Liebhaber Autos
Ford Capri: Vorreiter der Sportcoupés
Von Heiko Haupt 2. Sep 2008, 10:35
Köln (dpa/tmn) - Wenn es um schnelle Informationen geht, wird heute meist «gegoogelt». Die Ergebnisse zeigen dann auch, wie hoch der Stellenwert des Begriffs gerade ist.
Das gilt nicht zuletzt für automobile Klassiker. Geht es um den Suchbegriff Capri, erscheinen zunächst Auskünfte über die touristischen Höhepunkte der gleichnamigen Mittelmeerinsel. Der Suchende erfährt außerdem, dass das Erfrischungsgetränk «Capri-Sonne» in einem sogenannten Standbodenbeutel angeboten wird. Von Autos keine Spur. Denn obwohl der Capri als Vorreiter der Sportcoupés aus den 70er Jahren gilt, hat bis heute erst ein kleiner Kreis von Enthusiasten den Stellenwert des Autos erkannt, dessen Produktion vor 40 Jahren begann.
Wer ein Bild des «Fastback»-Coupés sieht, erkennt den «schnellen Rücken», so die Übersetzung des Begriffs, in Form der hinteren Seitenlinie dennoch auf Anhieb. Die Idee jenes Bauprinzips sorgte bereits 1964 in den USA für Aufsehen: Dort hatte Ford den Mustang auf den Markt gebracht, hinter dem sich eine ebenso simple wie geniale Idee verbarg. Hatte man doch Großserientechnik und starke Motoren mit hinreißendem Design kombiniert. Kein Wunder, dass der Mustang zum Bestseller avancierte. Kein Wunder auch, dass jemand auf die Idee kam, ein solches Konzept könnte auch in Europa funktionieren.
Schnell begannen die Arbeiten, und schon 1965 soll ein erster Prototyp bereitgestanden haben. Was dann als Capri vorgestellt wurde, konnte sich zumindest im Hinblick auf die Form sehen lassen. Mit leicht zugekniffenen Augen ließen sich durchaus Ähnlichkeiten mit dem Mustang ausmachen: Da war die lange Motorhaube, die hintere Hälfte wurde vom «Fastback» bestimmt, dem schnellen Heck in Form eines coupéhaft verlaufenen Dachs und einem Stummelheck. Ende 1968 liefen die Bänder an, präsentiert wurde der Capri Anfang 1969.
Schnell wurde aber auch klar, dass sich die Idee Capri von der Idee Mustang absetzte. Die Chefs der europäischen Konzernzentrale setzten auf Vielfalt im Modellangebot - was unter anderem bedeutete, dass ein Capri die optischen Versprechen seines Designs beim Tritt aufs Gaspedal nicht immer in Fahrleistungen umsetzen konnte.
Weil man auch Kunden mit weniger hohen Leistungswünschen ansprechen wollte, implantierte Ford dem Capri in der Basisversion einen eher bescheidenen Motor: Im Capri 1300 werkelte ein Vierzylinder mit nur 37 KW/50 PS. Damit dauerte die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 stolze 24 Sekunden - und bei 133 Stundenkilometern ging dem Auto endgültig die Puste aus.Aber es gab auch Motoren, die dem sportlichen Anspruch gerecht wurden. Gerade in den frühen Capri-Jahren gilt als Beispiel der RS 2600 mit seinem 110 kW/150 PS starken Sechszylinder und martialischer Aufmachung. Er hatte schicke Doppelscheinwerfer, ein tiefer gelegtes Fahrwerk und eine mattschwarze Motorhaube.Die unterm Blech verborgene Technik jedoch zeigte bei allen Modellen, dass man nicht auf eine besonders hochwertige Konstruktion aus war. Zwar verzögerten an der Vorderachse Scheibenbremsen, hinten dagegen beließ man es bei Trommelbremsen. Außerdem wurde hinten eine wenig standesgemäße Starrachse mit Blattfedern verbaut.
Dem Erfolg tat das keinen Abbruch. Der Capri verkaufte sich bestens. Dass Ford ihn in den folgenden Jahren auch als Basis für Renneinsätze nutzte, heizte den Erfolg noch an.
Nach einem Facelift der ersten Generation folgte schon 1974 der Capri II. Der zeichnete sich durch einen vergrößerten Innenraum, einen zur großen Heckklappe mutierten Kofferraumdeckel und rechteckige Frontscheinwerfer aus. Das nächste und letzte Kapitel wurde 1978 mit dem Capri III aufgeschlagen.
© 2008 dpa - Deutsche Presse-Agentur
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