Stark am Berg, guter Zeitfahrer, schnell im Sprint und auf der Bahn. Ein deutsches Jahrhunderttalent des Radsports. Die Charakterisierung dieses Ausnahmesportlers lässt unweigerlich an den Namen Jan Ullrich denken, und doch könnte der Protagonist des Dokumentarfilms von Sandra Prechtl und Sascha Hilpert kaum unterschiedlicher beschaffen sein als Deutschlands gefallener Radsportheld. 'Sportsfreund Lötzsch' (2007) erzählt die traurige Geschichte des DDR-Radrennfahrers Wolfgang Lötzsch, dessen Karriere von der Stasi jahrelang sabotiert wurde. Das bewegende Sportlerporträt erscheint nun auf DVD und startet gleichzeitig in ausgewählten Programmkinos.
'Sportsfreund Lötzsch' erzählt die traurige Geschichte des von der Stasi gegängelten Ausnahmeradsportlers Wolfgang Lötzsch. © Ascot Elite
Wolfgang Lötzsch, Jahrgang 1952, arbeitet heute als Betreuer einer Radsportmannschaft. © Ascot Elite
Fast nötigt es einem ein wenig Mitleid ab. Dank nicht enden wollender Doping-Skandale liegt der Radsport dieser Tage ohnehin schon in selbst verantworteten Trümmern. Vom Generalverdacht des heuchelnden Lugs und Trugs wird auch 'Sportsfreund Lötzsch' die verrufene Branche kaum befreien können. Zwar handelt der Film einmal nicht von Spritzen und Ampullen, doch geht es prinzipiell um die gleichen Fragen: um systematische Manipulation, um Opportunismus und die Folgekosten der Zivilcourage.
Wolfgang Lötzsch, Jahrgang 1952, steht vor einer großen Sportlerkarriere.
Seitenweise sammelte die Stasi belastendes Material über den Störenfried Lötzsch. © Ascot Elite
Friedensfahrt, Weltmeisterschaft, Olympia heißen die Ziele des Ausnahmetalents aus dem damaligen Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz. Als die DDR-Sportfunktionäre den 18-jährigen Seriensieger auf die richtige Gesinnung prüfen, gibt der Vater und Mentor die falsche Antwort: Der Sohn wolle nicht in die Partei eintreten, sondern nur Rad fahren. Lötzschs Siege werden fortan als Provokation wahrgenommen, der Sportler wird bespitzelt und sabotiert. Lötzsch gibt immer offener sein Missfallen des DDR-Regimes preis und macht die West-Presse auf seinen Fall aufmerksam.
Zeigte den Konkurrenten meist das Hinterrad: Wolfgang Lötzsch war das vielleicht größte Radsporttalent der DDR. © Ascot Elite
Er erwägt die Republikflucht, man stellt ihm eine Falle und sperrt den Störenfried für zehn Monate in eine fensterlose Zelle.
Die Dokumentation montiert eindrücklich, aber gänzlich unpolemisch Archivmaterial, Interviewsequenzen und Aufnahmen des verlassenen Chemnitzer Umlands, das die verlorene Karriere des Wolfgang Lötzsch schön versinnbildlicht. Fassungslos machen die Aussagen des verantwortlichen Stasi-Funktionärs, der rückblickend die erzieherische Arbeit seiner Behörde lobt und nahe legt, dass Lötzsch mit seiner aufsässigen Art auch im 'System BRD' angeeckt wäre.
Ein Sportler als Staatsfeind: Wolfgang Lötzsch (rechts) bestritt nie ein Rennen außerhalb der DDR. © Ascot Elite
Vom verwendeten Archivmaterial selbstverständlich abgesehen überzeugt das 16:9-Bild der DVD mit scharfen Konturen und natürlicher Farbwiedergabe. Die Tonspur im 5.1 gefällt nicht weniger und vermag insbesondere den ausgezeichneten Soundtrack von Jan Tilman Schade wirkungsvoll in Szene zu setzen. Extras gibt es keine.© 2008 teleschau - der mediendienst
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osso5o30. Jul 2008, 11:43
ganz stark !!!
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