Stolz schickte es die Bahn dieser Tage per E-Mail an ihre Kundschaft: Fahrradtickets, so teilte das Börsenunternehmen mit, könne man nun auch online bestellen, was doch unheimlich bequem sei. Das Problem an der Sache ist natürlich ein ganz anderes: In ICE-Zügen klappt das mit der Fahrradbeförderung leider nicht, sodass man auf die alten Tanten EC und IC zurückgreifen muss, möchte man seinen Drahtesel über längere Strecken transportieren. Und die fahren nur noch selten. Aber trotzdem zeigt die Mail: Die Bahn gibt sich Mühe, up to date zu sein - zumindest, was den Online-Auftritt angeht.
Unter http://www.youtube.com/watch?v=_TDgUvxQpXM findet sich eine der besten Schimpftiraden der Neuzeit. © http://www.youtube.com/watch?v=_TDgUvxQpXM
www.pro-bahn.de gibt sich informativ, aber etwas staubig. © www.pro-bahn.de
Doch neben der blitzblank aufgeräumten und ausnehmend hübsch aufgemachten Homepage des Börsenunternehmens in Spe gibt es im Internet reichlich Adressen, die die Dinge etwas anders sehen.
Vor allem gibt es aber Youtube. Dass das größte Videoportal der Welt auch zu Deutschlands wohl meistgehasstem Transportunternehmen so einiges in petto hat, war klar. Doch zwischen mäßig witzigen Clips betrunkener Bundeswehrsoldaten und stolzen Videos seltener Lokomotiv-Typen, die durch irgendwelche bayrischen Provinzbahnhöfe fegen und dabei in das Visier sogenannter Transpotter geraten, findet sich ein wahres Juwel: Unter www.youtube.com/watch?
Vom Buch zum Forum: Unter www.bahn-hasser.de kann man nachlesen, was anderen Bahnkunden so passierte. © www.bahn-hasser.de
v=_TDgUvxQpXM macht ein älterer Herr, der im Zug offenbar Arges erleiden musste, seinem Unmut auf wunderbare Art und Weise Luft: 'Eine Philippika' werde er verfassen, und die Bahn 'zuscheißen'. Ob der sichtlich überforderte Schalterbeamte der doch sehr resolut vorgebrachten Forderung nach einem sofortigen Fahrpreiserlass Folge leistete, ist leider nicht bekannt: Hier endet der Film.
Vielleicht sollte der Mann etwas unternehmen - etwa Vereinsmitglied werden. 'Pro Bahn' wäre die erste Adresse - der Verband, der seit 1981 die Interessen von Fahrgästen vertritt und zurzeit etwa 5.000 Mitglieder hat, präsentiert sich im Internet allerdings etwas arg nüchtern.
Auf bahnhasser.blog.de werden Erlebnisse mit dem Beförderungsunternehmen geschildert. © bahnhasser.blog.de
Unter www.pro-bahn.de kann man sich vor allem durch zahlreiche Pressemitteilungen klicken - und erfährt so etwa, was die Standpunkte des Vereins zur Ausdünnung des Intercity-Netzes, dem Bau neuer Trassen oder Fahrgastrechten sind. Außerdem gibt's Artikel aus der Zeitschrift 'Der Fahrgast', einen Kummerkasten und - praktisch - Fahrpläne aus ganz Europa. Ein sattes Angebot, das allerdings unter Wert präsentiert wird.
Es liegt in der Natur des Mediums Internet, dass der doch sehr sachlich-politische Ton dieser Interessenvertretung von anderen Seiten nicht unbedingt geteilt wird. Welch Geistes Kind die Macher von www.bahn-hasser.de sind, zeigt schon der Domainname.
http://schweizweit.net widmet sich der Bahn aus einer etwas anderen Perspektive. © http://schweizweit.net
Hinter der Seite stecken die Autoren des gleichnamigen und durchaus empfehlenswerten Buches. Sie bieten enttäuschten und wütenden Bahnkunden ein Forum - und dem Leser großartige Unterhaltung. Unter den Rubriken Verspätung, Unfreundlichkeit, unklare Auskunft, Unsauberkeit und Missmanagement diskutieren hier Bahn-Nutzer.
Allerdings scheinen die früher lebhaft frequentierten Seiten in letzter Zeit etwas eingeschlafen zu sein - spannender ist da schon ein Blog mit ganz ähnlicher Zielsetzung: Unter bahnhasser.blog.de wird, perfiderweise in den Farben des Unternehmens, erzählt, was dem Passagier von heute so alles passieren kann. Da werden Verspätungen dokumentiert, wird über die sich tatsächlich oft überraschend ändernden Gründe für Verspätungen schwadroniert und werden gerne mal Lautsprecherdurchsagen zitiert. Ganz ähnlich funktioniert www.bahnsinn.com, der Blog eines Fahrgasts, der täglich von Augsburg nach München pendelt.Die Bahn selbst bloggt nicht. Auch das Personal scheint nicht besonders Internet-affin zu sein. Fündig wird man im Nachbarland. Ein Schweizer Kondukteur - das ist so etwas wie ein Zugbegleiter, berichtet unter schweizweit.net über seinen Arbeitsalltag und verlinkt dabei zu allerhand Bahn-Artikeln. Die sind dann auch für den deutschen Leser interessant.© 2008 teleschau - der mediendienst
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