Musik Star Portrait
Xzibit - Raus aus dem Klischee
Xzibit spielt in 'Akte X - Jenseits der Wahrheit' (Start: 24.07.)
Von Leif Kramp 24. Jul 2008, 07:59

Xzibit, US-amerikanischer Rapper, spielt in 'Akte X - Jenseits der Wahrheit' einen FBI-Agenten. © Sony BMG / Ivo Klucje
Xzibit hat Tätowierungen, muskulöse Oberarme, kurze Stoppelhaare und einen durchdringenden Blick: Der weltweit mit seinen Songs über sein wechselvolles Leben bekannt gewordene Rapper erscheint auf den ersten Blick wie ein typischer Vertreter des bösen 'Gangstarap', einer stereotypen HipHop-Bewegung, die Show mit Wirklichkeit verwechselt. Doch Alvin Joiner, so sein bürgerlicher Name, verdiente sich weit über das Musikgeschäft hinaus Respekt für seine Ehrlichkeit und seine künstlerischen Ambitionen, die er beharrlich in Filmen wie '8 Mile', 'xXx2: The Next Level' oder dem Football-Drama 'Spiel auf Bewährung' zeigte.

Nun gelang dem 33-Jährigen der Sprung in die verschworene Gemeinschaft der 'Akte X'-Crew um Serienschöpfer Chris Carter und den Hauptdarstellern David Duchovny und Gillian Anderson (Kinostart: 'Akte X - Jenseits der Wahrheit' ist am 24.07.). Im Interview spricht Xzibit über seine kritische Haltung zum HipHop-Geschäft, seine Faszination für Verschwörungstheorien und erklärt, warum er nicht an Hellseher glaubt.
teleschau: Wenn Sie wählen müssten: Würden Sie sich für Ihre Karriere als Musiker oder als Schauspieler entscheiden?
Xzibit: Mein Musikerdasein ist wie meine zweite Haut, Musik kann ich im Schlaf machen, wenn Sie so wollen.

Für mich war die Musik immer das Wichtigste, meine Schauspielkarriere dagegen war nie ein Ziel, das ich verfolgte.
teleschau: Wie kam es also dazu?
Xzibit: Es passierte mir einfach. Ich glaube, dass meine Musikkarriere so etwas wie ein Katalysator ist für all das, was in meinem Beruf geschieht. Dass ich nun auch als Schauspieler arbeite, ist ja ein relativ junges Betätigungsfeld für mich. Die Schauspielerei ist eher eine zufällige Ergänzung. Die Produzenten in Hollywood sind wohl auf mich aufmerksam geworden, weil sie mich in der MTV-Show 'Pimp My Ride' gesehen haben.
teleschau: ... in der alte Autos getunt werden.
Xzibit: Niemand hätte am Anfang davon ausgehen können, dass die Sendung ein solches popkulturelles Phänomen werden würde. Als ich gerade eine neue Platte plante, wurde ich angesprochen, eine 15-minütige Pilotsendung zu produzieren, um die Show MTV anzubieten. MTV kaufte 15 Staffeln. Plötzlich war ich im Fernsehen. Rückblickend muss ich sagen: Einem kann Schlimmeres passieren als so etwas. Wir haben eine Spur in der Popkultur hinterlassen.
teleschau: Man erzählt sich aber, dass Chris Carter, der Mann hinter 'Akte X', Sie wegen Ihrer Musik für die Rolle des FBI-Agenten ausgewählt hat.
Xzibit: Ach, das ist völliger Quatsch. Er kennt zwar meine Musik, aber das war allenfalls ein Nebeneffekt, der eine Rolle spielte. So werden Legenden konstruiert: 'Akte X und Xzibit: Das gehört zusammen!' Aber so ist es nicht abgelaufen.
teleschau: Wäre es Ihnen lieber, als Schauspieler mit Ihrem bürgerlichen Namen bekannt zu werden?
Xzibit: Wir haben uns bewusst dafür entschieden, im Abspann beides zu nennen: Meinen richtigen Namen Alvin Joiner und Xzibit, meine HipHop-Marke. Das erschien schon aus dem Grund notwendig, weil die Zielgruppe des Films, also Fans der Serie, nicht zwangsläufig auch mich und meine Musik kennen. Ich werde auch in Zukunft stärker darauf achten, dass diese beiden Welten enger zusammenrücken. Aber mich vollkommen von meinem Rapperimage zu entfernen, das möchte ich gar nicht.
teleschau: Sie spielen einen der Nachfolger von FBI-Agent Fox Mulder, der in übernatürlichen Kriminalfällen ermittelte. Ihre Rolle ist wie ein kompletter Gegenentwurf: ein mürrischer Beamter, der von solchen Mysterien nichts hält. Welcher Philosophie fühlen Sie sich näher?
Xzibit: Er ist sehr skeptisch gegenüber scheinbar unerklärlichen Dingen. Er glaubt nur das, was er sehen, anfassen oder erschießen kann. Er handelt strikt nach dem Dienstbuch, ist nur an Fakten interessiert, weshalb er Special Agent Mulder auch als Störfaktor ansieht, der nur Behördenressourcen verschwendet. Um ehrlich zu sein: Mich interessieren Verschwörungstheorien schon sehr, all diese Geschichten über die Illuminaten, Geheimbünde, Weltherrschaft und so weiter. Aber Geister und Außerirdische? Das ist was für Scooby-Doo und Shaggy. Ich fürchte mich schon genug davor, was Menschen anrichten können, da brauche ich nicht noch solche Kreaturen!
teleschau: Eine zentrale Figur des Films ist ein angeblicher Hellseher - glauben Sie an solche Fähigkeiten?
Xzibit: Wenn Sie mir ein menschliches 'Medium' zeigen, das mir die richtigen Lottozahlen vorhersagen kann, dann glaube ich wirklich daran. Jeder angebliche Hellseher sollte fähig sein, die Lottozahlen im Voraus zu wissen und den Vor- und Nachnamen jedes beliebigen Menschen, den er zum ersten Mal sieht.
teleschau: Klingt nicht so, als gehörten Sie zum Stammpublikum der 'Akte X'-Fernsehserie.
Xzibit: Die ersten paar Staffeln habe ich sehr aufmerksam verfolgt, weil ich ohnehin ein großer Science-Fiction-Fan bin. Ich mag all diese Serien, zum Beispiel auch 'Twilight Zone' oder 'Geschichten aus der Gruft', die ich schon aus meiner Kindheit kenne. 'Akte X' stellte sich als Mischung all dieser Arten von paranormalen Gruselgeschichten heraus. Nur mit dem interessanten Zusatz, dass das FBI ins Spiel gebracht wurde, eine Behörde, die sich nur für Fakten interessiert. Die Kombination aus Unerklärlichem und Rationalität hat mich auf Anhieb fasziniert.
teleschau: Nun wirkten Sie selbst an einer solchen Geschichte mit. Sehen Sie sich gern auf der Leinwand?
Xzibit: Ich schaue mir meine Filme vielleicht ein-, maximal zweimal an. Ich halte mich aber nicht zu lange damit auf, weil ich mich innerlich schon wieder nach etwas Neuem orientiere. Zurzeit drehe ich zum Beispiel mit dem deutschen Regisseur Werner Herzog den Film 'Bad Lieutenant' in New Orleans. Neben mir spielen noch Nicolas Cage, Eva Mendes und Val Kilmer mit. Ich habe mich gleich mit Werner Herzog verstanden, ein sehr netter Mann. Er soll ja angeblich ein bisschen verrückt sein, aber genau deshalb hatten wir wohl gleich eine Verbindung zueinander. Man muss ein wenig verrückt sein, um in diesem Beruf erfolgreich zu sein.
teleschau: Gibt es etwas in Ihrer künstlerischen Karriere, bei dem Sie bereuen, es ausgelassen zu haben?
Xzibit: Ich kann kein einziges Instrument spielen. In meiner Jugend hatte ich zwar Geigenunterricht, aber davon ist nichts übrig geblieben. Manchmal denke ich, wie schön es wäre, auf dem Klavier zu spielen, einfach so. Aber ich kann es nicht. Jetzt ist es wahrscheinlich zu spät, das rede ich mir jedenfalls ein. Ich war immer besser darin, mit Worten umzugehen.
teleschau: Würden Sie auch mal etwas ganz Untypisches spielen, einen verrückten Universitätsprofessor zum Beispiel?
Xzibit: Ich muss auf jeden Fall vorsichtig bei meiner Auswahl sein, weil ich in einer ziemlich einzigartigen Position bin und viele Augen auf mich und meine Entscheidungen gerichtet sind. Darum muss ich darauf achten, die richtigen Rollen anzunehmen. Mich reizen Jobs, die mich herausfordern, die harte Arbeit darstellen, bei denen ich mit Regisseuren zusammenkomme, die mich in ein ungewohntes Licht stellen. Die meisten der Filmemacher, mit denen ich bisher gearbeitet habe, mögen Rap-Musik nicht einmal. Wenn ich irgendwo vorspreche, dann prahle ich nicht mit meiner erfolgreichen Fernsehshow oder meinem Namen, sondern ich schlage die Leute mit dem, was ich kann.
teleschau: Ist es für Sie in Ihrer neuen Position als Schauspieler schwieriger als früher geworden, sich Glaubwürdigkeit zu verschaffen?
Xzibit: Das denke ich nicht. Je mehr die Unterhaltungsindustrie zusammenwächst, desto stärker werden die Leute darauf geeicht sein, wahres Talent zu erkennen. Ich versuche mich mit guten Leuten zu umgeben, die etwas von ihrem Geschäft verstehen und nicht von der Meinung anderer abhängig sind. Einem Stereotyp oder einem bestimmten Image hinterherzujagen, ist keine Anstrengung wert.
teleschau: Haben Sie auch eine andere Perspektive auf Ihre eigene Vergangenheit als Rapper entwickelt?
Xzibit: Ich habe schon Platten aufgenommen, da war ich erst 18 oder 19 Jahre alt. Die Tage, die ich überlebte, um das zu werden, was ich bin, sind eine Zeit, die ich sicherlich nicht noch einmal durchleben möchte. Das liegt hinter mir. All die Kerle, die diesem Image folgen oder einem anderen bestimmten Image hinterherjagen, tun sich damit keinen Gefallen. HipHop heißt nicht, dass man ein straßenerprobter Gangster sein muss. Dieses Klischee überschattet das ganze Genre. Es geht allein darum, dass man authentisch und originell ist, indem man dafür steht, wo man herkommt und was man auf seinem bisherigen Lebensweg erlebt hat. Mich interessiert herzlich wenig, ob ein Rapper jemanden umgebracht hat oder mich umbringen will. Wenn er rappen kann, dann will ich hören, wie er rappt. Newcomer streben danach, so zu sein wie '50 Cent', der mal neun Kugeln abbekommen hat. Wer bitte möchte diese Erfahrung mit ihm teilen? Oder ihn darin sogar übertreffen?
teleschau: Verfolgen Sie die Geister der Vergangenheit noch oder können Sie an einem freien Tag entspannen?
Xzibit: An freien Samstagen zum Beispiel beschäftige ich mich gerne mit meiner Spielkonsole. Mein Sohn ist jetzt 13 Jahre alt und natürlich ganz heiß auf alle Spieleneuheiten. Da muss ich mithalten! Oder ich fahre mit einem meiner drei Autos, meinem Rolls Royce Phantom, meinem Bentley Coupé oder meinem Range Rover. Ich mag englische Autos, weil sie so wuchtig daherkommen: Ich fühle mich wie der Boss, wenn ich mit ihnen fahre. Aber ich nutze auch gerne mal eine freie Minute, um mich zurückzulehnen, mir mein Haus anzuschauen und mich zu freuen. Das mache ich viel zu selten.
teleschau: Vor Kurzem mussten Sie den Tod Ihres neu geborenen Sohns verkraften. Wie gelang es Ihnen, den Schmerz zu überwinden?
Xzibit: Es war eine sehr tragische Erfahrung für mich und meine Familie, ein Kind zu verlieren. Aber Tatsache ist, dass ich mich entscheiden musste: Entweder sitze ich zu Hause und grüble ewig darüber nach oder ich lebe weiter. Letzteres war sicherlich nicht einfach für mich, aber ich wollte die Situation nicht noch schlimmer machen, indem ich daran kaputtgehe. Ich werde es nie vergessen, aber man muss sich immer wieder zusammenraufen. Und seinen Weg weitergehen ... © 2008 teleschau - der mediendienst
David Duchovny - Versager mit Tiefgang
30. Aug 2008, 07:59
Nein, der große Wurf war der jüngste 'Akte X'-Film 'Jenseits der Wahrheit' nicht, das wird wohl auch Hauptdarsteller David Duchovny wissen. Selbst die Sinnlos-Komödie 'Evolution' (2001) taten sich mehr Zuschauer im Kino an. Zu lang sind die X-Files wohl schon geschlossen, um mit dem lieblosen Gruselfilm noch die damaligen Fans zu erreichen. Dennoch bringt man mit dem Namen Duchovny auch sechs Jahre nach Ende der Kultserie weiterhin nur Fox Mulder in Verbindung. Mit dem Deutschlandstart seiner neuen Serie 'Californication' (ab Montag, 29.09., 22.15 Uhr, RTL II) könnte sich das schlagartig ändern. Denn mit dem Krawatten tragenden FBI-Agenten hat dieser krasse Typ so gar nichts gemein. ... mehrStar Zitat: David Duchovny
31. Jul 2008, 07:58
David Duchovny (47), der gerade mit 'Akte X - Jenseits der Wahrheit' auf die Kinoleinwand zurückkehrte, beschrieb in der 'Gala' das Dilemma seines Jobs: 'Ich glaube, dass wir als Schauspieler ständig scheitern müssen, aber wir sollten das möglichst jedes Mal auf höherem Niveau tun. Es kann in der Schauspielerei keine Perfektion geben.'© 2008 teleschau - der mediendienst
... mehrStar Zitat: Gillian Anderson
29. Jul 2008, 07:58
Agent Scully mit lila Irokesenfrisur? Schwer vorstellbar! Dennoch gestand 'Akte X'-Star Gillian Anderson (derzeit mit 'Akte X - Jenseits der Wahrheit' auf der Leinwand) nun im 'Spiegel', früher ein Punk gewesen zu sein. Trotz ihres Erfolges hat die 39-Jährige ihren früheren Idealen nie ganz abgeschworen: 'Ich kann heute in bestimmten Situationen immer noch sehr konfrontativ sein. Wenn mir jemand blöd kommt, lasse ich diesen Menschen nicht damit davonkommen. ... mehrFilm Kritik: Akte X - Jenseits der Wahrheit
19. Jul 2008, 07:59

Star Zitat: Xzibit
19. Jul 2008, 07:59
Xzibit (33) hat keine Angst, dass sein Ruf als Rapper unter seinem zunehmend seriösen schauspielerischen Engagement leiden könnte. 'HipHop heißt nicht, dass man ein straßenerprobter Gangster sein muss. Dieses Klischee überschattet das ganze Genre. Es geht allein darum, dass man authentisch und originell ist, indem man dafür steht, wo man herkommt und was man auf seinem bisherigen Lebensweg erlebt hat', stellt er im Interview klar. ... mehr







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