisterung von vor fünf, sechs Jahren ist abgebremst durch meine Ratio, durch den Verstand.'
Doch Leissls Begeisterung für den Radsport ist immer noch groß. Er weiß, 'dass die Zuschauer einschalten, um Menschen zu erleben, die ans Limit ihrer körperlichen Fähigkeiten gehen'. Er meint die großen Pyrenäen- und Alpenpässe, die es auch bei der diesjährigen 'Tour der Leiden' wieder zu überwinden gilt. 'Man muss die Bergfahrer ansprechen', sagt Leissl, der selbst bereits viele der großen Pässe abgefahren hat, 'sonst würde die Tour ihre Identität verlieren'.
Etwas gemäßigter gehe es immerhin zu 2008, vor allem seien kraftraubende Transferreisen ausgespart. Was die Alpenpässe betrifft, so seien die 'mit einem 6,8 Kilo leichten Rennrad und angemessenem Training 'durchaus hochzufahren. Was es künftig jedoch nicht mehr geben sollte, das sei dieser 'Radsport der zwei Geschwindigkeiten', wenn die, die alles Machbare ausnutzten, 'an der Spitze mit den anderen spielten und nur noch private Fehden austragen', so wie im vergangenen Jahr der Däne Rasmussen und der Spanier Contador. Der Sieger von 2007 steht noch immer unter Doping-Verdacht.
Leissl setzt auf die Zukunft und damit die Selbstkontrollen der Tour. Auf jenen 'biologischen Blutpass' des Internationalen Radsportverbands etwa, der die Fahrer unter Dauerbeobachtung stellt, der allerdings bei der diesjährigen Tour noch nicht greift, da er erst Ende Juli eingeführt wird. Darüber hinaus versuche die Tour in Eigenregie alles zu tun, um Manipulationen zu verhindern. So gebe es einen neuen Test auf Wachstumshormone, aber auch neu installierte Aufpasser im Ziel. 'Was ich in diesem Frühjahr bislang erlebt habe, lässt gewisse Hoffnungen zu', sagt Leissl. 'Es geht bei den Rennen sehr viel enger zu als in früheren Zeiten.' Dass aber die, die im Gesamtklassement Chancen hätten, auch künftig alles ausloteten, 'was machbar ist und nicht auffindbar', könne leider nicht ausgeschlossen werden. Einige schwarze Schafe werde es immer wieder geben.
Leissl selbst, der nicht nur Radsport, sondern auch andere Ausdauersportarten (Leichtathletik, Skilanglauf) kommentiert, sieht sich nicht gerne als 'Dopingexperte', obwohl er seit der Tour 2007 immer wieder so bezeichnet wird. 'Wir haben da inzwischen Spezialisten in der Redaktion', so sagt er, 'die nicht glaubten, dass sie einst mit chemischen Formeln vertraut sein müssten, als sie ihren Beruf ergriffen'.
Und so lässt er es sich denn auch nicht verdrießen, Bücher über die Schicksalsgipfel der Tour de France und des Giro zu schreiben. Auf der ZDF-Internetseite fragt er sich schon mal, ob die Tour-Veranstalter seit dem tiefen Fall des Jan Ullrich etwas gegen die Deutschen hätten, weil sich die Tour wieder einmal fernhalte von deutschen Grenzen. Gleichzeitig gibt er aber tolle Tipps darüber, wie sich für Radsport-Fans die besten Aussichtspunkte in den Alpen erreichen lassen. Selbst die Schleichwege des ZDF-Teams - 'bitte nicht weitersagen!' - bleiben da nicht ausgespart.
Der gelernte Geograph und Germanist, seit 1983 in den Diensten des Senders am Mainzer Lerchenberg und einst Leiter der legendären 'ZDF-Sportreportage', ist vom Radsport wohl nie mehr loszukriegen. Von seinem Wohnort Schlangenbad bei Wiesbaden aus ('ein kleines, verträumtes Kurbad') zieht es ihn regelmäßig in die Berge des Taunus und ins Mittelrheintal. Um aber zwischen Alpe d'Huez und Olympia mal richtig zur Ruhe zu kommen, traktiert der kinderlos Verheiratete gerne und regelmäßig das heimische Klavier. Radsportbesessene sind eben auch immer schon unverbesserliche Romantiker gewesen. © 2008 teleschau - der mediendienst
The Tour Must Go On
5. Jul 2008, 07:56
Der große französische Sportmythos, der zwei Weltkriege einigermaßen schadlos überstanden hat, ist zuletzt doch bedenklich ins Wanken geraten. Wenn am 05. Juli die 95. Auflage der Tour de France (05. bis 27.07.) in der Hafenstadt Brest gestartet wird, werden nicht nur einige der aktuell namhaftesten und besten Radprofis unfreiwillig fehlen. Aufgrund nicht enden wollender Enthüllungen aus den wenig appetitlichen Untiefen des Dopingsumpfs ist auch das Zuschauerinteresse an der größten und bedeutendsten Radrundfahrt der Welt merklich abgeflaut. Da eine Absage des immer noch einträglichen Spektakels nicht zur Diskussion steht, lohnt es, einmal nachzuschauen, wie das Internetangebot auf die aktuelle Ausgabe des umstrittenen Radklassikers einstimmt. ... mehrDas Vertrauen zurückholen
3. Jul 2008, 07:59
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28. Jun 2008, 07:55
Allen Vorbehalten zum Trotz. Die Tour de France findet statt: Frankreichs Straßen werden vom 5. bis 27. Juli auch in diesem Sommer wieder zur glühenden Asphalthölle, durch die sich ein als sauber deklariertes Peloton quält. Den überführten Sündern der vergangenen Jahre wurden Liebe und Einladungen entzogen, sodass auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen wieder mit gutem Gewissen übertragen kann. ... mehrMehr über Peter Leissl
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