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Nike Wagner gibt Anspruch auf Bayreuth nicht auf (1. Aktualisierung)

27. Jul 2008, 10:35

Nike Wagner, Nichte des Festspielleiters Wolfgang Wagner wäre gerne seine Nachfolgerin.  © DPA

Nike Wagner, Nichte des Festspielleiters Wolfgang Wagner wäre gerne seine Nachfolgerin. © DPA

Bayreuth - Im Streit um die Nachfolge von Wolfgang Wagner hat dessen Nichte Nike Wagner erneut ihren Anspruch auf eine Mitbeteiligung an der künftigen Leitung der Richard-Wagner-Festspiele geltend gemacht.

«Der Zug ist noch keineswegs abgefahren», sagte die 63-Jährige zur Eröffnung der Festspiele in Bayreuth. Am Sonntag sollte dort mit den «Meistersingern von Nürnberg» erstmals ein Werk Wagners live und zum Nulltarif unter freiem Himmel übertragen werden. Rund 10 000 Wagnerianer in aller Welt hatten außerdem 49 Euro gezahlt, um die Inszenierung erstmals per Lifestream im Internet verfolgen.

Regisseur Stefan Herheim, mit dessen Neuinszenierung des «Parsifal» die Festspiele am Freitagabend eröffnet worden waren, zeigte sich zufrieden mit seinem Bayreuth-Debüt. «Theater muss versuchen, die Hand zu reichen und die Besucher ein Stück mitzunehmen. Das ist uns gelungen», sagte Herheim nach der Premiere, die von knapp 2000 Besuchern begeistert aufgenommen wurde. Herheim setzt sich im «Parsifal» mit der deutschen Geschichte auseinander und streift die enge Verbindung der Bayreuther Festspiele zu Hitler und den Nazis. Es sei nicht sein Ziel gewesen, mit der Inszenierung zu provozieren.

Nachdem Wolfgang Wagner (88) im Frühjahr seinen Rücktritt zum 31. August erklärt hat, gelten seine beiden Töchter Eva Wagner-Pasquier (63) und Katharina Wagner (30) als Favoritinnen für die Nachfolge. Der Stiftungsrat wird sich am 1. September erneut mit dem Thema beschäftigen. Nike Wagner, die Tochter von Wieland Wagner, sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, die vier Familienzweige hätten sich noch nicht auf einen gemeinsamen Vorschlag geeinigt.

«Wir sind noch im Prüfungsverfahren, um eine Alternative zum abgekarteten Spiel zu finden», sagte die Leiterin des Kunstfestes Weimar. «Ich habe noch nicht resigniert und will in Bayreuth auch künftig mitarbeiten. Es kann sein, dass es noch mit einer Mehrheit von drei zu eins eine überraschende Lösung gibt, es kann natürlich auch sein, dass ich schnell wieder aus dem Rennen bin.» Im Stiftungsrat sind neben den vier Stämmen der Familie Wagner auch der Bund, der Freistaat Bayern, die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth und die Stadt Bayreuth vertreten.

Auf dem traditionellen Empfang zur Festspiel-Eröffnung würdigte Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) die Lebensleistung von Wolfgang Wagner, der die Festspiele seit 1951 leitet. Auch die letzten Festspiele unter seiner Verantwortung setzten wieder Maßstäbe. «Es geht nicht nur eine Ära zu Ende, es gilt, ein wunderbares Lebenswerk zu ehren. Wolfgang Wagner hat das Erbe von Richard Wagner für die neue Zeit und die Gegenwart lebendig gehalten», betonte Beckstein.Mit dem Rücktritt Wagners stehen die Festspiele laut Beckstein vor einer Zäsur. «Es ist gut, wenn eine neue Generation mit neuen Ideen kommt.» So hätten sich die Festspiele zuletzt mit dem Auftritt des umstrittenen Regisseurs Christoph Schlingensief wieder verändert. «Er hat die Türen in Bayreuth weit aufgestoßen.»

© 2008 dpa - Deutsche Presse-Agentur

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