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Der Tag, als der Mob die Inder hetzte - 17.09.2008 23:30 - ARD
Ein Funke genügt
Von Annekatrin Liebisch 17. Sep 2008, 23:30
Innerhalb einer Nacht wurde das 5.000-Seelenstädtchen Mügeln schlagartig bekannt. Die BBC berichtete, die britische 'Times', der indische 'Telegraph' und die deutschen Medien sowieso. Stolz auf diese ungekannte Medienpräsenz ist in dem sächsischen Ort jedoch niemand. Die Berichte handelten allesamt von den Geschehnissen des 18. August 2007, an dem eine Gruppe Inder beim Altstadtfest von bis zu 100 Menschen verprügelt, verfolgt und bepöbelt wurde. In seiner Dokumentation 'Der Tag, als der Mob die Inder hetzte' untersucht Filmemacher Kamil Taylan den Übergriff und dessen Folgen.
Worum es eigentlich ging, ist noch immer nicht ganz klar: Eine Bierzeltrempelei zwischen Indern und Deutschen war es jedenfalls, die die Schlägerei auf dem Mügelner Altstadtfest auslöste. Als die acht Inder die Flucht ergreifen, sind es jedoch nicht nur die Angreifer, die ihnen nachstellen: Es sind um die 100 Mann, die ihnen bis vor die Pizzeria folgen, in die sich die Flüchtigen retten.
'Pogrom' ist das Wort, das in den nachfolgenden Prozessen häufig fiel. 'Nazis hetzen Inder durch Mügeln', lautete die gängige Schlagzeile. 'Es war mit Sicherheit kein organisierter rechtsradikaler Angriff', resümiert Filmemacher Kamil Taylan ein Jahr nach den Ereignissen. 'Es waren Rechtsradikale dort, aber eher zufällig, genauso wie die Inder. Sie waren Ausländer, das war ihr Pech. Es hätte jeden treffen können, der anders aussieht oder anders denkt. Als die Inder in der Pizzeria um ihr Leben bangten, wurde interessanterweise nicht 'Inder raus' sondern 'Türken raus' geschrien.'
Insgesamt drei Monate verbrachte Kamil Taylan in der Kleinstadt im Kreis Nordsachsen, um für seinen Film zu recherchieren. Er durchforstete Ermittlungsakten, sprach mit den Opfern, Staatsanwälten, Verteidigern, Augenzeugen und 'mit einigen couragierten Menschen, die mir die Täter nannten, die die Schlägerei anzettelten'. Taylan: 'Ich nenne Ross und Reiter.' Denn die wenigen, die im Verlauf der Ermittlungen zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt wurden, seien nicht die Haupttäter.
Diese sollen größtenteils rechter Gesinnung sein und nicht aus der Stadt stammen, sondern aus dem Nachbarort Wermsdorf. Eine Bestätigung für Mügelns Bürgermeister Gotthard Deuse, der stets behauptete, in seiner Stadt gäbe es keine Rechtsradikalen? 'Das ist mit Verlaub Unsinn, den Herr Deuse da redete', widerspricht Taylan, 'es gibt sehr wohl rechtskräftig verurteilte Neonazis, die aus Mügeln stammen. Die NPD erhielt hier zur letzten Wahl zehn Prozent der Stimmen. In jeder Stadt gibt es Rechtsradikale, im Osten wie im Westen.'Auch mit Deuse traf sich der türkischstämmige Filmemacher zum Interview: 'Er will es noch immer nicht wahrhaben, dass in seiner Stadt so etwas passieren konnte. Der Bürgermeister war damals völlig überfordert, er hätte sich einen Berater holen sollen. Seine Partei und auch der Landrat haben ihn richtig im Regen stehen lassen. Deuse war der Presse ausgeliefert, ihm fehlte die Erfahrung im Umgang mit Journalisten.'
Mangelnde Erfahrung ist für Taylan auch der Hauptgrund für die Ausländerfeindlichkeit, die am Abend des 18. August an die Oberfläche trat: 'In dieser Region weiß man nicht richtig, wie man mit Ausländern umgehen soll.' Eine Entschuldigung sei dies jedoch nicht, stellt der Autor klar: 'Alle sagten anschließend, der Übergriff war nicht organisiert. Aber das ist doch viel schlimmer! Dass ein Funke genügte, hundert Leute aller Altersklassen 'Deutschland den Deutschen' und 'Hier regiert der nationale Widerstand' skandieren zu lassen. Wäre es eine Kameradschaft aus 20 oder 30 Mann gewesen, die vor der Pizzeria stand, hätte mich das weniger schockiert.'
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17. Sep 2008, 23:30
Durch die Schlagzeile 'Nazis hetzen Inder durch Mügeln' wird die sächsische Kleinstadt über Nacht bekannt. Im August 2007 griffen deutsche Jugendliche auf einem Volksfest eine Gruppe von Indern an. Die Polizei konnte sie nur mit Mühe aufhalten. Kamil Taylans Dokumentation rekonstruiert die Ereignisse. ... mehr







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