Fahrberichte


Cadillac Escalade - Luxusdampfer auf vier Rädern

16. Jul 2008, 09:21

Hamburg (dpa-infocom) - Mittlerweile fahren Geländewagen selbst in den USA mit heftigem Gegenwind. General Motors will die Marke Hummer abstoßen, der Ford Pick-up F-150 wurde zum ersten Mal von der Spitze der Zulassungsstatistik gestürzt, und bei Chrysler werden die Jeeps immer kleiner.

Der Umweltdebatte zum Trotz

Doch allen Schrumpfkuren, Spardieseln und Hybrid- Konzepten zum Trotz gibt es die alten Dickschiffe noch immer. Eines davon ist der Cadillac Escalade, der wie kein anderer den automobilen Überfluss der Generation XXL demonstriert. Der Achtzylinder ist mit seinen sechs Litern fast so groß wie bei einem Lkw, seine fünf Meter sprengen viele europäische Parkplätze, und die sieben Sitze legen den Vergleich mit einem Kleinbus nahe. Außerdem glänzt der Allradler mit einer Klimaanlage, die den Passagieren in drei individuellen Zonen auf Knopfdruck die Arktis oder die Sahara vorspielt.

Mit dem Escalade steht man immer im Mittelpunkt

Wer mit dem Escalade unterwegs ist, steht immer im Mittelpunkt. Denn übersehen kann man den Wagen, gegen den selbst Audi Q7 und Mercedes GL seltsam zierlich aussehen, nun wirklich nicht. In den USA geht so ein Fahrzeug vielleicht noch immer in der Menge unter. Aber in Deutschland ist der Escalade für Leisetreter ganz sicher die falsche Wahl. Kein Wunder, dass er vor allem von Musikern, TV-Stars und anderen Selbstdarstellern gefahren wird.

Über Land ist der Wagen ein Blutdrucksenker

Obwohl das Dickschiff vor allem für das gelassene Gleiten auf amerikanischen Highways entwickelt wurde, hält sich der Wagen auch auf deutschen Straßen wacker: In der Stadt muss man beim Rangieren zwar ein bisschen öfter Kurbeln. Aber kaum hat man das Ortschild hinter sich gelassen, wird der Escalade zum Blutdrucksenker und lässt alle Anspannung von einem abfallen: Erhaben platziert auf einem fahrenden Hochsitz genießt man den Blick bis zum Horizont und die große Gelassenheit, mit der es unaufhaltsam vorwärtsgeht, als säße man auf Wolke Sieben.

Bei Vollgas wird das Dickschiff zum Rennboot

Dafür haben die Amerikaner unter die gewaltigen Haube einen V8 gesteckt, der mit 6,2 Liter Hubraum, 301 kW/409 PS und 565 Newtonmeter aufwartet. Natürlich muss man für diese Werte an der Tankstelle eine teure Zeche zahlen, aber dafür imponiert der Achtzylinder mit bärigen Kraftreserven. Trotz seiner 2,6 Tonnen stürmt der Luxusdampfer bei Vollgas voran wie ein Rennboot. Die am Lenkrad angeschlagene Automatik sortiert feinfühlig die Gänge, der Motor klingt kehlig und lustvoll, und bis Tempo 100 vergehen nur 6,8 Sekunden. Viel mehr als 170 Stundenkilometer (km/h) schafft der Wagen allerdings nicht.

Man braucht die Umsicht eines Kapitäns und seine Spritreserven

Viel schneller will man den Escalade aber ohnehin kaum bewegen. Zwar ist er lange nicht so weich und indifferent abgestimmt, wie man es früher von Amerikanern gewohnt war. Doch wankt er in Kurven wie ein Schiff bei schwerem Seegang. Und wegen des respektablen Bremswegs braucht man die Umsicht eines Tankerkapitäns. Auch dessen Kraftstoffvorrat kann nicht schaden: Schließlich schluckt der Escalade schon im Normzyklus 16,2 Liter, und im Alltag reicht eine Tankfüllung von beinahe 100 Litern nicht einmal für 500 Kilometer.

Platz und Komfort wie auf einem Kreuzfahrtschiff

Dabei bietet der Escalade allerdings den Platz und den Komfort eines noblen Kreuzfahrt-Dampfers: Fast drei Meter Radstand lassen auch bei sieben Sitzen reichlich Freiraum für Kopf, Knie und Schultern. Jeder Sessel ist so bequem, dass man ihn sich auch daheim im Wohnzimmer wünschen würde. Nur dass man hier zum Stühlerücken keinen Finger krümmen muss: Ein Knopfdruck genügt, dann surren Elektromotoren, die einem in diesem Auto fast alle Arbeiten abnehmen - nur lenken muss man noch selbst. Auch sonst kann sich die Ausstattung sehen lassen: An der Decke prangt ein DVD-System, die Sitze sind klimatisiert, und sogar die Pedale kann man elektrisch einstellen. Allerdings kann all der Luxus nicht über die nachlässige Materialauswahl hinwegtäuschen: Was das Holz an Glanz zu viel hat, hat der Kunststoff zu wenig. Und was eigentlich eine Designeruhr sein soll, wirkt wie ein Backwecker aus dem Ein-Euro-Shop.

Fazit: Der riesige Exot hat einen heißen Preis

DATENBLATT: Cadillac Escalade V8 Elegance
Motor und Antrieb:V8-Benziner
Hubraum:6162 ccm
Max. Leistung:301 kW/409 PS bei 5700 U/min
Max. Drehmoment:565 Nm bei 4300 U/min
Antrieb:Allradantrieb
Getriebe:Sechsgang-Automatik
Maße und Gewichte:
Länge:5149 mm
Breite:2007 mm
Höhe:1887 mm
Radstand:2496 mm
Leergewicht:2609 kg
Zuladung:612 kg
Kofferraumvolumen:479 - 3084 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit:170 km/h (abgeregelt)
Beschleunigung 0-100 km/h:6,8 s
Durchschnittsverbrauch:16,2 Liter/100 km
Reichweite:600 km
CO2-Emission:383 g/km
Kraftstoff:Superbenzin
Schadstoffklasse:EU4
Kosten:
Basispreis der Modellreihe:69 750 Euro
Grundpreis des Escalade V8 Elegance:69 750 Euro
Typklassen:KH 24/VK 27/TK 27
Kfz-Steuer pro Jahr:418 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit:ESP, Front- und Seitenairbags, Allradantrieb
Komfort:Klimaautomatik, Ledersitze, elektrische Heckklappe
© 2008 dpa - Deutsche Presse-Agentur

Kommentiere diesen Artikel

Mehr zum Thema

Fiat Doblò: Praktischer Transporter für Kind und Kegel

31. Mär 2010, 12:20

Hamburg (dpa-infocom) - Sie sind die Freunde der Familie und die Helden des Handwerks: Kleine Kastenwagen, die mit Liebe zum Detail und vielen Ideen alle Transportaufgaben des Alltags meistern - und dabei meist deutlich weniger kosten als klassische Vans. ... mehr

Schlaglöcher setzen Stoßdämpfern zu

17. Mär 2010, 12:01

Schlaglöcher setzen Stoßdämpfern zu
Köln (dpa/tmn) - Die durch den harten Winter oft schwer ramponierten Straßen bewirken einen höheren Verschleiß bei Fahrzeug-Stoßdämpfern. Die Stoßdämpfer werden durch die zahlreichen Schlaglöcher stärker beansprucht als auf intakten Fahrbahnen, so der TÜV Rheinland. ... mehr

Mercedes E-Klasse Cabrio: Wohlfühloase unter freiem Himmel

17. Mär 2010, 10:09

Hamburg (dpa-infocom) - Cabrio und Kachelmann - das gehörte bislang eng zusammen. Denn ohne zuverlässigen Wetterbericht konnte die Frischluftfahrt bis dato schnell zum Reinfall werden. ... mehr

VW Amarok: Der Touareg fürs Grobe

10. Mär 2010, 09:01

Hamburg (dpa-infocom) - Im Gegenwind der Klimakritik werden die großen Geländewagen immer schmächtiger und zivilisierter. Für echte Abenteurer und Asphalt-Cowboys wird die Auswahl deshalb dünner. Nur VW weicht mit dem Amarok vom Kurs ab. ... mehr

Aston Martin Rapide: Sportler mit Familiensinn

3. Mär 2010, 09:02

Hamburg (dpa-infocom) - Glaubt man Aston Martin-Chef Ulrich Bez, waren die Fahrer von Sportwagen bislang nicht zu beneiden. Immer ohne Familie und meist nur mit kleinem Gepäck, so lautet das schwere Los derer, die sich einen Porsche Turbo oder Lamborghini Murciélago leisten können. ... mehr

Ihre Meinung!

Zur Zeit sind keine Kommentare für diesen Beitrag vorhanden.
Hier als erster einen neuen Kommentar verfassen

Mehr in Fahrberichte

M&C WebTV

Kino
Auto
Live Konzerte

Mehr in Fahrberichte

Information zu den Werbeformen

Informationen für Werbetreibende