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Dem Käfer Beine gemacht - Der Porsche 356 wird 60

Von Heiko Haupt 1. Jul 2008, 11:27

Stuttgart (dpa/tmn) - Mit Jubiläen ist es so eine Sache: Oft gibt es eine Reihe von Terminen, an denen sich ein Jahrestag festmachen ließe. Porsche hat etwa in diesem Jahr den 8. Juni zu jenem Tag erklärt, an dem der 60. «Geburtstag» des Porsche-Sportwagens gefeiert wurde.

Denn an diesem Tag wurde im Jahr 1948 eine erste «Einzelgenehmigung» für den Prototyp «Porsche Nr.1» ausgestellt. Man kann aber auch später noch feiern: Denn der 7. Juli 1948 gilt als eigentlicher Geburtstag des Ur-Porsche 356, weil an jenem Tag ein erster Testbericht über das Auto veröffentlicht worden sein soll.

Der Name Porsche und die Zahl 356 stehen für eine in Deutschland wohl einzigartige Erfolgsgeschichte: Aus dem Unternehmen, das 1931 als Konstrukteursbüro begann, ist heute einer der weltweit bedeutendsten Sportwagenhersteller geworden. Dafür ist nicht zuletzt der 356 verantwortlich. Im Grunde war er anfangs allerdings nichts anderes als eine geschickte Verwendung von Teilen des VW Käfer in Verbindung mit einer Karosserie im Sportwagenstil. Das hatte zu tun mit der Stellung des Firmengründers Ferdinand Porsche, der maßgeblich an der Entwicklung des VW Käfers beteiligt war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings saß Ferdinand Porsche erst einmal eine Weile in französischer Kriegsgefangenschaft. Sein Sohn Ferry dagegen leitete das Porsche Werk in Gmünd in Kärnten - dorthin war man 1944 wegen des Krieges aus Stuttgart umgezogen.

In Kärnten kam eine Reihe alter und neuer Ideen zusammen. So hatten sich die Ingenieure schon bei der Entwicklung des Volkswagens in den 30er Jahren einen Spaß daraus gemacht, dem eher schwächlichen Boxermotor mit Tricks zu mehr Leistung zu verhelfen. Nun machte man sich erneut ans Konstruieren. Die Ziffer 356 verweist auf die Konstruktionsnummer 356.00.105, die für die erste Zeichnung vom 17. Juli 1947 steht.

Was sich nach und nach aus dieser Zeichnung entwickelte, war noch um einiges extravaganter als das spätere Serienmodell. Zwar stand auch «Nr. 1» auf dem Fahrwerk des Käfer und wurde von einem Motor aus dem Volkswagen-Erfolgsmodell angetrieben - den allerdings hatte man in Mittelmotor-Bauweise vor der Hinterachse montiert und die Leistung von 24,5 PS auf 35 PS gesteigert. Für den nötigen Zusammenhalt sorgte außerdem ein eigens gefertigter Gitterrohrrahmen aus Stahl, über den sich die von Hand gefertigte Roadster-Karosserie spannte.

Das Ganze war sicher keine schlechte Konstruktion. Der Gedanke an eine Serienfertigung brachte die Macher aber ins Grübeln. Mit der Folge, dass man technisch zurückruderte. Für den 356 griff man auf ein überarbeitetes Käfer-Chassis zurück, bei dem der Motor im Heck saß. Außerdem bekam der Roadster ein festes Dach. Es «käferte» also ziemlich im ersten Porsche - denn auch Getriebe und Bremsen wurden übernommen. Immerhin hatte man die Motorleistung auf 40 PS erhöht.

In Handarbeit wurden in Gmünd die ersten 50 Fahrzeuge zusammengeschraubt. Doch dann begann die Erfolgsgeschichte: Bald konnte Porsche zurück nach Stuttgart, aus der Kleinst- entwickelte sich eine Kleinserie. Schon 1949 erteilte man dem Karosseriebauer Reutter den Auftrag, 500 Karosserien für den Sportwagen zu fertigen.

Von allen 356-Exemplaren wirken diese frühen aus heutiger Sicht altmodisch. Die wannenförmige Karosserie wies noch Potenzial zur optischen Aufbesserung auf. Auch die Frontscheibe mit Mittelsteg erinnerte eher an Vorkriegstechniken. Das Erfolgsgeheimnis der Marke Porsche und des 356 bestand aber auch darin, das man das Auto ständig weiterentwickelte, im Detail verbesserte und im Design auffrischte.

© 2008 dpa - Deutsche Presse-Agentur

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