Film Star Portrait
Maruschka Detmers - Die eigenen Zügel lockern
Maruschka Detmers spielt die Hauptrolle in 'Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe' (Kinostart: 28.08.)
Von Claudia Nitsche 27. Aug 2008, 07:59

Maruschka Detmers hat sich in Deutschland lange rargemacht. © Delphi / Gordon Photographie
Ihre lange Abwesenheit aus der deutschen Kino- und Fernsehlandschaft hätte schwerwiegende Folgen haben können. Seit 25 Jahren lebt Maruschka Detmers in Paris, hatte nicht viel mehr als Gastauftritte in Deutschland. Dennoch ist sie der männlichen Zuschauerschaft immer noch ein Begriff: 'Via Mala' sagen die Herren mit einem wissenden Lächeln. Vor über 20 Jahren wurde der TV-Dreiteiler mit der verführerischen Niederländerin erstmals ausgestrahlt. Jetzt ist Maruschka Detmers in Leander Haußmanns Romanadaption 'Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe' (Kinostart: 28.08.) als Hauptdarstellerin zu sehen.

Die schwierige Aufgabe, dem jungenhaft wirkenden Tom Schilling den Kopf zu verdrehen, meistert sie souverän.
Sie ist 46 Jahre, hat ein tiefes Lachen und dennoch 'diese entzückende Dialekt', der auch Wahl-Französinnen so unwiderstehlich macht. Sie ist schlank, sie raucht und die helle Jeans wie die weißblaue Tunika sind vermutlich auch in Paris kein Must der Saison. Doch es ist vollkommen egal, was die Schauspielerin trägt. Maruschka Detmers ist eine schöne Frau. Sie braucht keine Attribute, die man sich ansteckt, um gut auszusehen. Sie ist schön und ehrlich.
Fragen zum beruflichen Leerlauf beantwortet sie genauso wie zu ihrem Privatleben.

Oft fehlen ihr die deutschen Worte, und bevor sie etwas sagt, denkt sie meist lange nach, spricht sehr langsam und macht immer wieder Pausen. Keine Diva, sondern eine kultivierte Frau ohne Allüren, die weder alten Zeiten noch alten Erfolgen nachhängt.
teleschau: Bei 'Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe' gibt es viele unglaublich witzige Momente, wie beispielsweise die improvisierte Szene mit Regisseur Leander Haußmann und Detlev Buck. Mussten Sie sich beim Dreh sehr oft das Lachen verkneifen?
Maruschka Detmers: Ich war eher überrascht, wie viele unerwartete Sachen Leander Haußmann am Set macht, wie er da mit Energie Pirouetten drehte.

Er spielt ja viele Sachen selbst vor, und so macht man das dann am besten nicht (lacht lange). Aber ich habe auch gemerkt, wie nah mir die deutsche Kultur doch ist. Der Humor, der sehr viel direkter ist als der französische, liegt mir als Holländerin mehr. Während die Franzosen da gerne einen oder mehrere Bogen schlagen, ist der deutsche Witz einfacher zu verstehen.
teleschau: Sie haben sich in Deutschland rar gemacht vor den Kameras.
Detmers: Ich hatte eine lange Pause, was das Kino betrifft. Das letzte Mal, als ich hier gearbeitet habe, war vor sechs Jahren fürs Fernsehen.
teleschau: Womit waren Sie stattdessen beschäftigt?
Detmers: Sowohl mit Arbeiten für das Theater als auch für das französische Fernsehen. Die Rollen sind reicher, komplizierter und interessanter, aber man muss länger auf sie warten. Für 25-Jährige gibt es einfach mehr Angebote.
teleschau: Versuchen Sie, dem Älterwerden entgegenzuwirken?
Detmers: Ich mache nur ein bisschen Sport. Ich habe die Gene von meinem Vater, deswegen habe ich kräftige Arme. Die hatte ich schon immer. Ansonsten lebe ich sehr gesund, viel Obst, keine Soßen. Das Einzige, wovon ich gerne viel mehr essen würde, ist Käse.
teleschau: Haben Sie denn so viel zu tun, dass es Ihnen angenehm ist?
Detmers: Nein, so ist es nicht, ich hätte gerne mehr gearbeitet, aber die Qualität der Angebote, wissen Sie, die ist manchmal nicht so super. Dann muss man Nein sagen, versucht sich zu schützen. Wenn man es sich leisten kann, ist Warten die bessere Alternative. Ich weiß nicht, wie das in Deutschland ist.
teleschau: Worin sehen Sie die größte Problematik?
Detmers: Auf zehn Männerrollen kommt eine Frauenrolle. Und dabei gibt es mehr Schauspielerinnen als Schauspieler.
teleschau: Haben Sie ihre Ziele ins Private verlagert?
Detmers: Ich versuche, jedes Jahr glücklicher zu werden und die Dinge nicht mehr so unglaublich wichtig zu nehmen. Zu diesen Dingen gehört auch der Erfolg. Man hat, wenn man jünger ist, eine unglaublich konkrete Idee, wie alles werden und man sein sollte. Ich nahm es mir selbst immer sehr übel, wenn ich dann nicht so war. Diese Idee verwischt mehr und mehr. Ich mache mir weniger Vorschriften und bin nicht mehr so streng mit mir selbst.
teleschau: Entwickelten Sie eine neue Bescheidenheit?
Detmers: Ja, da haben Sie recht. Es ist Bescheidenheit. Das scheint ein Widerspruch zu sein, aber das ist es nicht. Es geht darum, kleinere Dinge mehr zu schätzen. Das kleine Glück.
teleschau: Worin besteht das für Sie?
Detmers: Zum Beispiel beim Taxifahren: Die Fahrer in Paris sind immer sehr schlecht gelaunt (sie macht einen zornigen Gesichtsausdruck, d. Red.). Wenn also dieser übellaunige Mann am Ziel zurücklächelt, gute Stimmung im Wagen ist, das macht mir Freude. Eine andere Sache ist das Theaterspielen. Während man bei Fernsehproduktionen nie das Publikum sieht, spürt man auf der Bühne, ob das angekommen ist, was man reingelegt hat.
teleschau: Mussten Sie Ihre Vorstellung vom Leben öfter verändern?
Detmers (denkt lange nach): Ja. Ich wollte, als ich noch sehr viel jünger war als jetzt, immer die Beste sein, ob in Chemie, Mathematik, Physik, beim Sport. Ich habe mir das Leben so schwer gemacht. Dieser Perfektionismus ist heute nicht weg, aber besser.
teleschau: Gleichzeitig waren Sie die Abenteurerin, die noch vor der Volljährigkeit auf und davon ist nach Paris.
Detmers: Ja, ich wollte meine Umgebung für ein Jahr ändern, und mich in schwierige Umstände bringen, sodass jeder versteht, dass nicht ich selbst die Schwierigkeit in meinem Leben bin (lacht). Paris galt in Holland als das nächste exotische Ausland. Ich konnte kein Französisch, kannte dort keinen, sollte ja eigentlich Medizin studieren. Aus dem Jahr wurden 25.
teleschau: Hat Ihnen Ihr Ehrgeiz bei der Integration geholfen?
Detmers: Nur in dem Sinn, dass ich sehr schnell die Sprache gelernt habe. Wenn ich mich jetzt Deutsch reden höre, ärgere ich mich allerdings schon wieder über mich.
teleschau: Sie wollten doch nicht mehr so streng zu sich sein. Was wird Ihnen das Jahr noch Spannendes bringen?
Detmers: Meine 18-jährige Tochter wird nächste Woche ausziehen. Das wird ein harter Cut. Aber auch interessant. Ich habe mir vorgenommen, mehr zu reisen, und zwar dann, wann ich will. Doch, ich werde es ausnützen, die positive Seite daran sehen. Auch für mich beginnt damit ein neuer Zyklus.
Teleschau: Wie ist das Verhältnis zu ihrer Tochter?
Detmers: Es ist eine freundschaftliche Beziehung, wir sind sehr frei im Umgang miteinander. Manchmal gibt es auch Kritik von ihrer Seite (sie legt scheinbar gekränkt den Kopf in den Nacken, d. Red.). Dann wirft meine Tochter die Augen zum Himmel und sagt: 'Mama!'
teleschau: Was hat sie vor?
Detmers: Sie wird Medizin studieren, führt also das fort, was ihre Mutter tun sollte, nein: wollte. Sie sagt, sie ist beeinflusst, auch von ihrem Vater. In beiden Familien gibt es viele Mediziner. Sie besitzt diese mathematischen Fähigkeiten und eine sehr gute Ausrede, die sie mir bereits servierte: 'Wenn ich scheitere, Mama, dann weil es nicht meine Wahl war.' (lacht)
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