Fahrberichte


VW Golf - Gelungene Weiterentwicklung eines Klassikers

10. Sep 2008, 10:06

Hamburg (dpa-infocom) - Viele Golf-Fahrer sind gespannt auf den Wachwechsel in der Kompaktklasse. Wenn VW Mitte Oktober den neuen Golf an den Start bringt, ist das nicht nur für die Niedersachsen die wichtigste Premiere des Jahres.

Kein Aufreger, aber auch keine Schwachstellen

Weil kein anderes Auto bei uns so oft verkauft wird wie der Dauerbrenner von VW, blickt auch die Konkurrenz mit großem Interesse auf die sechste Generation. Und was sie da sieht, wird sie kaum freuen. Denn auch der neue Golf leistet sich keine Schwächen. Natürlich ist der Golf kein Aufreger, nach dem man sich umdreht. Doch hat Designchef Walter de Silva die klassische Form feinfühlig weiterentwickelt und das Aussehen geschickt aufpoliert. Deshalb sieht der Golf jetzt ein bisschen sportlicher aus und wirkt mit seinen schmaleren Fugen und den schärferen Radien noch präziser.

Technik wurde auf Vordermann gebracht

Zudem hat Entwicklungschef Ulrich Hackenberg im gleichen Zug die Technik so gründlich auf Vordermann gebracht, dass VW-Chef Martin Winterkorn vollmundig vom «besten Golf aller Zeiten» spricht. Selbst an den Preisen prallt die Kritik weitgehend ab. Zwar kann man den Golf mit seinen vielen neuen Extras problemlos weit in die obere Mittelklasse treiben. Doch zumindest das Basismodell ist gerade einmal 200 Euro teurer geworden und kostet jetzt 16 500 Euro.

Alles neu und doch vertraut

Wer zum ersten Mal im neuen Golf Platz nimmt, fühlt sich darin auf Anhieb wie zu Hause. Obwohl alles neu ist und kein Teil im Cockpit auf dem anderen blieb, wirkt der Golf so vertraut und gewohnt, als hätte sich daran in den letzten 30 Jahren nichts geändert. Dabei gibt es jetzt natürlich drei Dutzend Schalter und Knöpfe mehr, die man aber intuitiv zu bedienen versteht.

Ein Raumwunder entfällt

Anders als viele Wettbewerber hat VW den Generationswechsel nicht zu einer Korrektur des Formats genutzt. Nach wie vor misst der Golf deshalb noch 4,20 Meter. Und weil auch der Radstand von 2,58 Metern nicht verändert wurde, sind auch die Platzverhältnisse gleich. So wird der Golf wieder nicht zum Raumwunder, bietet aber genügend Knie- und Schulterfreiheit sowie mit 350 Litern ausreichend Kofferraum.

Die Ausstattung weist den Weg in die Oberklasse

Den Weg in die nächst höhere Klasse weist VW dagegen mit der Ausstattung für Sicherheit und Komfort. Sieben Airbags, darunter auch ein Knie-Airbag für den Fahrer, sind jetzt serienmäßig vorhanden. Das gilt auch für aktive Kopfstützen, ein weiterentwickeltes ESP oder die Klimaanlage. Und gegen Aufpreis gibt es aus Tiguan oder Passat Extras wie den Tempomat mit Abstandsregelung oder den halbautomatischen Parkroboter.

Schallschlucker machen den Golf zum Leisetreter

Am deutlichsten wird der weitere Aufstieg des Golf allerdings bei der Materialauswahl und Verarbeitungsqualität. War da schon der Vorgänger wegweisend, geht die Neuauflage noch einen Schritt weiter. Mit viel Chrom, Klavierlack und weich hinterschäumten Kunststoffen wird der Golf förmlich zum Handschmeichler, den man gerne anfasst. Außerdem geht es im Inneren nun viel leiser zu als früher, weil die Ingenieure die Motoren neu gelagert und vor allem die Scheiben besser gedämmt haben.

Start mit zwei Dieseln und vier Benzinern

Die neue Ruhe in der Kompaktklasse kommt freilich auch vom Richtungswechsel unter der Haube. Denn nachdem VW bislang im wichtigsten Modell noch immer die Pumpe-Düse-Diesel mit ihrem markanten Nageln montiert hat, halten jetzt auch im Golf die deutlich kultivierteren Common-Rail-Motoren Einzug. Mittelfristig soll es vier Diesel geben. Zum Start aber bietet VW lediglich zwei Varianten eines 2,0-Liter-TDI an, die mit 81 kW/110 PS und 103 kW/140 PS in der Liste stehen. Wer einen Benziner bestellt, kann zwischen vier Motoren wählen, die zum Teil mit Direkteinspritzung und Aufladung arbeiten und ein Leistungsspektrum von 59 kW/80 PS bis 118 kW/160 PS abdecken.

Fahrspaß ist auch ohne GTI-Variante möglich

Allerdings muss es gar nicht die Spitzenmotorisierung und erst recht nicht der für den Herbst angekündigte GTI sein, wenn man mit dem Golf Spaß haben will. Schon der schwächere der beiden 1,4 Liter großen TSI-Motoren ist mit seinen 90 kW/122 PS und 200 Newtonmetern Drehmoment allemal stark genug, um den Fahrspaß nach oben zu treiben - insbesondere im Zusammenspiel mit dem DSG-Getriebe und dem adaptiven DCC-Fahrwerk mit variabler Dämpferkennung. Leise und völlig frei von jeder Aufregung beschleunigt er den Golf in 9,5 Sekunden auf Tempo 100, schafft eine Höchstgeschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde und ist im Normzyklus trotzdem mit 6,0 Litern zufrieden. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 138 Gramm pro Kilometern (g/km).

Fazit: Evolution statt Revolution - aber in großen Schritten

DATENBLATT: VW Golf 1.4 TSI
Motor und Antrieb:Reihen-Vierzylinder mit Direkteinspritzung und Turbo
Hubraum:1390 ccm
Max. Leistung:90 kW/122 PS bei 5000 U/min
Max. Drehmoment:200 Nm bei 1500-4000 U/min
Antrieb:Frontantrieb
Getriebe:Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Maße und Gewichte:
Länge:4199 mm
Breite:1779 mm
Höhe:1479 mm
Radstand:2578 mm
Leergewicht:1241 kg
Zuladung:609 kg
Kofferraumvolumen:350-1305 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit:200 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h:9,5 s
Durchschnittsverbrauch:6,0 Liter/100 km
Reichweite:920 km
CO2-Emission:138 g/km
Kraftstoff:Superbenzin
Schadstoffklasse:EU5
Kosten:
Basispreis der Modellreihe:16 500 Euro
Grundpreis des 1,4 TSI Sport & Style:22 450 Euro
Typklassen:k.A.
Kfz-Steuer pro Jahr:94 Euro/Jahr
alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit:ESP, sieben Airbags, aktive Kopfstützen
Komfort:Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung
© 2008 dpa - Deutsche Presse-Agentur

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